aktualisiert: 16.05.2010 19:23 Uhr
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BAD KISSINGEN
Ungut kann beim Scrabble gut sein
Die erste offizielle deutsche Meisterschaft fand in Bad Kissingen statt
„UNGUT“ ist gut. Für „UNGUT“ gibt es im Finale der Deutschen Scrabble-Meisterschaft 30 Punkte. Gut genug für den Sieg ist „UNGUT“ aber nicht. Petra Dingler aus Lübeck, die das Wort im ersten von insgesamt zwei Finalspielen mit ihren Buchstabenplättchen legt, unterliegt am Ende gegen Ulla Trappe. Die ist 45, kommt aus Augsburg und darf sich seit Sonntag erste offizielle Meisterin im deutschsprachigen Scrabble nennen.
Größtmögliche Ernsthaftigkeit
Die Stimmung im Finale eines wichtigen Scrabble-Turniers ist ein bisschen wie die Atmosphäre in einem Sketch von Loriot. Hier wie dort werden Dinge mit eher geringem Belang für das Fortkommen der Menschheit mit größtmöglicher Ernsthaftigkeit betrieben. Im Saal ist es während der Partien still, als schrieben hier alle miteinander gerade Abitur. Trotzdem mahnt ein Herr das Publikum gelegentlich zur Disziplin: „Ruhe bitte.“
Dreimal brandet dennoch Beifall auf. Den gibt's immer dann, wenn eine der Finalistinnen einen Scrabble legt, also alle sieben Buchstabenplättchen auf ihrem Bänkchen verwenden kann, um ein Wort zu legen.
Das ist besonders lukrativ. Neben der normalen Wertung bringt es 50 Zusatzpunkte. Zwei solcher Scrabbles schafft Ulla Trappe im Hinspiel des Finales. Es macht ihr Punktepolster dick genug, dass sie sich dann leisten kann, das von Taktik geprägte Rückspiel zu verlieren.
Ulla Trappe ist ein Sonderfall unter den deutschsprachigen Scrabble-Spielern. Zum ersten Mal überhaupt Scrabble gespielt hat sie nach eigenem Bekunden im August 2008. Ihr erstes Turnier bestritt sie ein Jahr darauf. Noch 2009 kürte die Szene sie zur Newcomerin des Jahres.
Als Naturtalent fühlt sich die 45-Jährige deswegen aber nicht. Die Erfahrung, die sich andere über Jahre durch spielen und immer wieder spielen erwerben, habe sie in kurzer Zeit durch intensives Training nachgeholt, erzählt sie nach dem Finalsieg. Ein Scrabble-Trainingsprogramm leiste ihr da große Hilfe.
Errungen hat die Orchestermusikerin – sie spielt im Stadttheater Augsburg Kontrabass – ihren Titel in Bad Kissingen. Insgesamt vier Tage lang kämpfte die deutschsprachige Scrabble-Elite dort still, aber ernsthaft um den Titel. 77 Teilnehmer listet die Tabelle insgesamt auf. Die Lokalmatadorinnen Brigitte Schönlein und Jutta Wittmann, die das Turnier nach Kissingen geholt hatten, landeten auf den Plätzen 40 (Schönlein) und 21 (Wittmann).
Beim letzten Wort des Turniers ist es auch im Publikum mit der Ernsthaftigkeit vorbei: Petra Dingler legt „AVE“ auf das Brett. Ave ist lateinisch und heißt „Sei gegrüßt“ oder „Lebe wohl“. Da müssen dann doch noch viele Scrabbler schmunzeln.
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