aktualisiert: 11.05.2011 07:48 Uhr
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WÜRZBURG
Weg der Erinnerung für Deportationsopfer
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Gewidmet den Opfern der Deportationen: Choreografiert von Thomas Kopp tanzten drei Solistinnen des „tanzSpeichers“ am Aumühl-Ladehof drei so genannte Miniaturen des Erinnerns.Fotos: Theresa Müller -
Abschluss: An der Gleisböschung reihten sich schließlich 852 Namen der Deportierten.
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Walter Scharwies (62), Bürgermeister aus Alzenau, erinnerte an Julius Hamburger:„Unsere jüdischen Mitbürger haben eine wichtige und integrierte Rolle gespielt. Unglaublich, wie so ein Hass entstehen konnte.“
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Erinnerung, die schmerzt: So berührt wie sie waren viele Beteiligten am Dienstag.
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Warten auf den Beginn: Im Ringpark wurden die Opfer-Namensschilder ausgegeben.
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Rabbiner Jakov Ebert nach dem Gebet: Neben den überwucherten Gleisen von damals rattern auch heute noch Züge vorbei. 852 Juden fuhren im April 1942 von hier aus in den Tod.
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Hans-Peter Dörr (64), Margetshöchheim, erinnerte an Alexander Schuster: „Die Gemeinde des Opfers ist meinem Heimatort Fladungen nahe. Wir müssen uns erinnern und allen Anfängen von Rassismus wehren.“
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Ingrid Dieckhoff (67), Würzburg, erinnerte an Else Bravmann: „Ich habe viel über die NS-Verbrechen gelesen. Auch wenn mich keine persönliche Schuld trifft: Ich will ein Zeichen setzen, dass es nicht vergessen wird.“
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Friedel Korten (73), Oberlauringen, erinnerte an Karoline Segen: „Diese Frau war unsere Nachbarin. Als kleines Mädchen habe ich immer ein Stück Brot von ihr gekriegt. Jetzt wohnt meine Tochter in diesem Haus.“
Rund 3000 Teilnehmer haben in einem Gedenkzug den Weg der Juden nachvollzogen, die im April 1942 aus Würzburg deportiert wurden.
Der Macht des Moments konnte sich am Ende kaum einer entziehen. Hier an den überwucherten Gleisen, wo vor 69 Jahren 852 Menschen in Waggons verladen und von Würzburg aus zur Vernichtung transportiert wurden. Ihre Namen, gesprochen von Schauspieldirektor Bernhard Stengele (Mainfranken Theater), hallen im Stakkato aus zwei Lautsprechern. Hintereinander, durcheinander. Immer schneller, bis zur Unkenntlichkeit. So wie die jüdischen Mitbürger aus ganz Unterfranken im April 1942 ihre Namen verloren haben. Weil ihnen alles abgenommen wurde, man sie zu Nummern degradierte.
Weg der Erinnerung
Und dann, als Rabbiner Jakov Ebert gerade das Kaddisch, das jüdische Heiligungsgebet, zu Ende gebracht hat, rattert im Hintergrund ein Güterzug vorbei. Wie eine inszenierte Geräuschkulisse. Ergriffenheit, Gänsehaut allenthalben. Nur einige Schüler haben sich zu diesem Zeitpunkt aus der Gedenkveranstaltung ausgeklinkt. Ansonsten sind die meisten der geschätzt fast 3000 Teilnehmer am „Weg der Erinnerung“ noch da, verfolgen auf einer schwarzen Fünf-Quadratmeter-Bühne die drei Tanzsolos des „tanzSpeichers“.
Es sind Momente des Nachdenkens. Was ist in den Opfern damals vorgegangen? Welche Ängste hatten sie? Todesahnung? Greifbar sind solche Gedanken, während die Namen der Ermordeten wie ein Klanggewitter über dem Bahngelände niedergehen. In der Gleisböschung liegen schwarze Namensschilder: 852 wurden am Dienstagnachmittag auf der 1,8 Kilometer langen Strecke vom Platz'schen Garten – früher ein Tanzlokal – bis zum Aumühl-Ladehof mitgetragen. Jedes einzelne Schild erinnerte an eines der Opfer.
Aus über 70 Gemeinden waren sie Ende April 1942 nach Würzburg kommandiert worden. Zwei Tage lang mussten sich die Menschen im Platz'schen Garten sammeln. Am 25. April dann der von sogenannter Schutzpolizei überwachte Marsch zu den Gleisen. Genau über diesen Weg zogen am Dienstag Bürger aus ganz Unterfranken – alte und junge, bekannte Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft genauso wie Teilnehmer ohne Funktion, die vor allem ein Signal geben wollten: Dass Unrecht wie in der Zeit des Nationalsozialismus nie wieder geschehen dürfe. Leise, meist schweigend bewegte sich der Zug über die Straßen, so wie von der Projektgruppe „Wir wollen erinnern“ gewünscht. Nicht das Leid der Vertriebenen nachzuempfinden, war ihr Anliegen. Wohl aber, den Opfern ihre Namen zurückzugeben.
„Damit hat man ihnen ein Stück Würde zurückgegeben“, sagte Josef Schuster, Vize-Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland. Außerdem wurden in den Herkunftsgemeinden teils erstmalig die Biografien der Ermordeten dokumentiert. Schuster zeigte sich beeindruckt ob der Größe des Gedenkzuges. Jahrzehntelang sei über die Deportationen in Würzburg nicht gesprochen worden. Am helllichten Tag waren die 852 Juden durch die Stadt getrieben worden. „Das lange Schweigen zeigt, dass der Verdrängungsprozess gut funktioniert hat“, so Schuster. Ähnlich Würzburgs Oberbürgermeister Georg Rosenthal: „Es kann nicht sein, dass das in der Stadt keiner gemerkt hat.“ Am Abend fand im Würzburger Ratssaal noch eine Gedenkstunde statt. Dort sprach auch Klaus Herzog, OB von Aschaffenburg, woher die größte Gruppe der dritten von insgesamt sechs Deportationen zwischen 1941 und 1943 stammte.
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der bürger (1268 Kommentare) am 11.05.2011 16:04
Schrecklich, was Menschen einander antun..eine würdige, gelungene Veranstaltung - ein lob an die organisatioren - das war bestimmt nicht einfach...ich würde mich freuen, wenn es so einen gedenkmarsch auch einmal für die opfer der bombennacht des 16. März 1945 geben würde, das waren schließlich auch alle opfer dieser wahnsinninge zeit und ihrer despoten.... |
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Gipsy45 (79 Kommentare) am 11.05.2011 12:07
Biographien der ErmordetenEin Dank muss auch jenen Personen ausgesprochen werden, die sich die Mühe gemacht haben, die Biographien der Ermordeten zu erforschen und zu erarbeiten, damit diese ins Netz gestellt werden konnten.Dies ist sicher ebenso ehrenvoll wie mit einer Geldspende die Aktion zu unterstützen! |
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Gipsy45 (79 Kommentare) am 11.05.2011 12:06
Biographien der ErmordetenEin Dank muss auch jenen Personen ausgesprochen werden, die sich die Mühe gemacht haben, die Biographien der Ermordeten zu erforschen und zu erarbeiten, damit diese ins Netz gestellt werden konnten.Dies ist sicher ebenso ehrenvoll wie die Aktion mit einer Geldspende zu unterstützen! |
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Gipsy45 (79 Kommentare) am 11.05.2011 11:57
Biographien der ErmordetenEin Dank muss auch jenen Personen ausgesprochen werden, die sich die Mühe gemacht haben, die Biographien der Ermordeten zu erforschen und zu erarbeiten, damit diese ins Netz gestellt werden konnten.Dies ist sicher ebenso ehrenvoll wie mit einer Geldspende die Aktion zu unterstützen! |
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lisbeth128 (57 Kommentare) am 11.05.2011 09:06
Ich vermisse im Berichtdas, was mich am meisten beeindruckt hat:die Vielfalt der Unterstützer (nachzulesen auf www.wir-wollen-uns-erinnern.de) - das geht von den Kirchen über Mainforum. Israelitische Gemeinde bis Schwulesbisches Zentrum - und der Teilnehmenden: ich hörte russisch, türkisch und andre Sprachen, erkannte Muslime, Juden und Christen ... |
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