publiziert: 30.08.2009 18:11 Uhr
aktualisiert: 30.08.2009 18:13 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text WÜRZBURG/MÜNCHEN
Wildschweine werden zur Plage

22 500 Tiere in Unterfranken erlegt – Bauern trotz Rekordabschuss unzufrieden

So viele wie nie zuvor: Über 62 000 Wildschweine haben Bayerns Jäger im vergangenen Jahr erlegt, rund 22 250 davon allein in Unterfranken. Für Landwirte sind die Schwarzwildbestände noch immer viel zu hoch. Jäger halten die Schadensforderungen der Bauern zunehmend für überzogen. Ein Gespräch mit unterfränkischen Vertretern im Bayerischen Bauernverband und Landesjagdverband Bayern über ein Problem, das auch mit Rekord-Abschusszahlen nicht aus der Welt ist.

  • Immer häufiger tauchen Wildschweine auch in besiedelten Gebieten auf. Unser Bild entstand in Senftenberg (Oberspree-Lausitz).
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Wildschweine gelten als intelligente Tiere. Ab und zu verirren sie sich jedoch in von Menschen beanspruchtes Revier. In Wald und Feld stehen Schwarzkittel ganz oben auf der Abschussliste – bei den Landwirten. Für sie sind Wildschweine eine Plage. Unterfrankens Bezirkspräsident im Bayerischen Bauernverband, Bernhard Weiler, beschreibt die Schäden, die Wildschweine im vergangenen Jahr im Grünland angerichtet haben, als „massiv“.

Fressbesuche im Mais-, Weizen- oder Rapsfeld erregen ebenfalls den Unmut der Bauern. Sie haben jedoch die Möglichkeit, Wildschäden beim Jagdpächter geltend zu machen. Aber: „Den Jägern ist das zu viel. Sie wollen sich aus den Zahlungsverpflichtungen mogeln“, sagt Weiler und verweist auf die Jagdpachtverträge. „Die sehen das vor.“

Enno Piening bestreitet die gesetzlich festgeschriebene Schadensregelung nicht. Der Vorsitzende des Bezirks Unterfranken im Landesjagdverband Bayern und zugleich dessen Vizepräsident bezeichnet jedoch die meist dramatisch formulierten Beschwerden der Bauern über die Jäger als überzogen. „Ich habe ja Verständnis für Landwirte, aber oft wird der Schaden als existenzbedrohend geschildert, ist aber in vielen Fällen um die 150 Euro hoch“, so Piening. Ein emotional geladenes Thema. Der Landesjagdverband möchte es nun genau wissen und hat ein Monitoring gestartet, mit dem Daten aus ganz Bayern gesammelt werden, „um mal zu klären, wie die Schäden in Relation zur Strecke sind“.

Bauern und Jäger sind sich bei allen Differenzen jedoch einig in dem Punkt, dass nur gemeinsames Handeln hilft, um die Zahl der Wildschweine zu dezimieren. Bernhard Weiler sieht als probates Mittel die vom Jagdverband geförderten revierübergreifenden Schwarzwildringe. Vorzeigebeispiel ist der vom Vorsitzenden des Schweinfurter Jagdschutzverbandes, Wolf Pöls, geleitete Schwarzwaldring Wässernachtal. Weiler meint, dass Bauern und Jäger sich aufeinander zu bewegen müssten. Allerdings fordert er von den Jägern noch mehr Engagement die Wildschweinbestände einzudämmen – „auch mit anderen Bejagungsmethoden, unter besonderen Umständen und auf Zeit, vor allem hinsichtlich der Schweinepest“.

Das sieht Enno Piening anders. Einzel-, Drück- und großflächige Bewegungsjagden seien völlig ausreichend, andere Methoden wären kaum mit dem Tierschutz zu vereinbaren. Er fordert dagegen die Bauern auf, es den Jägern nicht so schwer zu machen. Ihre Felder würden bis an den Wald reichen. „Wo soll man da schießen?“ Darüber hinaus verweist Piening auf Faktoren, die es den Wildschweinen im Lauf der Jahre einfach gemacht hätten, sich auszubreiten. „Das Problem beruht auch auf dem Strukturwandel in der Landwirtschaft hin zur Großfläche mit dichter Vegetation. Da bleiben die Sauen drin und laufen im Kreis, weil sie wissen, dass es draußen knallt.“ Der Dillinger Landrat Leo Schrell hat deshalb Schussschneisen in Maisfeldern gefordert. Das würde die Bejagung erleichtern.

Im Herbst werden sich Jäger und Landwirte wieder an einen Tisch setzen. Einen Lösungsvorschlag hat Enno Piening jetzt schon. Da der Preis für Wildbret extrem stark gesunken sei und ein Abschuss sich für Jäger finanziell überhaupt nicht lohne, könne man Wildschäden beispielsweise in Naturalien – also mit einer geschossenen Sau begleichen. Bernhard Weiler sieht eher den Staat in der Pflicht, bei der Vermarktung von Wildbret zu helfen. Die Gesprächsthemen gehen also nicht aus.

Von unserem Redaktionsmitglied Christine Jeske
    
    

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Die neuesten Kommentare

steinmarder (373 Kommentare) am 31.08.2009 11:17

naja

das kann man auch ganz anders betrachten! aber ich möchte ja nicht an die ehre des waidmannes kratzen!
(0)
chrihand (366 Kommentare) am 31.08.2009 10:13

tja....

und wenn man eine jagd durchführt kommt man vors gericht, weil sich ein keiler verirrte. vielleicht sollten wir den wolf wieder flächendeckend einführen, als natürlichen feind der waldtiere. ach nee, dann frisst der wieder stockenten und mountainbiker. man kanns halt keinem recht machen in deutschland...
(0)
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