publiziert: 12.05.2009 21:37 Uhr
aktualisiert: 12.05.2009 21:39 Uhr
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Zug der Erinnerung hält in Würzburg

Deportationen in Vernichtungslager

Der „Zug der Erinnerung“ hält von Donnerstag bis einschließlich Samstag (14. bis 16. Mai) auf dem Hauptbahnhof Würzburg. Das Projekt des gleichnamigen Vereins erinnert an die Hunderttausende Kinder aus Europa, die von Hitlers Helfern mit der ehemaligen Deutschen Reichsbahn in Vernichtungslager im Osten transportiert wurden, vorwiegend nach Auschwitz.

Es ist Krieg, auch im Inneren regiert der Hass: Kommandos der Geheimen Staatspolizei holen Kinder gezielt aus Wohnungen und Schulen – jüdische Kinder, Sinti und Roma und Kinder von Eltern, die gegen die Nationalsozialisten kämpften. Man treibt sie auf Bahnhöfe, auch in Würzburg, und steckt sie in Waggons der Deutschen Reichbahn. Dann geht die Fahrt nach Osten. Tausende Züge aus den durch Hitlers Armeen eroberten Ländern Europas werden zu einem Ziel geschleust: das heißt Vernichtung.

Empörung über die Bahn

Schätzungen zufolge wurden zwischen Oktober 1940 und Dezember 1944 etwa drei Millionen Menschen mit Zügen in den Tod geschickt, darunter mehr als eine Million Kinder und Heranwachsende. Der „Zug der Erinnerung“ – eine historische Lok und drei zu Ausstellungsräumen umfunktionierte Waggons – will die Verschollenen, Ermordeten dem Vergessen entreißen. Für die Veranstalter ist es höchste Zeit. Damit sich ihr Schicksal nie wiederholt, schreiben sie.

Der Zug ist seit 2007 unterwegs, machte in zahlreichen deutschen Städten Station. Überall, wo er Halt machte, ist die „Politik“ der Bahn ein Ärgernis. Die Rechtsnachfolgerin der Reichsbahn gibt zwar Gleise und Bahnsteige frei – verlangt aber Trassen- und Stationsgebühren. Dass sich die Bahn finanziell überhaupt nicht bewegt, stößt auch dem Würzburger Oberbürgermeister sauer auf. Georg Rosenthal hat dem neuen Bahn-Vorstandsvorsitzenden Rüdiger Grube einen deutlichen Brief geschrieben. Darin ist von einem „zweifelhaften Signal an die Erinnerungskultur“ die Rede. Das Verhalten der Bahn AG sei nicht nachzuvollziehen. Der Stadtrat steht hinter dem OB. Das Gremium stellte 6000 Euro bereit, um den Aufenthalt in Würzburg zu ermöglichen.

Von 8.30 Uhr bis 19 Uhr geöffnet

In Würzburg hält der Zug auf Gleis 8 des Hauptbahnhofs. Die Ausstellung ist an den drei Tagen von 8.30 bis 19 Uhr geöffnet. OB Rosenthal hat die Schirmherrschaft übernommen und empfiehlt besonders Schulen den Besuch. Rosenthal eröffnet die Ausstellung am Donnerstag um 10 Uhr.

Die Ausstellung wird vom Stadtarchiv um Daten und Hintergründe zu den Würzburger Deportationsopfern ergänzt. Denn von hier aus wurden mindestens 80 Kinder und Jugendliche in den Tod geschickt. „Mehr als 60 Jahre ist das Schicksal dieser Kinder verschwiegen worden“, heißt es in einem Faltblatt zur Ausstellung. Und weiter: „Fast keiner der Täter wurde je zur Rechenschaft gezogen.“

Weitere Informationen unter www.zug-der-erinnerung.de

Von unserem Redaktionsmitglied Tilman Toepfer
    
    

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