aktualisiert: 23.01.2012 16:24 Uhr
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Mobiles Internet: Aufgabe und Chance
Die Zeitung der Zukunft: Entscheidend wird sein, wie flexibel und klug sich die klassischen Medienhäuser darauf einstellen werden
Weltweit befindet sich die Medienlandschaft in einem gewaltigen Umbruch, seit das Internet zum privaten Alltag dazugehört. Allein in Deutschland nutzen mehr als 52 Millionen Menschen mittlerweile das Internet durchschnittlich mehr als zwei Stunden täglich, um sich mit Nachrichten zu versorgen, allgemeine Informationen zu suchen oder bequem einzukaufen. Und die nächste Stufe der Medienrevolution ist bereits erreicht: Die Dekade von 2010 bis 2020 wird als das Jahrzehnt des mobilen Internets betrachtet.
Wenn 60-Jährige heute ihren Enkeln erzählen, welche Medien sie als Kinder und Jugendliche genutzt haben, dann sprechen sie von Zeitung, Radio und Fernsehen – nur dass es lediglich wenige Radiosender zu empfangen gab und das Fernsehen noch eine Flimmerkiste mit Schwarzweiß-Bild war, in der zwei öffentlich-rechtliche Programme abends an einigen Stunden sendeten. 15 Jahre nach dem Einzug des Internets in deutsche Privathaushalte erscheint die Medienlandschaft früherer Zeiten geradezu öde. Die Mediennutzer hatten nur eine geringe Auswahl und mussten sich auf das Konsumieren von Inhalten beschränken. Dagegen ist die Medienvielfalt von heute unüberschaubar und aus dem Konsumenten ist längst ein Prosument geworden, wie Fachleute diejenigen Mediennutzer nennen, die nicht nur konsumieren, sondern auch Inhalte produzieren. Auf privaten Internetseiten und in sozialen Netzwerken werden nämlich täglich Millionen von Informationen publiziert, die weltweit konsumiert werden können.
Mit der Einführung des Apple iPads im Mai 2010 hat der neueste Trend der Tablet-Computer bei der Mediennutzung in Deutschland eingesetzt. Noch nie in der Geschichte der Medien hat sich ein Gerät so schnell auf dem Massenmarkt durchgesetzt; Experten rechnen Ende 2012 mit mehr als fünf Millionen Tablet-PCs in Deutschland. Am Ende des Jahrzehnts werden diese flachen und handlichen Multimedia-Geräte so verbreitet sein wie heute Fernseher. Tablet-Computer eignen sich ideal als universelle Medienmaschinen, um zu lesen, im Internet zu surfen oder Bewegtbilder anzusehen. Tablet-PCs stehen für eine elementare Entwicklung der jüngsten Technik-Evolution: der einfachen, kinderleichten Bedienbarkeit.
Die einfache Aneignung moderner Technik hat auch zum Erfolg sogenannter Smartphones geführt: flache Handys mit einem farbigen Display, das der Fläche einer Zigarettenpackung entspricht. Die Smartphones, allen voran das iPhone der Firma Apple, stehen für den Megatrend zum mobilen Internet. Mit diesen Geräten wird unterwegs gelesen, gesurft, Musik gehört oder werden Videos angesehen. Natürlich können auch SMS und E-Mails verschickt oder Fotos und Videos erstellt werden – das Smartphone ist mittlerweile für rund 25 Millionen Deutsche das Schweizer Messer für Mediennutzung und Medienproduktion, Telefonieren spielt nur noch eine Nebenrolle.
Mit dem Kunstbegriff SoLoMo beschreiben Marktforscher den jüngsten Medientrend, der in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen wird: Die Worte Soziales, Lokales und Mobilität sind in der Abkürzung zusammen gefasst. Soziales steht für den stark gewachsenen Markt von sozialen Netzwerken wie Facebook oder studiVZ, in denen fast 40 Millionen Deutsche registriert sind; Lokales beschreibt die Entwicklung, dass die Nutzer durch die Mobilität von Smartphones in der Lage sind, ihre jeweilige lokale Umgebung bei der Nutzung digitaler Medien einzubeziehen. Das Internet ist ständig dabei und ermöglicht die Verbindung der virtuellen Welt mit dem Alltagsleben.
Parallel zu den Veränderungen durch technischen Fortschritt werden sich auch klassische Medien wie Zeitungen weiter entwickeln. Bereits heute verfügen Zeitungsverlage über Internetseiten mit Multimedia, über eigene Markenangebote für Smartphones und Tablet-PCs, mit denen sie nicht nur ihre Stammleser, sondern neue Zielgruppen erreichen können. Klassische Medien wie Fernsehen und Zeitung verlieren zwar langsam ihre Bedeutung als Nachrichtenmedien, aber sie profitieren gleichzeitig von den Nutzungsgewohnheiten der neuen Gerätebesitzer, die Nachrichten zunehmend über digitale Geräte konsumieren. Mittelfristig wird sich die Medienlandschaft nicht grundsätzlich verändern, aber der Trend zu neuen digitalen Informationsträgern wird den Medienwandel beschleunigen. Im Mittelpunkt steht die individuelle Nutzung von Medien, die Möglichkeit zur Personalisierung von Inhalten, die bei klassischen Medien wie Fernsehen und Zeitung nicht möglich ist.
Wie sieht also die Zukunft der Medien und damit die zukünftige Mediennutzung aus? Auf der Basis der neuesten Entwicklungen lassen sich fünf Thesen für die nächsten Jahre formulieren:
1. Es gibt kein Fernsehgerät mehr, sondern universell einsetzbare Flachbildschirme für TV, Film und Video sowie für Internetnutzung, E-Mail und Videotelefonate.
2. Wer heute ein Handy hat, verfügt über ein Smartphone und ist ständig online.
3. Tablet-Computer und E-Book-Reader werden immer mehr zur Lektüre von Texten aus klassischen Printmedien wie Zeitungen, Zeitschriften und Büchern verwendet.
4. Menschen sind mit anderen Menschen weltweit, aber auch lokal digital verbunden und ständig kommunikationsbereit.
5. Die Rolle von Leitmedien mit professionellen Redaktionen und qualitativ hochwertigen journalistischen, multimedialen Inhalten wird wichtiger, um sich in der Informationsflut orientieren zu können.
Entscheidend für die Zukunft der jetzt auf dem Markt agierenden Medien wird sein, wie flexibel sich die klassischen Medienhäuser wie Zeitungs- und Zeitschriftenverlage oder TV-Sender auf den Wandel der Mediennutzung einstellen und neue Angebote für vorhandene und neue Zielgruppen entwickeln. Dabei kommt es nicht nur auf die Akzeptanz der Inhalte und Services durch die Kunden an, sondern auch darauf, mit diesen Kunden Einnahmen zu erzielen. Einnahmen aus dem Verkauf der Inhalte und Einnahmen aus der Werbewirtschaft, den beiden wichtigen Säulen des Geschäftsmodells. Die Medien der Zukunft werden überwiegend digitale Medien sein, aber deren Funktionen bleiben prinzipiell die gleichen wie die der klassischen Medien: Vermittlung von Nachrichten und Service-Informationen, Analyse und Einordnung, Unterhaltung und Zeitvertreib.

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