Rock im Park

aktualisiert: 05.06.2011 18:47 Uhr
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NÜRNBERG
Rock im Park: Es durfte auch mal gemäßigt sein
Rock im Park 2011: 55.000 Besucher feierten bei gemäßigterer Gangart. Und ein Ausblick: 2012 kommen mal wieder Die Toten Hosen.
Everything louder than everything else“, alles lauter als alles andere. Ist ein Albumtitel von Motörhead, aber Lemmy ist nicht da. Iron Maiden auch nicht. Und Metallica schon gar nicht. Dafür sind Coldplay und die Söhne Mannheims da. Nicht eben typisch für Rock im Park. 2011 war das Rockfestival in Nürnberg etwas anders. Nicht schlechter. Aber anders, weniger laut.
Klar, gekracht hat's bei insgesamt 85 Bands immer noch ordentlich auf den drei Bühnen am Zeppelinfeld zwischen Stadion und Dutzendteich. Disturbed, Korn, Volbeat, System Of A Down oder skurriles Zeug wie Altmeister Rob Zombie – da gab es tüchtig auf die Ohren. Nicht dass es das zwingend braucht, Rockmusik kann viel mehr als nur hart, laut und schnell sein. Aber: Eine Band wie Metallica kennt jeder, will jeder, auch wenn er/sie jedes Wochenende in irgendwelche Dancefloor-Schuppen rennt. Und so waren es in diesem Jahr halt ein paar Fans weniger. 55 200 Zuschauer an drei sonnigen und hochsommerlich warmen Tagen sind gut, aber nicht gerade das, was auf Neuhochdeutsch Hype genannt wird. Im vorigen Jahr sollen es 65 000 gewesen sein. Ein bisschen softer als sonst kam RiP, wie es der Fan gern abkürzt, also daher. Geschadet hat es zumindest inhaltlich nicht. Zum Beispiel die Söhne Mannheims – als „No go“ für ein Rockfestival bei den Eingefleischten gehandelt, kamen die Herren um Xavier Naidoo um einiges rauer rüber als bei irgendwelchen feuerzeugseligen Liederabenden. Coldplay wirkten nach zwei Jahren Bühnenabstinenz frisch und spielfreudig – waren in der lauen Abendluft aber schon eher was für die Pärchen in der Menge.
Abseits der großen Namen lieferten – es hat Tradition – einige Insidertipps die interessantesten Aufhorcher. Während Rob Zombie am Freitag auf der Alternastage optisch unterhaltsamen Schock-Rock der Marke Alice Cooper bot, führten drinnen, auf der Clubstage, die deutschen Elektro-Pop-Punker Bonaparte beinahe Kostüm-Theater auf und begeisterten damit vor allem die Jüngeren.
Apropos Teenies: Dass zwischen Center-stage und Alternastage eine Open-Air-Disco viel, aber wirklich viel zu laut Basslastiges aus den Boxen knallte, war so überflüssig wie ein Kropf. Techno-Beats von hinten, während sich von vorn ein Gitarrensolo ins Publikum schleicht – Blödsinn!
Da wurde manche Sohle durchgetanzt
Ansonsten war's selbstverständlich wieder ein gelungenes Stelldichein der gemäßigten bis brachialen Gangart. Mit System Of A Down als den unumstrittenen und Alter Bridge als den etwas geheimeren Königen der Bühne. Während die armenisch-stämmigen Kalifornier mit einem feinen Mischmasch aus Metal, Ska und osteuropäischen Folklore-Elementen ein Universalvolltreffer und Partykracher sind, schafften es die etwas verspielteren Post-Grunger Alter Bridge, die um den neuen Sänger Myles Kennedy ergänzte komplette ehemalige Musikantenrunde von Creed, mit komplexen, aber nie langweiligen Arrangements und im Gespann mit den blitzsauber, deutlich zünftiger als auf Scheibe musizierenden Three Doors Down das Publikum an die Alternastage zu binden – die deutschen Bands The BossHoss oder In Extremo dürften Danke gesagt haben. Die Mittelalter-Metaller aus Siegen hielten die Menge bis weit nach Mitternacht wach; da wurde manche Sohle durchgetanzt.
Dass Charts-Positionen immer funktionieren, ums voll zu machen, bewies der Sonntag. Viel Abseitiges, aber auch fast Vergessenes wie die düster-schummrigen Hardrock-Veteranen Danzig – und trotzdem Hochbetrieb.
Im nächsten Jahr feiern die Toten Hosen Jubiläum, seit 30 Jahren stehen die Düsseldorfer Punkrocker dann auf der Bühne – und auch mal wieder bei RiP in Nürnberg, wo sie ein Headliner sein werden, wie die Veranstalter am Sonntag ankündigten.
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