Rock im Park

aktualisiert: 06.06.2011 18:15 Uhr
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NÜRNBERG
Rock im Park: Kirchweihbuben und drei Schweinfurterinnen im Stress
Beobachtungen beim Festival Rock im Park in Nürnberg
Da stehen sie, die zwei putzigen Gesellen: „Kerschemmi Kirchweihbuben“ steht fränkisch vorn auf ihren Shirts, in der Hand haben sie – selbstverständlich – Bierbecher. Gut gelaunt sind sie auch, nur ob sie die weniger putzigen Gesellen droben auf der Bühne noch glasklar sehen, darf bezweifelt werden. Während Rob Zombies Kapelle Grusel-Rock-Theater zeigt, widmen die beiden sich lieber ihrer Umgebung, prosten Gott und der Welt zu. Das Leben kann so schön sein. Drei Tage lang Rock im Park, drei Tage Rockmusik, drei Tage Party.
Auch drei Tage wenig Schlaf und nicht nur gesunde Getränke. Da haben sich die kulinarischen Versorger einiges einfallen lassen, damit der Magen nicht nur 08/15-Konzert-Kost bekommt. Drei Tage Bratwurst ist auch in der Stadt der „Drei im Weckla“ keine Offenbarung. Also gibt's neben US-Fastfood und Spießbratenbrötchen auch „Thai-Curry“ und „gebratene Nudeln vegetarisch“.
Letzteres haben die Kirchweihbuben aus „Kerschemmi“ wohl nicht gelöffelt. Hinten auf ihren Shirts steht nämlich auch was: „Nur die Harten kommen in den Garten.“ Harte Rock-Fans und „Müsli-Nudeln“? Kaum. Aber es waren diesmal ja auch erheblich weniger Hardcore-Metaller im Park. Wie die aufgedrehten fünf Jungs aus dem Raum Bad Neustadt – das Kennzeichen ihres klapprigen Golfs verrät ihre Herkunft. Ihren genauen Wohnort behalten sie lieber für sich: „Irgendwo an der Saale.“
Dafür verraten sie, lässig vor ihrem Zelt auf der Wiese lümmelnd, dass das „Geschrubbe“ ohnehin nicht so ihr Ding sei. Softis also? Wegen Coldplay oder der Mannheimer Söhne hier? „Ne, auch nicht!“ Wortführer Kalle flippt schier aus. Und dreht Discobeats auf. Seine Kollegen holen bunte Brillen heraus und hüpfen seltsam herum – aha, wohl so ein Atzen-Ding.
Auch das hat's hier. Dominierend ist aber nicht bunt, sondern schwarz – das tragen Rocker und Rockerin von Welt halt schon seit drei Jahrzehnten am liebsten. „Soft“ nennt Andy das, was Kalle als „Geschrubbe“ abtut, „fucking soft“ sogar. Dabei hauen Disturbed grad mächtig auf den Putz. Andy gefällt's trotzdem, sonst wäre er, wohl wissend, was ihn erwartet, ja kaum aus Australien rüber gekommen, mal eben um die halbe Welt. Sein Programm: drei mitteleuropäische Festivals in 14 Tagen.
In Nürnberg müsse man eben mal gewesen sein, die anderen beiden Stippvisiten seien „Underground“-Geschichten, „fucking heavy“. Zwei Tage später steht Andy wieder vor der Alternastage, schaut begeistert nach oben auf die wahrlich sehenswerte Taylor Momsen. Das noch nicht 18-jährige Model versucht mit seiner Combo The Pretty Reckless an ihrem Dirty-Image zu arbeiten. Andy ist beeindruckt: „Pretty“, murmelt der Zauselkopf. „Fucking pretty“ sogar. Und zitiert, vermutlich ohne es zu ahnen, das heimliche Motto von Rock im Park und seinem Zwilling am Nürburgring: Alles kann, nichts muss. Wer hier nichts findet, der findet nirgends was. Irgendwie rechtfertigt das auch die wohl softeste Besetzung in den letzten 16 (Nürnberg) beziehungsweise 26 Jahren (Nürburgring).
Von der waren insbesondere einige Frauen angetan. Lena („Der Sänger von Madsen ist schon ein Süßer“) und die anderen beiden Mittzwanzigerinnen aus dem Schweinfurter Umland sausen ständig hin und her zwischen den Bühnen, nehmen mit, was geht – musikalisch, natürlich. Denn trotz knapper Shorts und noch knapperer Bikinioberteile („Nur wegen der Hitze, ehrlich!“) stehen Jungs nicht auf ihrem durchweichten, tausendfach gefalteten Zettel. „Da haben wir zusammengeschrieben, wie wir möglichst viel sehen können in drei Tagen. Ist ganz schön stressig.“ Mensch Mädels, dabei kann das Leben im Park doch so schön sein.
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