aktualisiert: 14.07.2008 18:57 Uhr
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HASSFURT
Der Choleriker sieht Rot
Achtklässler der Walddorfschule spielten Nestroys „Haus der Temperamente“
Mit außerordentlicher Spielfreude und viel Schwung führte die achte Klasse der Freien Waldorfschule in den Mainauen Haßfurt im Festsaal ihrer Schule die Posse „Das Haus der Temperamente“ von Johann Nestroy auf. Trotz zweieinhalb Stunden reiner Spielzeit war die Aufführung bis zum Schluss kurzweilig und spannend, so dass das Publikum die Schauspieler am Ende mit viel Applaus feierte.
An einer Waldorfschule ist es üblich, in der achten Klasse ein Theaterstück einzustudieren, Requisiten zu bauen und ein Bühnenbild zu gestalten. Es stärkt die Klassengemeinschaft, die Schüler lernen deutlich zu sprechen, ihre Grenzen zu überschreiten und selbstständig zu arbeiten.
Als der Deutschlehrer der Waldorfschule Haßfurt, Johannes Strohschein, seinen Schülern die Komödie von Johann Nestroy (1801-1862) vorschlug, beschlossen sie gemeinsam, dieses Stück umzusetzen. Keine harmlose Biedermeier-Posse, sondern ein Stück von scharfem Witz und rücksichtslosem Spott, beißendem Sarkasmus, urwüchsiger Komik und versöhnlichem Humor. Es handelt von Familien, die alle eines der vier Temperamente verkörpern: die Choleriker, die Phlegmatiker, die Sanguiniker und die Melancholiker.
Liebesgeschichten im Geheimen
Die Familien bestehen jeweils aus einem Vater, einer Tochter, einem Sohn und den Dienstmädchen. Die Töchter sind den väterlichen Jugendfreunden namens Sturm, Schlaf, Schmerz und Glück versprochen und sollen bei deren Besuch mit ihnen verlobt werden. Doch im Geheimen gibt es eine Liebesgeschichte zwischen den Söhnen und Töchtern des Hauses, wobei sich immer entgegengesetzte Temperamente anziehen. Der eingebildete Schuhputzer Hutzibutz und der eifersüchtige Barbier Schlankel spinnen ihre Intrigen untereinander und zwischen den Familien. Doch nach vielen Irrungen und Verwirrungen siegt die Liebe und die Töchter dürfen ihre Geliebten heiraten. So wie auch Hutzibutz seine Isabella schließlich die Seine nennen darf.
Lediglich Schlankel steht alleine und wütend da. Mit seinem Schwur: „Wenn ich nicht in sechs Wochen aus alle die Mariagen Ehescheidungen heraus bring, dann will ich nicht mehr Schlankel heißen und häng's Intrigantenfach für zeitlebens auf'n Nagl.“
Da die Komik durch die Überzeichnung der Temperamente entsteht, taten die Schauspieler gut daran, diese entsprechend übertrieben darzustellen. Die Schüler spielten ihre Rollen mit der gebotenen Ruhe und Langsamkeit, mit vielen Tränen, aufbrausendem Temperament und voller Frohmut. Zum Vergnügen des Publikums stürzten sie sich ins Geschehen, das sie vor vier Farbwänden als Andeutung für die Wohnungen der vier Familien entwickelten: Rot für cholerisch, Blau für melancholisch, Gelb für sanguinisch und Grün für phlegmatisch.
Die Ausbrüche der zornigen und traurigen Gemüter konnten sich sehen und hören lassen, die der phlegmatischen auf sich warten und die der glücklichen es auf sich beruhen lassen. Sämtliche Spieler zeigten gute Leistungen und eine hervorragende Aussprache, auch wenn sie aufgrund der Textfülle und des hin und her springenden Geschehens zwischendurch Hilfen für ihre Einsätze benötigten.
Talentierte Schauspieler
Gerade bei Eugen Gambäck, der in die Rolle des Schlankel hineinschlüpfte, kam ein ganz besonderes schauspielerisches Talent zum Vorschein und Johannes Höfener überzeugte nicht nur als cholerischer Vater, sondern untermalte die Handlung auch hinter der Bühne mit Improvisationen am Klavier.
Die Mitwirkenden: Eugen Gambäck, Florian Erhard, Johannes Höfener, Jakob Weiß, Lea Staab, Anna Brochloß-Gerner, Annika Stappenbacher, Jule Schober, Julia Klimach, Johannes Hetzel, Roman Koch, Laura Gruhn, Franziska Pfeuffer, Maximilian Kuscher, Judith Wagenhäuser, Maximilian Brehm, Sandra und Christian Hümpfner, Laura Zettelmeier, David Frank, Philipp Gocht, Jann Odenwald, Fynn Reuß und Katja Schwemmlein.
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