aktualisiert: 09.02.2012 17:02 Uhr
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HASSFURT
An die Grenzen der Belastbarkeit
Turnverein Haßfurt sieht im Neubau des Sportparks Eichelsee eine „Gemeinschaftsaufgabe für TV und Stadt“
In einer Pressemitteilung, die am Donnerstagabend an Medien im Landkreis Haßberge verschickt wurde, nimmt der Vorstand des Turnvereins Haßfurt Stellung zum geplanten Großprojekt „Sportpark Eichelsee“.
Der Verein sehe mit Optimismus der Entscheidung des Haßfurter Stadtrats am 16. Februar entgegen. Nach vierjähriger Vorarbeit seien die Planungen abgeschlossen, das Finanzierungskonzept stehe. „Der Turnverein steht geschlossen hinter dem Projekt, das so wichtig für den Verein, den Nachwuchs und den Breitensport in Haßfurt ist“, heißt es in der Pressemitteilung, die hier in Auszügen veröffentlicht wird.
Der Sportpark soll sechs Millionen Euro kosten. Ging das nicht billiger?
„Der Kostenansatz wurde durch einen seitens der Stadt Haßfurt eingeschalteten Projektsteuerer geprüft und unter Heranziehung von Vergleichswerten als angemessen bestätigt. Wir haben im Vergleich zum ursprünglichen Planungsstand sogar die weitest möglichen Abstriche gemacht, insbesondere am Baukörper und in der Ausstattung.“
Gibt es überhaupt Bedarf für eine Dreifachturnhalle?
„Ja, eindeutig. Der Bedarf wurde zunächst vereinsintern ermittelt. Der Schulzweckverband sieht keine Konkurrenzsituation mit der Dreifachschulsporthalle. Vor allem aber haben der Bayerische Landessport-Verband (BLSV) und die Stadt Haßfurt den Bedarf bestätigt. Der BLSV würde sogar die Förderwürdigkeit einer kleineren Halle in Frage stellen. Die wirtschaftlichen Vorteile eines umfangreicheren und uneingeschränkten Raum- und Sportangebots rechtfertigen den Bau einer Dreifachsporthalle.“
Wird das Vereinswesen nicht an Bedeutung verlieren?
„Nein. Wir glauben, dass das Vereinswesen wieder an Bedeutung gewinnen wird. Die unteren Einkommensgruppen unserer Gesellschaft nehmen zu Lasten der Mitte nachweislich zu. Die integrative Wirkung von Vereinen wird vor diesem Hintergrund in Zukunft immer bedeutender. Allen Haßfurter Bürgern sollten organisierte Sportangebote und zeitgemäße Sportstätten zu erschwinglichen Preisen zugänglich sein.“
Der Sportpark bedeutet für die Stadt Haßfurt ein beachtliches finanzielles Engagement. Wird die Bedeutung eines Sportvereins nicht überbewertet?
„Nein. Wir sind durch unsere Größe und unser Angebot unverzichtbar für den Breitensport in Haßfurt. Im abgelaufenen Jahr wurden durch unsere Übungsleiter und Helfer, Abteilungsleiter, Vorstände und Ausschussmitglieder rund 15 000 Stunden geleistet, wodurch eine Wertschöpfung für die Stadt Haßfurt und ihre Bürger von rund 200 000 Euro erzielt wurde. Diese Wertschöpfung wird sich mit dem Bau des Sportpark Eichelsee weiter erhöhen, im umgekehrten Fall verloren gehen.“
Stimmt es, dass es der TV in den letzten Jahren nicht geschafft hat, Rücklagen zu bilden?
„Ein klares Nein. Die Vermögenslage des Vereins hat sich in den letzten fünf Jahren um rund 260 000 Euro verbessert. Zum 31. Dezember 2011 verfügte der Verein über einen Geldmittelbestand von 220 000 Euro. Dabei ist zu berücksichtigen, dass aus den Rücklagen bereits rund 50 000 Euro für Planungsleistungen entnommen wurden. Durch Spendenzusagen könnten kurzfristig insgesamt über 300 000 Euro angesammelt werden. Die nur für aktive erwachsene Mitglieder einmalig greifende Investitionsrücklage wird den Rücklagentopf mit weiteren 50 000 Euro füllen. Das heißt: Bereits 2012 können 75 bis 80 Prozent der kalkulierten Barmittel erreicht werden.“
Wie soll der Verein Darlehen in Höhe von rund zwei Millionen Euro bedienen?
„Das Finanzkonzept ist auf einen Planungszeitraum ab Bezug des Neubaus von zunächst acht Jahren aufgestellt. In der Spitze beträgt der Kapitaldienst rund 110 000 Euro. Aus dem Stand von heute wäre dieser Kapitaldienst selbstverständlich schwer leistbar. Bereits heute aber beläuft sich das Beitragsaufkommen des Vereins mit seinen derzeit 1300 Mitgliedern auf rund 100 000 Euro. Aus Erfahrungsberichten anderer Vereine, die gebaut haben, und des BLSV kann der TV mit einem prozentual mindestens zweistelligen Mitgliederzuwachs rechnen. Unserem Finanzkonzept ist für den Planungszeitraum eine bis zu 20-prozentige Erhöhung des Mitgliederbestandes zugrunde gelegt. Der Verein geht selbstverständlich an die Grenze seiner Belastbarkeit.“
Ist diese erwartete Mitgliederentwicklung vor dem Hintergrund des demographischen Wandels nicht zu optimistisch?
„Der Verein kratzte in der Vergangenheit schon einmal an der Mitgliederzahl von 2000 Personen. Absolut betrachtet bedeutet unsere Kalkulation, dass in acht Jahren der Mitgliederbestand um 260 insgesamt beziehungsweise jährlich um 30 Personen wachsen müsste. Aus den neun bestehenden Abteilungen wären das jährlich durchschnittlich rund drei Mitglieder mehr. Vielleicht können wir ja auch einen Teil der ausgetretenen Mitglieder wieder zurückgewinnen. Unser Sportkonzept wird Angebote schaffen für das Vorschulkind bis hin zur aktiven Seniorin und zum aktiven Senior. Als Breitensport- und Mehrgenerationen-Verein werden wir für dieses erforderliche Wachstum mit dem Sportpark alle Voraussetzungen schaffen.“
Es wird alleine 450 000 Euro kosten, um die Halle auf festem Untergrund bauen zu können. Hätte man nicht besser ein Ausweichgrundstück genommen?
„Die zuletzt diskutierte Ausweichmöglichkeit auf der Nordseite des TV-Geländes wurde von uns und von der Stadt gründlich geprüft, aber sie ergäbe deutlich höhere Gesamtkosten. Es müsste deutlich mehr Material als an der Südseite aufgefüllt werden und der Sterzelbach müsste verrohrt werden. Ein kompletter Umzug an einen anderen Standort ist nicht realistisch. Insbesondere sollte auch der verlorene Nutzungswert des Eichelseegeländes als drohende Brachlandschaft bei einer kompletten Verlegung der Sportstätte beachtet werden.“
Sportpark Eichelsee
Kernstück des geplanten Sportparks Eichelsee ist eine Dreifachturnhalle mit Nebenräumen. Sie ist mit 5,3 Millionen Euro Baukosten veranschlagt. Dazu kommen Kosten für die Baugründung in Höhe von 450 000 Euro und 250 000 Euro für ein Rasenspielfeld mit Flutlichtanlage, da der bisherige Ausweichplatz zur Hälfte dem Standort der Halle weichen muss.
Finanziert werden soll das Projekt durch einen Zuschuss der Stadt in Höhe von 30 Prozent der Gesamtkosten (1,9 Millionen Euro), durch den Zuschuss des BLSV in Höhe von 950 000 Euro, durch ein Darlehen des BLSV in Höhe von 500 000 Euro, die abziehbare Vorsteuer (500 000 Euro), ein Darlehen in Höhe von 1,6 Millionen Euro und Eigenmittel einschließlich Eigenleistungen (550 000 Euro).
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