publiziert: 12.01.2012 11:47 Uhr
aktualisiert: 15.01.2012 14:33 Uhr
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Biber ist weiter auf dem Vormarsch

Vor zehn Jahren wurden die erste Tiere im Landkreis gesichtet, jetzt gibt es rund 30 Reviere
  • Sieht aus wie Treibgut, ist aber die Abdeckung eines Biberbaus.
  • Fotos: Alois Wohlfahrt
    Eindeutig, da war ein Biber am Werk: Robert Lauer von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt nimmt die Biss-Spuren an einem mächtigen Baum in der Nähe der Zinkenmühle zwischen Rügheim und Römershofen in Augenschein.
  • Da stößt auch das mächtige Biber-Gebiss an seine Grenzen: Ein Geländer über der Nassach wurde angeknabbert.
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Nein, zu sehen ist er nicht. Robert Lauer blickt auf das Ufer der Nassach. Aber auch wenn der Neubürger bei Rügheim sich geschickt versteckt – er ist da. Unübersehbar sind seine Spuren. Robert Lauer von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Haßberge weiß sie zu lesen. Umgelegte kleine Bäume, Ästen liegen wie Treibgut aufeinander und sind doch die Abdeckung des Zuhauses von Familie Biber. Der Siegeszug des Nagers geht auch an der Nassach weiter. Drei Bauten gibt es im Bereich zwischen Rügheim und Römershofen.

Genau zehn Jahre ist es her, dass die ersten Biber im Landkreis Haßberge gesichtet worden waren, im Bereich der Gemeinde Sand. Seitdem ist das größte Nagetier Europas unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Und er gibt sich längst nicht mehr mit dem Maintal zufrieden. Gefällte Bäume am Main, an der Itz und der Baunach, an der Rodach, im Steigerwald – und inzwischen auch an der Nassach zeigen dies deutlich.

Gerade einmal ein Revier war im Jahr 2004 im Landkreis Haßberge zu verzeichnen, so Claus Haubensack von der Unteren Naturschutzbehörde. Auf zehn Reviere war die Zahl im Jahr 2008 angewachsen, ein Jahr später waren es bereits 20, berichtet Robert Lauer. Um die 30 Reviere dürften es zurzeit sein, sagt Lauer, Ansprechpartner für alles rund um die Ansiedlung der Biber im Landkreis Haßberge.

Schwerpunkt der Biber-Bauten ist nach wie vor das Maintal zwischen Stettfeld und Gädheim. „Komplett belegt“ ist Lauers Einschätzung nach die Itz. Auch an der Baunach breitet sich der Biber aus. Wie berichtet, war vor rund zwei Jahren auch bei Ueschersdorf ein Bau gesichtet worden. Und auch an der Nassach wird nicht Schluss sein, ist sich Lauer sicher. Irgendwann werden die Biber auch den Riedbach oder die Aurach erobern. Lauer: „Der Biber erschließt den Landkreis flächendeckend.“

Dort, wo naturnahe Bereiche sind, da gefällt es den Bibern besonders. Was er braucht, das sind allerdings nicht unbedingt Bäume. Genügend tiefes Wasser braucht er, denn der Zugang zu seiner Höhle soll immer unter Wasser liegen. Diese Voraussetzung hat er an vielen Bächen und am Main im Landkreis – und so muss er eher selten die bekannten großen Stauanlagen bauen, um den Wasserstand des Gewässers zu erhöhen. Dennoch gibt es solche Biberburgen – so etwa bei Wonfurt.

Dass er trotzdem nach den Bäumen greift, hat einen einfachen Grund: Dort holt er sich im Winter Nahrung: Rinde und kleine Äste. Der Biber ist Pflanzenfresser. Im Sommer zieht er deshalb krautige Pflanzen und Jungtriebe von Weichhölzern der harten Arbeit an Bäumen vor. Aber knabbert auch zwischendurch einmal eine Eiche an. Das allerdings ist eher Zahnpflege, denn die harten Schneidezähne wachsen stetig nach und werden auf diese Art gekürzt und auch geschärft.

Aus der Donauregion hat sich der Biber in die Haßberge „vorgearbeitet“. Für Experten eher unerwartet, denn eigentlich hatte man erwartet, dass sich eine Population im Bereich der Sinn in Richtung Haßberge fortentwickelt. Die „Donau“-Biber-Population wandert unterdessen weiter in Richtung Westen dem Main entlang.– im Landkreis Schweinfurt treffen sich die beiden Populationen, berichtet Lauer.

Und wie viele Biber sind nun im Haßbergkreis unterwegs? Umgerechnet aus statistischen Erfahrungswerten könnten es bis zu 100 Tiere sein. Die genaue Zahl lässt sich wohl kaum ermitteln, denn die Tiere sind nachtaktiv. Eines ist allerdings sicher: Ihr Siegeszug geht weiter, was schon an der Familien-Zusammensetzung bei Familie Biber hängt. Nach zwei Jahren nämlich fliegt der Nachwuchs aus dem Bau. Und geht dann unweigerlich selbst auf Reviersuche.

Was inzwischen in manchen Regionen Bayerns zu massiven Problemen geführt hat. Dann etwa, wenn sich in Ufernähe plötzlich Löcher auftaten, weil die unterirdischen Röhren der Biber zusammengebrochen waren. Oder wenn Gräben aufgestaut oder Dämme unterhöhlt wurden.

Grundsätzlich aber gilt: Er ist strengstens geschützt, darf nicht getötet werden und er darf auch nicht in seinem Zuhause gestört, oder der Bau gar zerstört werden. Aber es gibt Konflikt-Potenzial. Und aus diesem Grund gibt es auch für jeden Landkreis einen Ansprechpartner wie Robert Lauer. Der wiederum ist froh um jeden Hinweis, wo ein Biber gesichtet wurde, „um Konflikte bereits vorher vermeiden zu können“.

Ein Beispiel: Grenzen etwa Obstbäume an einen neuen Biberbau an, dann lassen die sich sehr schnell durch feinen Draht am Stamm schützen, bevor dort der Biber seine Arbeit beginnt. Vier ehrenamtliche Biberbeobachter kümmern sich deshalb im Landkreis um die Biber. So weit es möglich ist, werden die Standorte genau kartiert. In Luftbildern wird nicht nur ihr Zuhause eingezeichnet, sondern auch, wo und wie sie auf Nahrungssuche sind.

Biber sind kluge Baumeister. Beinahe unscheinbar wirken ihre Bauten, erst ein genauer Blick zeigt etwa in der Nähe der Zinkenmühle, was sich unter dem vermeintlichen Schwemmgut verbirgt: ein Biberbau. Allerdings dürfte dort eine alles andere als glückliche Biberfamilie Biber wohnen. Der Grund: Ganz in der Nähe wurde vor kurzem ein Biber überfahren und getötet. Lauer vermutet, dass es eines der Elterntiere aus diesem Bau war.

Immer am Bach entlang

Die Anzeichen sind eindeutig und unverwechselbar. Bei Prölsdorf, einem Ortsteil der Gemeinde Rauhenebrach, ist die Rauhe Ebrach an zwei Stellen bis zu einem Meter hoch aufgestaut. Kein Zweifel: Auch im Steigerwald ist der Biber am Werk. Der Spurenlage nach scheint der Biber jetzt schon bis Wustviel vorgedrungen zu sein. Hinweise auf seine Existenz gibt es auch an der Aumühle bei Untersteinbach.

Bürgermeister Oskar Ebert vermutet, dass sich der Biber vom Regnitztal aus in den Steigerwald vorgearbeitet hat. Dort mündet die 38 Kilometer lange Rauhe Ebrach bei Pettstadt in die Regnitz. Weil die lauffaulen Nager sich immer an Gewässern entlang orientiert, ist davon auszugehen, dass der Biber ab Frensdorf, wo Mittlere und Rauhe Ebrach zusammenfließen, weiter stromaufwärts Richtung Prölsdorf gewandert ist.

Im Landkreis Schweinfurt hat sich der Biber ebenfalls niedergelassen. Standorte wurden bisher bei Hirschfeld, am Grundsee bei Oberschwarzach, entlang der Wern, am Sennfelder See, in der Schonunger Bucht und bei Heidenfeld ausgemacht.

Von unserem Redaktionsmitglied Alois Wohlfahrt
    
    

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Die neuesten Kommentare

steinmarder (476 Kommentare) am 17.01.2012 12:38

in einigen jahren

wird es wohl zu einer "biberschwämme" kommen! dann heißt es weg mit dem ungeziefer! es macht ja doch nur alles kaputt was ihm in den weg kommt! weiden kann er ja abnagen die wachsen relativ schnell aber wenn er an obstbäume geht dann ist das schon mehr als ärgerlich, es dauert jahre bis sich so ein baum entwickelt und dieses ungeziefer zerstört in wenigen minuten diese wertvollen baum!

das ist aber erst der anfang!!!!!!

Leserbrief zum Artikel “Bürgerwehr gegen Biber“(Der Tagesspiegel)
Mit einiger Verwunderung las ich den Artikel vom 03.02.2010 „Bürgerwehr gegen Biber“.
Gestatten Sie mir zu einigen Passagen entsprechende Bemerkungen. „Die Nagetiere dürfen
in Deutschland nicht getötet werden“
Im Bundesland Bayern (Deutschland) besteht seit 2008 eine „Artenschutzrechtliche
Ausnahmeregelung für geschützte Tiere“. Diese besagt, dass der Biber vom 1.September
bis zum 15. März bejagt werden darf. Auch dort gab es die gleichen Probleme, es dauerte
auch lange Zeit, bis die Behörden das Problem begriffen. Herr Freude: „In das Innere des
Deiches grabe sich der Biber nur bei höchster Gefahr“. Hier handelt es sich um eine
ausgesprochene Fehlinterpretation seitens eines Biologen..............

der biber
(1)
thebat (1 Kommentare) am 12.01.2012 19:05

Ja, es sind schon viel zu viele

Dieser Kommentar wurde gelöscht, da er nichts mit dem Thema zu tun hat. Die Multimedia-Redaktion.
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