aktualisiert: 17.09.2008 09:13 Uhr
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BAD KÖNIGSHOFEN/RIMBACH
Clemens Bittlinger: Auftritt unter Polizeischutz
Papstkritisches Lied auf neuer CD von Bittlinger
Nach Erscheinen seiner neuen CD „HabSeligkeiten“ im August wurde der evangelische Pfarrer und Liedermacher Clemens Bittlinger, der erst im Juni in Bad Königshofen ein Konzert gab, von katholischen Fundamentalisten bedroht. Grund ist ein im Jahr 2007 komponiertes und getextetes Lied mit dem Titel „Mensch Benedikt“, in dem Bittlinger an den Papst ein paar kritische Fragen unter anderem zu Kondomen und der Vorhölle stellt.
Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet in seiner Ausgabe vom Montag, dass der 49-Jährige, der in Bad Königshofen zur Schule ging und mit einer Königshöferin verheiratet ist, zeitweise so massiv beschimpft und bedroht worden sei, dass sein Premierenkonzert zur neuen CD in seinem Wohnort Rimbach in Hessen vorsorglich unter Polizeischutz gestellt werden musste. Die Staatsanwaltschaft ermittle wegen mehrerer Drohbriefe, die der Liedermacher per E-Mail erhielt. Außerdem habe der evangelische Pfarrer ein verdächtiges Päckchen zugeschickt bekommen, das er dem Landeskriminalamt zur Untersuchung auf Sprengstoff übergeben hat. Gefunden worden sei aber nichts.
Clemens Bittlinger bestätigte am Montagabend in einem Telefongespräch mit der Main-Post die Spiegel-Veröffentlichung. „Ich war völlig überrascht von den Anfeindungen, zumal ich das Lied noch im Mai vor 1500 Zuhörern auf dem Osnabrücker Katholikentag gesungen und dort viel Applaus bekommen habe.“
Bittlinger betont, dass er nicht die Absicht gehabt habe, mit seinem Lied andere Christen zu beleidigen. Ihm sei es einzig darum gegangen, dem Papst zu widersprechen, nachdem dieser mehrfach angedeutet hatte, dass die Protestanten für ihn Christen zweiter Klasse sind. „Darüber habe ich mich sehr geärgert und mir gedacht, dass ich jetzt mal einen Protestsong schreibe.“
Mit dem Lied „Mensch Benedikt“ wolle er niemanden beleidigen, sondern eine offene Diskussion anstoßen. Er werde das Lied deshalb auch bei einigen seiner nächsten Auftritte singen, ohne dass es dabei im Mittelpunkt steht.
Bittlinger gibt zu, dass ihm die Drohungen und Anfeindungen sehr zugesetzt haben. „Ich habe zwar keine Angst, auf die Straße zu gehen, doch bei meinen Auftritten stehe ich längst nicht mehr so unbefangen auf der Bühne wie vorher.“ Er freue sich, dass er Rückendeckung nicht nur von seinem Dienstherrn Peter Steinacker, dem Kirchenpräsidenten von Hessen und Nassau, bekommen habe, sondern auch von vielen katholischen Freunden.
Am 8. November ist Clemens Bittlinger in der Pfarrkirche in Sulzfeld zu Gast, um seine neue CD „HabSeligkeiten“ vorzustellen. Er hofft, dass sich die Wogen bis dahin wieder etwas geglättet haben. „Mir ist auf jeden Fall daran gelegen, dass die Angelegenheit nicht weiter hochgekocht wird,“ betont er. Stattdessen stehe er jederzeit für Gespräche und Diskussionen zur Verfügung, solange diese sachlich und fair geführt werden.
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