aktualisiert: 08.07.2010 18:55 Uhr
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LENDERSHAUSEN
Dank Facebook: „Ich habe meine Mama gefunden“
Kathrin Schüll (28) wurde adoptiert – Nun hat sie im Internet ihre leibliche Mutter entdeckt
Kathrin Schüll aus Lendershausen ist 28 Jahre alt. Und sie wusste von klein auf, dass sie adoptiert wurde. Im Alter von zehn Wochen hat Familie Egelkraut aus Hofheim sie in ihre Familie aufgenommen. Dort wurde mit dem Thema der Adoption ganz offen umgegangen. Kathrin wusste schon immer: „Irgendwann will ich meine leibliche Mutter kennenlernen.“
Kathrin kannte auch den Namen ihrer Mutter – Gail Lynn Watts. Und sie wusste, dass ihre Mutter weiß und ihr Vater dunkelhäutig war.
Kathrin war informiert, dass ihre Mutter in Grafenwöhr bei der US-Armee war und auch ihr Vater war dort stationiert war. Aber: „Ich war nie daran interessiert, ihn kennenzulernen“, sagt die 28-Jährige. Doch zu ihrer Mutter verspürte sie, auch wenn sie sie nicht kannte, eine starke Mutter-Kind-Bindung. Immer wieder versuchte sie, ihre Mutter ausfindig zu machen.
Kathrin Schüll hat sich mit dem Diakonischen Werk in Nürnberg, das damals für die Adoption zuständig war, in Verbindung gesetzt. Doch leider blieb hier der Erfolg aus. Auch ihr Mann hat sich bei der Suche engagiert und versuchte über die Fernsehshow „Nur die Liebe zählt“ Kathrins Mutter ausfindig zu machen.
Eine besonders engagierte und enge Freundin von Kathrin, Carmen Endreß, setzte sich mit der Kaserne in Grafenwöhr in Verbindung, bekam aber nur die Auskunft, dass es darüber keine Daten mehr gäbe.
Dem Vorschlag von Carmen, sich im Internet bei Facebook anzumelden und auf diesem Weg zu versuchen, die Mutter zu finden, stand Kathrin, die selbst zweifache Mutter ist, zuerst sehr skeptisch gegenüber. Trotzdem meldete sie sich auf das Drängen ihrer Freundin bei dem Internetportal an.
Kleiner Fehler – große Wirkung
Dort fiel ihr gleich ein Fehler auf. Sie hatte bisher nach dem Namen „Gale Lynn Watts“ gesucht. Allerdings kann man den Vornamen auch „Gail“ schreiben. Sofort gab sie diesen Namen ein und fand bereits nach kurzer Zeit einen Eintrag, der auf ihre Mutter passte. „Das muss sie sein“, schoss es Kathrin durch den Kopf. Was dann folgte, war ein Gefühlschaos. „Was ist, wenn das wirklich meine Mutter ist?“, „Will sie mich überhaupt kennenlernen?“, „Wie wird sie reagieren?“. All diese Fragen stürmten auf Kathrin ein.
Doch die Hoffnung überwog die Zweifel und so schrieb Kathrin der Dame in Facebook, wo sie geboren wurde, das Geburtsdatum und den Satz: „Ich glaube, du weißt, wer ich bin“ – und bat um Rückantwort.
Da sie erst abends diese Nachricht absendete, und die Zeitverschiebung berücksichtigen musste, nahm das Warten für Kathrin kein Ende. „Ich konnte vor Aufregung gar nicht schlafen“, erklärt sie. Sie war immer noch skeptisch, ob es sich tatsächlich um ihre leibliche Mutter handelt, obwohl ihr Mann und die Freundin sich absolut sicher waren.
„Wird sie überhaupt antworten“, fragte sich Kathrin, während sie einer Antwort entgegenfieberte. Am nächsten Tag schaltete sie aufgeregt den Computer an, ging in Facebook – und fand diese Nachricht im Postfach: „Oh mein Gott! Ja, ich weiß wer du bist! Bitte erzähle mir alles. Ich kann es gar nicht glauben!“
Auch ihre Mutter hatte schon daran gedacht, Kathrin zu suchen, sich aber nicht getraut. Immer wieder las Kathrin den Text und konnte es gar nicht fassen. Sie hatte ihre Mutter gefunden. Sofort rief sie ihren Mann an, der diese Nachricht vor Freude weinend zur Kenntnis nahm.
Auch ihre Freundin Carmen freute sich riesig. Kathrin dagegen war wie gelähmt. „Ich war in einem regelrechten Schockzustand“, sagt sie. „Ich konnte nicht einmal weinen.“ Nie hätte sie damit gerechnet, so schnell eine Antwort zu bekommen.
Seit diesem Tag hat sie über das Internet täglich Kontakt mit ihrer leiblichen Mutter. Diese wohnt alleine in Pueblo, im US-Staat Colorado, in der Nähe von Denver. Kathrin und ihre Mutter erzählen sich nun alles über ihr Leben, über ihre Familien und Freunde. Sie schicken sich Bilder und auch ihre Freunde und Verwandte sind über Facebook in den Kontakt eingebunden. Besonders Carmen. „Carmen habe ich das alles zu verdanken“, sagt Kathrin.
Besuch geplant
„Ich habe meine Mutter auch gefragt, warum sie mich zur Adoption freigegeben hat“, so Kathrin. Allerdings hat sie darauf noch keine genaue Antwort erhalten. Das ist wohl auch ein Thema, das man nur persönlich bespricht, wenn man sich direkt gegenüber sitzt, meint Kathrin.
Dazu hat sie vielleicht bald Gelegenheit. Denn sie hat ihre Mutter eingeladen, an Weihnachten zu ihr nach Lendershausen zu kommen. „Nächstes Jahr möchten wir auch gerne nach Amerika und meine Mutter besuchen“, erzählt Kathrin weiter.
Für Kathrin hat sich eine Lücke in ihrem Leben gefüllt. Denn jeder, der sie näher kennt, wusste: Ihr fehlt etwas. Und alle freuen sich riesig mit ihr, dass Kathrin endlich ihre leibliche Mutter gefunden hat.
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