publiziert: 11.06.2008 18:30 Uhr
aktualisiert: 15.06.2008 13:10 Uhr
» zur Übersicht Hassbergkreis
    
    
Artikel
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text LKR. HASSBERGE
Dreister Katzenklau im Haßgau

Diebe geben sich als Studenten aus und bieten kostenlose Sterilisation an

In den vergangen Tagen klingelten Unbekannte an den Türen von Landwirten der Region mit einem ungewöhnlichen Angebot: Sie stellten sich als „Studenten der Universität Bamberg“ vor und wollten Katzen mitnehmen, kostenlos sterilisieren lassen und danach wieder zurückbringen. Aber: Die Pressestelle der Uni Bamberg weiß davon rein gar nichts. Die Polizei indes hat keine Hinweise auf das Umtreiben einer professionellen Tierfänger-Bande.

  • Tierschützerin Paula Hesele hat die Befürchtung, dass Hauskatzen aus dem Landkreis gestohlen wurden, in Käfige verfrachtet werden und anschließend für Tierversuche herhalten müssen.
    FOTO SCHWARZOTT
Bild von

Am vergangenen Sonntag hat sich eine Frau aus Ebern, die namentlich nicht genannt werden möchte, bei Paula Hesele gemeldet, der Vorsitzenden des Vereins „Aktive Tierhilfe Bamberg“. Deren Telefonnummer hatte sie aus dem Internet. Ursprünglich ging es darum, dass sie von einem Nachbarn erfahren hatte, dass Katzen in ihrem Ort sehr schlecht gehalten werden. „Das wollte ich natürlich melden, um den Tieren zu helfen.“

Dann aber hatte sie noch mehr zu melden: Einige Landwirte in Ebern und Umgebung vermissen seit ein paar Tagen ihre Katzen. Und zwar nicht irgendwelche Katzen, sondern gesunde Haus- und Gartenkatzen. Paula Hesele war von diesem Anruf wenig überrascht – erst kurz zuvor war sie zufällig auf ähnliche Vorfälle gestoßen. Die ehrenamtliche Tierschützerin war in Ebern, um sich bei einer Landwirtin drei kranke Katzen abzuholen. „Den Tipp hatte mir ein Bekannter gegebenen. Die Katzen waren in der Zeitung inseriert und er wollte sie sich anschauen. Dabei hat er dann den schlechten Zustand der Tiere festgestellt und mich informiert“, so die 57-Jährige.

Kostenlose Sterilisation geboten

Sie unterhielt sich mit der Landwirtin auch über die Notwendigkeit der Sterilisation von Katzen – und erfuhr dabei Erstaunliches. „Die Bäuerin meinte, ein paar Leute von der Uni Bamberg seien vor kurzem hier gewesen und hätten angeboten, die Katzen mitzunehmen und zu sterilisieren. Ihre Katzen seien aber nicht da gewesen.“ Zum Glück, wie sich im Nachhinein herausstellte: Die Katzen der Landwirte, die ihre Tiere bereitwillig zur angeblich kostenlosen Operation abgegeben haben, sind nicht wieder aufgetaucht. „Ich hab im ersten Moment gedacht, ich hör nicht recht“, sagt Paula Hesele. „Die Landwirte wollten keinen Ausweis sehen und nichts, sondern waren einfach gutgläubig. Einige haben ihre Katzen dann auch tatsächlich abgegeben.“ Wie viele genau das waren, weiß Hesele noch nicht, sie steckt noch in der Recherche.

Uni Bamberg weiß von nichts

Die Recherche dieser Zeitung über einen möglichen Auftrag der Uni Bamberg zur Durchführung einer Sterilisation im Landkreis Haßberge verlief schneller und war eindeutig: „Wir haben weder eine tiermedizinische noch überhaupt eine medizinische Fakultät“, sagt Anna Kammerer von der Pressestelle der Universität. „Außerdem müsste die Pressestelle bei solch großen und gravierenden 'Aktionen' auf jeden Fall informiert werden.“ Sie jedenfalls könne sich nicht vorstellen, dass die Universität irgendetwas damit zu tun habe. Ihre Kollegin Monica Fröhlich sieht das genauso: „Das kling ja absurd! Das ist sicher ein böser Trick, auf den die Landwirte reingefallen sind. Wir jedenfalls waschen unsere Hände in Unschuld.“

Es verschwinden viel mehr Katzen

Der Vorfall passt zumindest in das Bild der Statistik: Paula Hesele zufolge verschwinden in den vergangenen Wochen und Monaten „bundesweit viel mehr Katzen als gewöhnlich“. Genaue Zahlen habe sie nicht parat, aber die Verteiler der Tierschutzvereine weisen ständig darauf hin, dass Katzenbesitzer – vor allem in ländlichen Gegenden – gewarnt werden müssen. „Ich habe in den letzten Wochen häufig zwei bis drei Meldungen von verschwundenen Katzen täglich bekommen“, so die 57-Jährige. Das sei überdurchschnittliche hoch. „Die Diebe gehen dabei besonders dreist vor und geben sich als Tierschützer aus. Das ist nicht ungewöhnlich, denn auch unser Verein bietet Sterilisationen an – bevor alle jungen Katzen auf den Bauernhöfen ertränkt oder erschlagen werden.“ Allerdings würden offizielle Vereine und Tierheime solche Maßnahmen vorher ankündigen und das Gespräch mit den Katzenbesitzern suchen – und sich zudem ausweisen können. „Da waren die Landwirte schon sehr gutgläubig und naiv“, sagt Hesele. „Nicht zu fassen!“

Sie geht davon aus, dass die gestohlenen Katzen zu Tierversuchen missbraucht werden. Hoffnung, dass die verschwundenen Tier wieder auftauchen werden, hat sie wenig – auch wenn sie schon Unglaubliches erlebt hat: „Wir haben tatsächlich mithilfe von Hellsehern Katzen gefunden. Ein Kartenleger aus Nürnberg konnte mir auf die Sekunde genau sagen, wann und wo unser verschwundener blinder Kater auftauchen wird – das war schon sehr beeindruckend.“

Polizei hat noch keine Spur

In diesem Fall jedoch hat die Tierschützerin schlechte Karten: Bei der Polizeiinspektion in Ebern sind noch keine Hinweise auf eine professionelle Tierfänger-Band eingegangen. Allerdings hätte es auch noch keine vermehrten Anzeigen wegen verschwundene Katzen oder verdächtigen Personen in diese Richtung gegeben. Paula Hesele geht allerdings davon aus, dass Tierliebhaber verschwundene Katzen erstmal bei ihr und nicht der Polizei melden: „Meine Katzenstation ist im Landkreis sehr bekannt. Die Leute hoffen vielleicht, dass ihr Tier bei mir abgegeben wurde.“ Aufgrund der Vorkommnisse rät sie allen Katzenbesitzern dazu, „besonders gut auf ihre Lieblinge aufzupassen“.

Von unserem Redaktionsmitglied STEFAN BURKARD
    
    

Diesen Artikel

  • Webnews einstellen
  • Teilen
Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
Anzeige
    

Baby-Galerie 

Die Jüngsten
Hier begrüßen wir die jüngsten Bewohner des Landkreises Haßberge. »mehr
    
    

Hassgau-Blues 

Zum Anhören
Eine Ode an den Haßgau - fast schon Kult. »mehr
    
    

Gelesen

 
    

Kommentiert

 
    
Anzeige
    

Stadtkultur Schweinfurt 

Theater, Kabarett,
Kunst und mehr
Die Stadt Schweinfurt hat kulturell eine ganze Menge zu bieten. »mehr
    
    

Fotografen und ihre Fotos 

Bilder und Eindrücke
Wir stellen ambitionierte Hobbyfotografen aus der Region Main-Rhön vor. »mehr
    
    

Grüsse aus der Region 

Kostenlose Grußkarten
Senden Sie Ihren Freunden und Bekannten eine elektronische Grußkarte aus der Region, auch Tiere! »mehr
    
    

Zeichen setzen 

Förderpreis für
engagierte Bürger
Lesen Sie alles über den Preis und machen Sie Vorschläge, wer ihn bekommen soll. »mehr
    
    

Testen Sie Ihr Wissen 

Unser wöchentliches Quiz
Acht Fragen rund um ein aktuelles Thema.  »mehr
    
    

Recht auf Auskunft 

Kommunalpolitik
Bürger haben ein Recht auf politische Teilhabe und Journalisten ein Recht auf Auskunft. Das mussten auch einige Bürgermeister erst lernen. »mehr