aktualisiert: 16.03.2010 15:47 Uhr
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OBERTHERES/SCHWEINFURT
Durch Zufall Lebensretter
Marcel Kleedehn rettete einer Frau in einem Fastfood-Restaurant das Leben – andere Gäste schauten einfach weg
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Lebensretter: Marcel Kleedehn aus Obertheres und seine Frau Carolin (oben) retteten am 9. März in einer McDonald's-Filiale in der Schweinfurter Innenstadt einer Frau mit Herzstillstand das Leben.Foto: Michael Mösslein -
Marcel Kleedehn hat einer Frau mit Herzstillstand das Leben gerettet.Foto: Michael Mösslein
„Ich würde wieder so handeln.“ Marcel Kleedehn sagt dies, ohne dass es pathetisch wirkt. Er fühlt sich nicht als Held und gibt zu: „Ich möchte nicht unbedingt nochmal in eine solche Situation kommen.“ Dabei ist das, was der 30-Jährige aus Obertheres geleistet hat, im wahren Sinn vorbildlich: Er hat einer Frau das Leben gerettet. In einer Situation, in der etliche andere weggeschaut haben.
Vergangene Woche, Dienstag, 9. März. Es ist früher Nachmittag, als Marcel Kleedehn mit seiner Frau Carolin (28) und ihrem sechs Wochen alten Sohn Luis eine McDonald's-Filiale in der Schweinfurter Innenstadt betritt. Die junge Familie hatte eben zu essen begonnen, als ein Mädchen – laut Kleedehn „vielleicht zwölf Jahre alt“ – von Tisch zu Tisch lief und nach einem Arzt fragt. „Als das Kind zu uns kam, verneinte ich nur und reagierte gar nicht weiter darauf“, schildert Kleedehn. Doch dann hört er vom Tisch schräg gegenüber ein zweites, etwa gleichaltriges Mädchen mit zittriger Stimme rufen: „Mama, Mama, du darfst nicht sterben!“
Als Marcel Kleedehn hinschaut, sieht er eine Frau, die zur Seite gekippt auf der Sitzbank liegt. „Sie war offensichtlich bewusstlos. Doch niemand reagierte darauf, weder die anderen Gäste im Restaurant, noch das Personal.“ Kleedehn springt auf, legt die Bewusstlose auf den Fußboden. Er kontrolliert ihren Atem: Fehlanzeige. Puls: Nichts zu spüren. Herzstillstand.
„Viele haben Angst, etwas falsch zu machen. Dabei gibt es nur einen Fehler: Nichts zu machen.“Marcel Kleedehn
Kleedehn arbeitet in einem Schweinfurter Industriebetrieb, hat dort eine Ausbildung als Ersthelfer absolviert. Er weiß, was zu tun ist. Er überwindet sich, setzt seinen Mund auf den der bewusstlosen Frau, die er auf Ende 40 schätzt. Er beatmet sie. Dann führt er die Herzdruckmassage aus. Erneut kontrolliert er die Atmung: „Ich spürte, wie die Frau fünf, sechs Mal atmete. Dann kam nichts mehr.“ Eine Viertelstunde, schätzt Kleedehn, hat er die Wiederbelebung fortgeführt, bis Notarzt und Sanitäter eintrafen. „Mir kam das ewig vor“, so der Helfer.
Carolin Kleedehn, die miterlebt hat, wie ihr Mann um das Leben der ihnen unbekannten Frau kämpfte, sagt: „Der Verkauf in dem Restaurant ging während der ganzen Zeit weiter. Das Personal hat Bestellungen angenommen und Essen ausgegeben.“ Eine abstruse Situation, in der aber auch keiner der Restaurantgäste ernsthaft bemüht gewesen sei, den Mann zu unterstützen, der sich am Boden bemühte, der Bewusstlosen zu helfen. „Nur eine Frau war zu mir gekommen und hat gefragt, ob sie helfen kann. Sie hat auf meine Anweisung hin den Rettungsdienst verständigt“, sagt Kleedehn.
Eine Woche nach dem Notfall merkt man es Marcel Kleedehn an, dass es ihn noch immer bewegt, wenn er zu Hause in Obertheres am Küchentisch neben seiner Frau sitzt und von dem Erlebten berichtet. Auf die Frage, wie er sich gefühlt habe, als er später vom Krankenhaus, in das die Frau eingeliefert wurde, erfahren hat, dass die Frau lebt, kommt nur ein Wort über seine Lippen: „erleichtert“. Dann herrscht sekundenlanges Schweigen.
Warum die Frau zusammenbrach? Der Helfer weiß nichts Genaues. Die Tochter habe etwas von Diabetes erzählt, an der ihre Mutter leidet. Das Krankenhaus gibt auf unsere Frage keine Auskunft. Datenschutz.
„Was mich im Rückblick schockiert, ist der Umstand, dass es einem selbst wohl so gehen wird, wenn man in Not ist, dass viele zuschauen und keiner sich traut, einem zu helfen“, sagt Kleedehn. „Viele haben Angst, etwas falsch zu machen, dabei gibt es nur einen Fehler: Nichts zu machen.“
„Eigentlich wollten wir erst woanders essen, doch die Zeit war knapp.“Marcel Kleedehn
Raphael Scholz war an dem betreffenden Dienstag als Filialleiter in dem McDonald's-Restaurant. Er erinnert sich an den Vorfall. „Das Personal war ziemlich schockiert – so etwas passiert nicht oft“, sagt er gegenüber unserer Zeitung. Er erinnert sich auch an Marcel Kleedehn: „Der hat superschnell reagiert und professionell geholfen“, sagt der Filialleiter.
Dies sei der Grund gewesen, warum vom Personal niemand direkt eingegriffen habe – obwohl er als auch der anwesende Schichtleiter die vorgeschriebene Ausbildung als Ersthelfer absolviert haben. Er sei dennoch nicht untätig da gestanden: „Ich habe den Rettungsdienst alarmiert und dann dafür gesorgt, dass er vor dem Restaurant eingewiesen wird.“ Als er Marcel Kleedehn dann gefragt habe, ob er noch helfen kann, habe dieser abgewehrt.
Scholz bestätigt, dass der Essensverkauf trotz des Notfalls im Restaurant weiterging. Erst als die Sanitäter – „nach etwa zehn Minuten“ – eingetroffen waren, wurde um die Patientin herum Platz geschaffen. „Wir wollten unter den Gästen Panik vermeiden“, begründet der Filialleiter das Vorgehen des Personals.
Dass Kleedehn zum Lebensretter wurde, war Zufall. „Eigentlich wollten wir erst woanders essen, doch dann wurde unsere Zeit knapp und wir entschieden uns für McDonald's“, sagt er. Dass die gerettete Frau ihn kennenlernt, möchte er nicht. „Die Frau hat es geschafft. Das genügt mir“, sagt Kleedehn.
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haßgau (29 Kommentare) am 16.03.2010 16:54
hammerdes ist ja echt der hammer, der profit geht vor menschenleben. |
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