aktualisiert: 18.10.2009 16:50 Uhr
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EICHELSDORF
Ein Geschenk des Himmels
Im Dezember will die Drogentherapieklinik ins Kloster Eichelsdorf einziehen
Von außen ist alles so wie immer. Die romantische Fassade des Klosters überdauert die Zeit. Hinter den dicken Mauern des ehemaligen Wasserschlosses geht's hingegen hektisch zu. Handwerker sind eifrig am Werkeln, damit im Dezember die Mitarbeiter und Klienten der Drogentherapieklinik von der Bettenburg ins Kloster ziehen können.
Im Vorratsraum stehen noch wohl geordnet alte Einmachgläser. Sie sehen aus, als seien sie frisch gespült. Nur eine hauchdünne Staubschicht liegt über dem Glas. Es ist frischer Staub, der bei den Bauarbeiten aufgewirbelt wird. Den Staub der Zeit haben die Erlöserschwestern immer wieder fleißig weg gewischt. Und das beeindruckt den neuen Hausherren Robert Soto-Löwenthal, der die Drogentherapieklinik leitet. „Es war alles blitzblank“, schwärmt er. „Kein Unkraut im Garten, die Wasserhähne funkelten, von den Böden konnte man essen, die Küche war tipptopp.“
Die Einmachgläser, alte Sensen, mit denen seit Jahrzehnten kein Gras mehr gemäht wurde, Obstkörbe, ja sogar ein Bollerwagen, bleiben als Erinnerung an die Schwestern zurück. „Das sind kleine Schätze, die wir gut aufbewahren“, sagt Soto-Löwenthal. Und auch sonst möchte er die Andacht an die Schwestern und den Charme der ehrwürdigen Mauern erhalten. „Vielleicht war das auch einer der Gründe, warum die Erlöserschwestern wollten, dass wir hier einziehen“, spekuliert er. Und ganz in diesem Sinne wird auch der ehemalige Kirchenraum, in dem jetzt noch wenige Baumaterialien lagern, leer geräumt und abgeschlossen. Später könnten mal Konzerte hier stattfinden, auch Chöre dürfen hier proben, schließlich ist auch die alte Orgel noch funktionstüchtig. „Aber das ist Zukunftsmusik“, sagt Soto-Löwenthal.
Erst einmal muss alles rechtzeitig fertig werden, damit im Dezember der Umzug stattfinden kann. Und der Hausherr ist zuversichtlich, dass alles klappt. „Das Kloster musste völlig entkernt werden, aber trotzdem liegen wir im Zeitplan“, sagt Soto-Löwenthal. Und die Zuversicht des Therapeuten ruht auf den Aussagen der Baufachleute, die es schließlich am besten wissen müssen.
Das Konzept der Drogentherapieeinrichtung wird sich auch in den neuen Räumlichkeiten nicht ändern. Auch die Zahl der Klienten bleibt gleich. Zwischen 50 und 60 waren es im Schloss Bettenburg, ähnlich viele werden es in Eichelsdorf sein. Der Unterschied ist, dass im ehemaligen Kloster nun mehr Platz sein wird, als es bisher in der Bettenburg der Fall war. Gleich neben dem Haupteingang liegt künftig die Aufnahme. „Auf der Bettenburg mussten Sie diese erst einmal lange suchen“, schmunzelt Soto-Löwenthal. Und auch die Unterbringung wird komfortabler. Aus jeweils zwei alten Klosterzellen entsteht ein Einzelzimmer mit Nasszelle – auf der Bettenburg waren die Duschen im Flur.
Vor dem Kloster – hier haben die Schwestern Gemüse angebaut – werden Parkplätze für die Mitarbeiter entstehen. Den Park, die Obstbäume und den Klosterfriedhof werden die Klienten im Rahmen ihrer Arbeitstherapie pflegen. Auch die Töpferei wird weiterhin genutzt werden. Neu wird eine Weberei sein, die in die alte Näherei der Schwestern einziehen wird.
Viele Räume des Klosters werden auch in der Reha-Klinik ihre Funktion behalten, führt der Hausherr aus. So wird der Gemeinschaftsraum der Schwestern künftig auch von den Klienten gemeinsam genutzt werden. Ähnlich verhält es sich mit dem Speisesaal und der Küche. Die Büros der Angestellten werden moderner, ihre Computer miteinander vernetzt. Manche bekommen sogar ein Arbeitszimmer mit Stuckdecke. Und in einer ehemaligen Klosterzelle wird mal der Server, das ist der Rechner, der das Netzwerk steuert, stehen. „Modernste Technik hinter historischen Mauern. Das ist schon skurril“, schmunzelt Soto-Löwenthal.
32 Jahre war die Drogentherapieklinik, die zum baden-württembergischen Landesverband für Prävention und Rehabilitation gehört, auf der Bettenburg. „Die Eichelsdorfer kennen uns also und nehmen uns unwahrscheinlich freundlich auf“, sagt Soto-Löwenthal. Das ist nicht immer so. Im 60 Kilometer entfernten Stegaurach (Lkr. Bamberg) kämpft die Bevölkerung vehement gegen den Bau einer Therapieeinrichtung.
Über die Kosten des Umbaus schweigt der Leiter der Reha-Klinik. „Ein Neubau wäre weitaus teuerer gewesen“, sagt er. Auch über den Kaufpreis für das Kloster haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Ein bisschen verrät der Therapeut dann doch: „Das Kloster war für uns ein Geschenk des Himmels.“
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