aktualisiert: 08.02.2012 17:46 Uhr
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BUNDORF
Ein großer Schatz an Erinnerungen
Johann Riedmann feierte seinen 90. Geburtstag und war in Bundorf und Umgebung vor allem als Posthalter bekannt
Die Beine wollen nicht mehr so recht, aber geistig ist Johann Riedmann noch bewundernswert rüstig. Am Dienstag feierte er seinen 90. Geburtstag.
Neun Jahrzehnte – da gibt es viel zu erzählen. Ein großer Schatz an Erinnerungen sammelt sich an. Und der „Riedmanns Hans“, wie er genannt wird, hat sie alle noch parat, die verschiedenen Stationen seines Lebens. Schwere Zeiten als Soldat und Kriegsgefangener gehören dazu, aber auch Episoden, über die man heute eher schmunzelt.
Zu seinem Ehrentag hat der Jubilar seine Erinnerungsfotos zurechtgelegt, zeigt Schwarz-Weiß-Bilder von jungen Männern in Uniform: seine Brüder und natürlich er selbst. Auch auf dem Hochzeitsfoto sind graue Uniformen zu sehen statt dunkler Anzüge. Das waren andere Zeiten, damals im Oktober 1943.
Die Hochzeit fand in Dortmund statt, der Heimatstadt der Braut. Kennen gelernt hatte Johann Riedmann seine Ingeborg während eines Fronturlaubes in Stöckach, wo sie auf dem Schlossgut als „Arbeitsmaid“ in der Landwirtschaft eingesetzt war. Über 65 Jahre ging das Paar gemeinsam durch dick und dünn. Doch ein halbes Jahr nach der Eisernen Hochzeit musste Johann Riedmann den Tod seiner Frau beklagen.
In Bundorf und Umgebung ist der „Riedmanns Hans“ als Posthalter bekannt. 1952 hatte er das elterliche Lebensmittelgeschäft sowie die Zweigstelle der Sparkasse und die Poststelle übernommen. Zuvor hatte er einige Jahre in Dortmund als Busfahrer gearbeitet. Denn die Hoffnung, nach dem Krieg wieder eine Anstellung bei der Sparkasse in Hofheim zu bekommen, wo er von 1937 bis 1940 eine Lehre absolviert hatte, hatte sich nicht erfüllt. Auf Wunsch des Vaters war er von Dortmund nach Bundorf zurückgekehrt, um es mit dem Geschäft „zu probieren“.
Und das Experiment gelang. Er konnte den Laden ausbauen und erwarb sich als Posthalter großes Ansehen. 1982 ging er in Pension und übergab die Poststelle an seine einzige Tochter. Nicht ohne Stolz erzählt er, dass die Poststelle damit über vier Generationen hinweg von seiner Familie geführt wurde.
Nicht zuletzt war Johann Riedmann jahrelang im Vereinsleben aktiv. Und heute? Die Zeitung liest er jeden Tag, antwortet Riedmann. Und er schaut etwas fern. Manchmal geht er auch etwas im Hof spazieren, denn „man muss sich ja bewegen“.
Noch einmal machen Fotos die Runde – von der Eisernen Hochzeit 2008, von den vier Enkeln und von den sieben Urenkeln. Alles in Farbe.
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