publiziert: 08.02.2012 17:38 Uhr
aktualisiert: 08.02.2012 17:46 Uhr
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Grünes Licht für neue Märkte

Trotz Protest des Einzelhandels genehmigt Rat Bebauungsplanänderung für Gewerbepark
  • Plakativer Protest: Knapp 80 Einzelhändler und Angestellte protestierten bei der Ratssitzung im kleinen Saal der Stadthalle gegen die Ausweisung neuer Einzelhandelsflächen im Gewerbepark an der B26.
    Foto: Ulrike Langer
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Der Protest war unübersehbar: Knapp 80 Einzelhändler und Angestellte hatten sich zur Ratssitzung im kleinen Saal der Stadthalle eingefunden, um sich gegen die Ansiedlung von Einzelhandelsmärkten im Gewerbepark an der B26 auszusprechen. Dennoch beschloss der Stadtrat bei sieben Gegenstimmen, den Bebauungsplan für die beiden Grundstücke in der Robert-Bosch-Straße zwischen OBI und Norma im Gewerbepark mit dem Ziel zu ändern, dort Einzelhandelsgeschäfte für Textilien, Schuhe und Lederwaren, Home & Interieur, Sportartikel und Tierbedarf anzusiedeln.

Mit Plakaten hatten die Einzelhändler vor dem kleinen Saal ihre Meinung kundgetan. Auf denen stand zu lesen: „Keine neuen Textilflächen außerhalb der Innenstadt! Sie entscheiden heute über die Überlebensfähigkeit der Haßfurter Innenstadt!“, „Pro Innenstadt, das Herz von Haßfurt“, „Kein Textil, keine Schuhe“ und „Lasst das Herz pulsieren für eine hübschere Innenstadt“.

Dennoch betonte Bürgermeister Rudi Eck dann zu Beginn der Sitzung, dass er sich freue, dass so viele Gäste an den Entscheidungen des Stadtrats teilnähmen. Bevor allerdings die Sitzung begann, beantragte Michael Zehe die Absetzung der Tagesordnungspunkte zu den Themen „Einzelhandelskonzept“ und „Änderung des Bebauungsplans für den Gewerbepark an der B26“. „Weil der Bezirksgeschäftsführer des Handelsverbandes Bayern, Volker Wedde, der große Bedenken gegen die Ansiedlung weiterer Einzelhandelsgeschäfte im Gewerbepark geäußert hat, heute nicht gehört wird, sollten die Punkte verschoben werden“, so der Stadtrat. „Außerdem bitten die Händler der Innenstadt um Gespräche vor einem Beschluss.“

Doch der Bürgermeister und der Leiter der Bauverwaltung, Robert Barth, verdeutlichten, dass sowohl der Handelsverband Bayern als auch die Einzelhändler der Stadt im laufenden Verfahren noch zwei Mal ihre Bedenken äußern könnten. „Heute wird ja nicht die Änderung des Bebauungsplans beschlossen, sondern nur der Aufstellungsbeschluss gefasst“, so Barth. Die bisherigen Gespräche, beispielsweise mit Volker Wedde, seien lediglich informell gewesen, fügte Eck an. Und obwohl Christian Schneider sich dafür aussprach, die Öffentlichkeit frühzeitig einzubeziehen, wurde der Antrag von Zehe abgelehnt.

Vor der regen Diskussion wollte Eck betont wissen, dass man in den Gewerbepark investiert habe, um sich auch in Zukunft behaupten zu können und Kaufkraft zu binden. Ein zusätzlicher Bedarf an Geschäften in bestimmten Sortimentsbereichen sei festgestellt. Und das Thema sei seit vielen Jahren besprochen worden. „Jetzt wird's konkret“, sagte er. Doch die Stadt wolle ja nicht nur neue Märkte ausweisen, sondern ebenfalls die Attraktivität der Innenstadt weiter fördern. Die Beteiligung der Gewerbetreibenden und des Einzelhandels im Rahmen dieses „integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts“ (ISEK) sei dabei ein wesentlicher Punkt.

Aktualisierte Fassung

In das ISEK fließt auch ein Einzelhandelsentwicklungskonzept ein, das die BBE Handelsberatung München erstellt. In der Sitzung erläuterte Angelus Bernreuther von BBE eine aktualisierte Fassung und gab die Ergebnisse der Verträglichkeitsstudie zur Ansiedelung weiterer Märkte im Gewerbepark bekannt. Bernreuther kam zu dem Schluss, dass der Ansiedelung weiterer Fachmärkte im Gewerbepark nichts entgegensteht. Auf Fragen der Räte sagte der Referent, dass die geplanten Märkte kaum Kaufkraft aus der Innenstadt ziehen würden, weil dort das Umfeld zum Bummeln und Einkaufen wesentlich einladender sei. Es stelle sich auch die Frage, ob Kunden, die dort einkaufen würden, ansonsten in die Innenstadt fahren würden. Aus der Erfahrung könne er sagen, dass sich im Gewerbepark eher Discount-Anbieter ansiedeln würden als Anbieter hochwertiger Ware.

Michael Zehe wandte ein, dass die Innenstadtgeschäfte geschädigt würden, wenn beispielsweise ein Textilgeschäft im Gewerbepark dieselben Marken führe. Zudem gebe es im Gewerbepark bessere Parkmöglichkeiten, fügte er unter dem Applaus der Besucher an.

Der Stadtrat akzeptierte bei fünf Gegenstimmen das Einzelhandelsentwicklungskonzept und die Studie über die Verträglichkeit der Ansiedlung von weiteren Einzelhandelsmärkten im Gewerbepark. Zudem stimmte er bei sieben Gegenstimmen der Bebauungsplanänderung zu. Diese sieht vor, dass auf der 12 000-Quadratmeter-Fläche zwischen OBI sowie Norma und Edeka Einzelhandelsmärkte zulässig sind.

Von unserer Mitarbeiterin Ulrike Langer
    
    

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