publiziert: 11.09.2009 14:25 Uhr
aktualisiert: 13.09.2009 15:23 Uhr
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Kandidat klebt selbst

Bundestagswahl: Mit je einem Porträt und einem Kurzinterview stellen wir die Direktkandidaten im Wahlkreis Bad Kissingen vor. Heute: Stefan Bannert, Die Linke

  • Stefan Bannert vor der riesigen Weltkarte in seinem Wohnzimmer: Wenn der 42-Jährige nicht gerade für „Die Linke“ kandidiert, reist er mit Vorliebe in fremde Länder.
    FOTO Michael Petzold
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Fast zwölf Quadratmeter groß ist die Fototapete mit der Weltkarte in Stefan Bannerts Wohnzimmer in seinem Haus in der Landgerichtsgasse. Alle Herren Länder hat er schon bereist – immer auf eigene Faust als Individualtourist. Derzeit beschränkt sich für den Globetrotter die Welt aber auf die Landkreise Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld und Haßberge, die im Wahlkreis 248 zusammengefasst sind.

Die bisherigen Wahlergebnisse des gelernten Werkzeugmachers, der bei der Siemens AG in Bad Neustadt seine Brötchen verdient, liegen weit weg von der Macht. 4,3 Prozent der Erststimmen verbuchte der 42-jährige Single bei seiner ersten Kandidatur zum Bundestag 2005, vergangenes Jahr bei der Landtagswahl waren es 6,0 Prozent. Für Bannert kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. „Mir geht es um die soziale Gerechtigkeit“, erklärt er im Gespräch mit der Main-Post seine Motivation, im immer noch von der CSU dominierten Bayern am 27. September abermals für Die Linke anzutreten.

Seit Juni 2004 ist er dabei. „Das war noch vor der WASG“, sagt der gebürtige Münnerstädter, also vor Gründung der Wahlalternative für Arbeit und soziale Gerechtigkeit. Und seitdem hat er alles mitgemacht – den Weg bis zur Parteigründung und den gut zweijährigen Prozess der Verschmelzung mit der PDS zur jetzigen Partei. Da gab es hinter den Kulissen jede Menge zu tun. „Es ging darum, erst einmal Strukturen zu schaffen,“ erklärt Bannert.

Die Agenda-2010-Politik der Regierung Schröder war für ihn ausschlaggebend, sich aktiv in die Politik einzumischen. Natürlich sei Die Linke radikal in Forderungen gegenüber anderen Parteien, was zum Beispiel die Rückkehr zur alten Rentenformel oder die Aufstockung des Hartz IV-Geldes betrifft, gibt der Kandidat zu. Auch für eine staatliche Aufsicht über die Banken tritt die Linke genauso ein, wie für eine für alle verbindliche Sozialversicherung nach dem Schweizer Modell. In der Konsequenz seien die Forderungen aber nur vernünftig wegen der Politik in den vergangenen 20 Jahren. „Die soziale Marktwirtschaft ist zur Worthülse geworden“, sagt er und verweist auf 6,5 Millionen Bundesbürger, die im Niedriglohnbereich beschäftigt sind.

Laut OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) müsste in diesem Bereich ein Durchschnittlohn von 9,38 Euro im Westen und 7,18 Euro im Osten gezahlt werden. Tatsächlich seien es aber nur 6,88 und 5,60 gewesen. Über solche Zahlen, die aus dem Jahre 2007 stammen, kann sich der ansonsten sehr ruhig wirkende Bannert unheimlich aufregen. Dann sprudeln sie aus ihm heraus, die in vielen Diskussionen geschärften Argumentationslinien und die Sehnsucht nach einer besseren Gesellschaft. „Ich habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn“, sagt er über sich selbst. Und: „Wenn ich etwas anfange, dann ziehe ich es auch durch.“ Bisweilen auch mit unangenehmen Konsequenzen. Als bei Siemens in Bad Neustadt die Leiharbeit eingeführt wurde, gab der IG-Metaller seinen Betriebsratsposten auf, den er neun Jahre lang innehatte.

Und so akzeptiert er denn auch, dass ihm seit geraumer Zeit kaum mehr Spielraum für etwas anderes bleibt als für seine Arbeit und die Politik. Nicht für die Renovierung seines Hauses, in dem er seit 1988 wohnt und das er 2005 gekauft hat und auch nicht für seine beiden Motorräder, an denen er so gerne rumschraubt. Auch für seine vielen Bekannten hat er zu wenig Zeit. Und selbst die Sammlung mit Blues- und Rock-Schallplatten aus den 60er und 70er Jahren bleibt viel zu oft ungehört.

Anfeindungen, wie er sie erfahren hat, als er das erste Plakat für den Europawahlkampf in der Schützenstraße aufhängen wollte, können ihn kaum beeindrucken. „Die Linken sollte man alle aufhängen“, habe ihm bei dieser Gelegenheit ein ältere Mann entgegengerufen. Da steckt er es auch weg, dass in manchen der 180 Dörfer, in denen er selbst die Wahlplakate aufstellt, die Werbung am nächsten wieder verschwunden ist. „Gut 150 Wahlplakate zur Europawahl wurden gestohlen“, ärgert er sich und setzt sich nach dem gut zweieinhalbstündigen Gespräch in sein Auto, um nach Fürth zu fahren, um neue Wahlplakate zu holen.

    
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Von unserem Redaktionsmitglied Michael Petzold
    
    

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Die neuesten Kommentare

henni (70 Kommentare) am 12.09.2009 08:17

Weiter so, Stefan

Ich wünsch dir viel Erfolg in deinem Wahlkreis (6%+X), damit alle sehen, dass es möglich ist, mit Engagement und Power LINKE-Politik an die Frau und an den Mann zu bringen!

Ciao Klaus Schröder

ps: in SW ist wieder ne Wahlparty angesagt!
(0)
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