aktualisiert: 07.02.2012 16:01 Uhr
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OBERTHERES
Leserforum: Radikalmaßnahme gegen die Natur
Zur Ausholz- und Säuberungsaktion im unteren Ilmengraben im Bereich der Gemeinde Theres:
Handstreichartig und der Tradition des vorigen Bürgermeisters folgend haben Gemeindearbeiter auf Anweisung den unteren Ilmengraben ausgeholzt und gesäubert. Büsche, niedrige Bäume und Sträucher wurden mittels Motorsäge meist in Bodenhöhe auf Stock gesetzt, hochstämmige Bäume (Spitzahorn) wurden geastet, und das letzte Falllaub wurde aus jedem Winkel weggekratzt. Übrig geblieben ist nach der Radikalverjüngung ein fast öder, leer gefegter Landschaftsbestandteil im Dorf. Manchen Anliegern mag dies entgegenkommen, könnte doch damit das lästige Laubkehren entfallen.
Missfallen muss diese Radikalmaßnahme aber Naturfreunden und vielen Ortsbürgern. Warum?
Der Ilmengraben, ursprünglich ein Feldweg mit Säumen von Feldgehölzen und Hecken und 1999 mit viel Geld renaturiert, könnte ein Rückzugsgebiet der entleerten Natur in der Flur sein und ein Ort mit Wiedererkennungswert. Einst war er das charakteristische Gesicht des Dorfes. Naturnah gestaltet, steigert er den Wohnwert der Dorfbewohner und sollte als prägendes Merkmal des Dorfes erhalten werden.
Verlierer ist auch die Natur, weil die Lebensbedingungen für die Tier- und Pflanzenwelt auf Jahre beeinträchtigt sind. Durch das Entfernen von Frühblühern wie Kornelkirsche, Weide, Haselstrauch fehlen zum Beispiel Bienen die Nährpflanzen im Frühling. Oder Dompfaff, Kleiber und Buntspecht vermissen die Steinfrüchte von Hasel, Mehlbeere, Schneeball, Weißdorn im Winter. Auch gibt es kaum einen Schutz (dichte Hecken) oder Nistgelegenheiten für Vögel.
Auch frage ich mich, warum das Falllaub aus dem Graben entfernt wird, weiß man doch, dass es im Winter eine Nahrungsquelle – zum Beispiel für Meisen – ist, die von Kleintieren auf der Laubunterseite sich ernähren können.
Schließlich trägt auch das intensive Mähen der Grasfläche mit dem Kreiselmäher nicht zum Erhalt einer vielfältigen Pflanzenwelt bei und zerstört außerdem noch Kleinsäuger, Käfer und Insekten.
Was tun? Schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass sich die Natur im Ilmengraben weitgehend unbeeinträchtigt entfalten kann. Gut wäre es, wenn die Bürgerschaft sich im Rahmen der geplanten Dorferneuerung mit der Dorfökologie beschäftigen würde und die Verantwortlichen sich um mehr ökologisches Verantwortungsbewusstsein bemühten. Neben der ökologischen Bewusstseinsbildung der Bürger könnte die Gemeinde durch richtiges Umgehen mit der Natur viel Geld sparen.
Alfred Schmitt Schafhofweg 11 Obertheres
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legal (56 Kommentare) am 07.02.2012 17:15
Wie recht Sie doch haben!Leider sind inzwischen allenthalben Maschinisten, die einfach nur sauber und gerade können, ohne Gefühl für Ästhetik und Wissen über Natur unterwegs.Noch vor einigen Jahren, als solche Maßnahmen mühsame Handarbeit bedeuteten, waren die Rahmenbedingungen für Tiere und Pflanzen in der Flur besser. Nun aber haben die Gemeinden Schlegelmaschinen, Freischneider usw. für viel Geld angeschafft und die Herren der Schöpfung finden großen Spaß und Befriedigung der Gebrauchsanleitung folgend damit umzugehen. Da hat der Mann schnell das Gefühl Großes geleistet zu haben. Gebrauchsanleitungen sind halt von einfachen Geistern viel schneller verstanden als Naturraumbeschreibungen. Armes, reiches Land! |
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