publiziert: 03.09.2010 16:34 Uhr
aktualisiert: 03.09.2010 19:23 Uhr
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Menschen aus brennenden Autos gezogen

Haßfurter Polizeichef Kurt Förg ehrt zwei neue „Kavaliere der Straße“ – Vorbild für andere Autofahrer
  • Beherztes Eingreifen: Aus diesem schon brennenden Auto holte Susanne Evertz im vergangenen Februar auf Höhe der Weidenmühle bei Sechsthal eine 79-jährige Frau heraus, die nach einer Herzattacke bewusstlos hinter dem Steuer saß.
    Archivfoto: Michael Mösslein
  • Ausgebrannt: Zwischen Fitzendorf und Goßmannsdorf verunglückte dieser Wagen auf der B 303. Jerry White holte die Fahrerin aus dem Wrack.
    Archivfoto: Martin Schweiger
  • Ehrung für mutige Ersthelfer: Erster Polizeihauptkommissar Kurt Förg (links) zeichnete zusammen mit Polizeihauptkommissar Wolfgang Busch (rechts) Susanne Evertz und Jerry White mit der Plakette „Kavalier der Straße“ aus.
    Foto: Klaus Vogt
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Ein Auto ist verunglückt, es beginnt zu qualmen, dann schlagen Flammen aus dem Motorraum. Ein Horrorszenario – aber nicht nur für die Personen, die sich noch, vielleicht schwer verletzt oder gar eingeklemmt, im Fahrzeug befinden. Auch hinzukommende Ersthelfer schrecken häufig vor brennenden Autos zurück, denn schließlich ist nahezu jeden Abend im Fernsehen zu sehen, wie in Actionfilmen – bar jeder physikalischen Regel und nur um des billigen Effekts wegen – Unfallwagen mit einem riesigen Feuerball spektakulär in die Luft fliegen.

Wenn sich trotzdem Ersthelfer an brennende Autos heranwagen, Menschen aus höchster Lebensgefahr retten, dann ist dies auf jeden Fall eine öffentliche Belobigung und Ehrung wert. So geschehen am Freitagnachmittag in der Polizeiinspektion in Haßfurt. Erster Polizeihauptkommissar Kurt Förg zeichnete Susanne Evertz aus dem Königsberger Stadtteil Altershausen und Jerry White aus dem Euerbacher Gemeindeteil Obbach (Kreis Schweinfurt) mit der Plakette „Kavalier der Straße“ und einer von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer unterschriebenen Urkunde aus.

Am 24. Februar dieses Jahres, gegen 8.30 Uhr, war Susanne Evertz mit ihrem Auto von Altershausen in Richtung Zeil unterwegs. Auf Höhe der Weidenmühle bemerkte sie eine starke Rauchentwicklung. Sie ging der Sache auf den Grund und bemerkte eine leblose Person in einem Auto, dessen Motor mit Vollgas lief. Die Fahrerin des Autos saß zusammengesunken auf dem Fahrersitz. Der Wagen stand an einem Bretterstapel, den der heiße Auspuff schon entzündet hatte.

Die Ersthelferin zog die leblose Frau sofort aus dem Fahrzeug. „Durch die Brandentwicklung war Ihre Hilfeleistung nicht ganz ungefährlich“, lobt Förg die mutige Frau. Wie die späteren Ermittlungen der Polizei ergaben, war die verunglückte 79-jährige Fahrerin damals rückwärts aus der Garage gefahren und hatte dabei eine schwere Herzattacke erlitten. Ihr Auto rollte auf dem abschüssigen Gelände zehn Meter rückwärts gegen den Holzstapel.

Leider konnte die Fahrerin trotz sofortiger Verständigung von Polizei, Rettungsdienst und Notarzt nicht mehr reanimiert werden. „Frau Evertz verdient für ihr beherztes und mutiges Eingreifen hohe Anerkennung“, sagte der Haßfurter Polizeichef in seiner Laudatio.

Der zweite Fall ereignete sich am 28. Juni dieses Jahres, um 8.55 Uhr, auf der B 303 zwischen den Abfahrten nach Fitzendorf und Goßmannsdorf. Eine Autofahrerin war einem Rehkitz ausgewichen, welches auf der Fahrbahn lag und hatte dadurch die Kontrolle über ihr Fahrzeug verloren. Beim Ausweichvorgang wurde auch noch das Muttertier erfasst. Der Wagen schleuderte von der Fahrbahn, prallte gegen einen Baum und fing Feuer.

Jerry White, der als Unfallzeuge hinzukam, erkannte die gefährliche Situation und konnte die Fahrerin vom Sitz ziehen. Das Auto brannte nach der Rettungsaktion vollständig aus. „Man kann sich sicherlich vorstellen, welche Folgen der Verkehrsunfall ohne die schnelle Reaktion von Herrn White gehabt hätte“, sagte Förg.

Kavalier der Straße

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tageszeitungen fördert schon seit dem Jahr 1959 vorbildliches und partnerschaftliches Verhalten im Straßenverkehr durch eine besondere Ehrung. Dazu zählt unter anderem geistesgegenwärtiges Verhalten, das einen Unfall im Straßenverkehr verhindert oder dessen Folgen verringern hilft. Weiter werden Hilfeleistungen nach Verkehrsunfällen in Situationen honoriert, in denen der Ausgezeichnete nicht selbst schuldhaft beteiligt war, sowie unverzügliches Melden oder Beseitigen von gefährlichen Verkehrshindernissen und schließlich auch das partnerschaftliche Verhalten im Straßenverkehr, vor allem gegenüber Schwächeren und besonders Gefährdeten, also Behinderten, Kindern und älteren Menschen.

 
Von unserem Redaktionsmitglied Klaus Vogt
    
    

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