aktualisiert: 08.02.2012 10:12 Uhr
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WONFURT
Neues Gutachten: Loacker-Staub ist gefährlich
Bürgerinitiative Wonfurt hat Probe aus Loacker-Halle untersuchen lassen – Gesprächsangebot ans Unternehmen
Wie gefährlich ist der im Recyclingbetrieb Loacker in Wonfurt entstehende Staub? Seit über einem halben Jahr beschäftigt diese Frage die Menschen. Doch noch immer gibt es keine klare Antwort. Firma und Landratsamt Haßberge behaupten: „Alles ungefährlich und unter Kontrolle!“ Die Bürgerinitiative (BI) „Lebenswertes Wonfurt“ sagt: „Das Gegenteil ist der Fall – alle sind gefährdet!“. Am Freitag hat die BI die dritte von ihr in Auftrag gegebene Staubanalyse vorgestellt. Das Ergebnis gleicht den vorherigen: Schwermetall- und PAK-Werte im Loacker-Staub sind teils stark erhöht.
Die Staubprobe stammt diesmal direkt vom Betriebsgelände. Ein Mitglied der BI habe heimlich „eine Handvoll Staub“ direkt an einer Maschine, die Elektroschrott verarbeitet, entnommen. Der Zeitpunkt war der 22. Dezember 2011, während eines Informationsgesprächs zu dem Loacker eingeladen hatte. Wie berichtet, hatte damals der Gesamtgeschäftsführer des österreichischen Unternehmens, Michael Loacker, auf Nachfragen der Besucher nicht klar sagen können, welche giftige Substanzen der Staub enthält, der bei Loacker anfällt. „Wenn Loacker nicht weiß, was im Staub ist, dann werden wir ihm gerne dabei helfen“, sagte jetzt am Freitag Peter Werner vom Vorstand der BI.
Den Staub hat das Schonunger Labor Graser untersucht. Dem Befund, der dem Bote vom Haßgau vorliegt, ist zu entnehmen, dass im Staub teils hohe Mengen an gesundheitsschädlichen Schwermetallen und PAK (Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe) gefunden wurden. Der Bleianteil beträgt beispielsweise 4200 Milligramm pro Kilogramm. Zum Vergleich: Laut Klärschlammverordnung darf dieser Wert maximal 150 Milligramm betragen, wenn Klärschlamm auf Felder ausgebracht werden soll. Der Anteil von Kupfer im Staub liegt bei 70 000 Milligramm (Höchstwert laut Klärschlammverordnung: 850 Milligramm), von Nickel bei 1250 Milligramm (maximal 100 Milligramm), von Chrom bei 330 Milligramm (maximal 150 Milligramm). Nicht untersucht wurde der Staub auf Dioxine, weil dies bis zu 2000 Euro kostet.
Nach Angaben der BI wurde die jüngste Staubanalyse an die Wasserschutzpolizei Schweinfurt weitergegeben, die gegen Loacker wegen eines möglichen unrechtmäßigen Betreibens von Anlagen ermittelt. Die Polizei sei „hocherfreut“ über die Analyse gewesen, erklärt die BI. Die Unterlagen seien vor Gericht verwertbar, habe ein Sachbearbeiter festgestellt.
Während eines Gesprächs im Landratsamt am 5. Januar, so gibt es die BI an, hätten Mitarbeiter des Landratsamtes gesagt, die BI solle sich doch selbst um Staubproben vom Loacker-Gelände kümmern, da Vertreter des Landratsamtes (als Aufsichtsbehörde) angeblich nicht aufs Gelände dürften, um dort Proben zu entnehmen. Gemeinderat Karl Hellwig, der dem Gespräch im Landratsamt beigewohnt und dessen Inhalt protokolliert hatte, bestätigte dies am Freitag nochmals.
Für Peter Werner hat nicht nur das Unternehmen Loacker „Vertrauen verspielt“, sondern auch das Landratsamt. Das Landratsamt möchte ohne Zustimmung des Unternehmens keine Angaben zu den in den Jahren 2010 und 2011 bei Loacker verarbeiteten Schrottmengen machen, um diese mit aktuellen Mengen vergleichen zu können. Hintergrund: Bestätigt durch Aussagen von Anwohnern vermutet die BI, dass Loacker derzeit – während rund ums Gelände ständige Immissionsmessungen laufen – deutlich weniger Kabel- und Elektroschrott verarbeitet als normal. Das Unternehmen dementiert dies und sagt, dass aktuell nur vorgeschreddertes Material nicht verarbeitet wird, ansonsten aber Hochbetrieb herrscht.
Das Landratsamt, so die BI, verweigere die Herausgabe der Daten mit Verweis auf das Umweltinformationsgesetz (UIG), um Geschäftsgeheimnisse von Loacker zu schützen. Im UIG steht aber auch, dass solche Informationen ohne Zustimmung eines Unternehmens herausgegeben werden dürfen, soweit „das öffentliche Interesse an einer Bekanntgabe überwiegt“. Darauf beruft sich die BI.
Nachdem unserer Redaktion bereits ein 23-Jähriger aus Wonfurt bekannt ist, der unter einer Schwermetallvergiftung leidet, hat am Freitag eine Frau, die ungenannt bleiben möchte, von ihrem Befund berichtet. Der Würzburger Metalltoxikologe Dr. Peter Jennrich hat herausgefunden, dass in ihrem Körper die Werte für Blei, Kupfer, Nickel, Quecksilber und Kadmium deutlich erhöht sind. Die Frau arbeitet seit dem Jahr 2005 in einem Nachbarbetrieb von Loacker, der selbst keine Metallstäube produziert. Eine parallele Untersuchung ihres Mannes, um zu testen, ob eventuell ihr Haus mit Schwermetall belastet ist, fiel negativ aus. Infusionen sollen nun das Gift aus ihrem Körper spülen. Die Kosten habe ihre Krankenkasse bislang nicht übernommen, sagt die Frau, die krankgeschrieben ist.
Die BI „Lebenswertes Wonfurt“ will jetzt Loacker zu einem Gespräch einladen. „Ich nehme an, Loacker wird dem zustimmen“, sagt Peter Werner. Es sollten endlich Lösungen für ein verantwortliches Handeln gefunden werden. Zugleich suche die BI nach einem Anwalt, der ihre Interessen vertritt. Ihre Ziele – vor allem ein Betrieb bei Loacker, der jede Gefahr ausschließt – möchte die BI weiter publik machen, auch mit Infoveranstaltungen für Bürger, wie am 9. Februar in Wülflingen und am 15. Februar in Untertheres.
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peter_pan (859 Kommentare) am 06.02.2012 13:18
.....spätestens heute,.......nachdem der betrieb dieser dreckschleuter durch das landratsamt bzw. die gewerbeaufsicht immer noch nicht eingestellt ist, wird es zeit für die staatsanwaltschaft, gegen die leiter der beiden behörden wg. beihilfe zur körperverletzung und unterstützung zum betrieb einer nicht genehmigten anlage zu ermittlen..... . |
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schonda (1146 Kommentare) am 06.02.2012 12:57
Auf was noch warten........ macht den Laden endlich dicht ! Oder wollt ihr am Loacker-Dreck verrecken ? |
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