publiziert: 06.02.2012 17:51 Uhr
aktualisiert: 06.02.2012 17:55 Uhr
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Non-Stopp-Redeschwall

Mathias Richling verlangt den Zuhörern in der Stadthalle alles ab
  • Exklusives Fotoshooting: Kabarettist Mathias Richling in der Haßfurter Stadthalle.
    Foto: Ulrike Langer
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Das Publikum war zunächst irritiert. „Keine Getränke, kein Imbiss und keine Pause“, das hatte Mathias Richling angeordnet. Auch das Fotografieren und Filmen hatte er sich während der Veranstaltung des Kulturamtes Haßfurt verbeten. Doch nach dem Auftritt des Kabarettisten mit seinem Programm „Der Richling Code“ waren die Zuhörer in der Stadthalle begeistert und zeigten dies durch lang anhaltenden Applaus. Der Journalistin indes gewährte Richling am Ende in aller Ruhe ein exklusives Fotoshooting.

Die ungeteilte Aufmerksamkeit musste man Mathias Richling unbedingt widmen. Denn wohl kaum ein anderer seiner Berufskollegen fordert eine solche Konzentration von den Zuhörern wie er. Denn er redet nicht nur schnell, sondern vollzieht auch mit wenigen Worten äußerst komplexe Gedankengänge. Mit ihnen beleuchtet er vergangene wie aktuelle Politik, deren Missbrauch und die Absurdität mancher Aussagen von Politikern. Mit ihnen greift er die Themen der Zeit auf und fällt teilweise radikale Urteile.

Scheinbar nervös und hektisch bewegt er sich vor seinem opulenten Bühnenbild, dem sinnbildlichen „letzten Abendmahl“ der Kanzlerin. Dieses wird von Regisseur Günter Verdin angedeutet: durch eine schwarz-rot-golden geschmückte Tafel mit vielen leeren Plätzen, durch weiße Namenschilder vor dem Bild des letzten Abendmahls von Leonardo da Vinci und durch den auf einem Gestell hängenden roten Blazer von Angela Merkel.

Prägnantes Live-Erlebnis

Vor dieser Kulisse schlüpft Mathias Richling im Lauf seines zweistündigen Non-Stopp-Redeschwalls in die Rolle der an der Tafel „sitzenden“ Politiker, deren Namen nach und nach aufgedeckt werden. Man kennt den Kabarettisten ja aus dem Fernsehen als ausgezeichneten Parodisten, doch live ist das Erlebnis noch prägnanter.

Man hätte die Augen schließen können, um die dargestellten Personen nur an der Sprache zu erkennen: den Bundespräsidenten, der wie die Costa Concordia bereits Schlagseite hat und in tiefere Gewässer abzudriften droht, Wolfgang Bosbach, der keine Gefangenen aus Guantanamo aufnehmen wollte, so dass im Gegenzug Guantanamo nicht verpflichtet ist, Bosbach aufzunehmen, Ronald Pofalla, der eine beeindruckende Fähigkeit zur Farblosigkeit besitzt, Karl Lauterbach, der sich mit Gesundheit auskennt, denn er war auch schon einmal gesund, Klaus Ernst, Walter Steinmeier, Gregor Gysi und viele andere. Politiker und (fast) jede Partei werden schonungslos auf leere Worthülsen und sich widersprechende Aussagen hin entlarvt.

Besonders beeindruckend ist, wie er Helmut Schmidt über die Demokratie schimpfen lässt, wie er Wolfgang Schäubles Verachtung der sozial Schwachen wiedergibt, und wie er immer wieder die Bundeskanzlerin parodiert.

Doch Mathias Richling lädt nicht nur zum Lachen ein. Er kann auch ganz schön böse sein. Zum Beispiel auf Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der sein Amt als Bundeskanzler für den Weg zum Millionär benutzt habe. Oder auf den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, der „von Amts wegen nicht weiß, was man uns vorwirft“.

Als erste Zugabe gibt es ein Interview von Rainer Brüderle mit einem chinesischen Journalisten, das ausnehmend lustig ausfällt. Ganz anders dagegen die zweite Zugabe. Denn in der spekuliert Richling, ob die sechs Millionen toten Juden im Dritten Reich nur ein wissenschaftliches Experiment gewesen seien nach dem Motto: „Mal sehen, was die Deutschen alles mitmachen“.

ger
    
    

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