aktualisiert: 31.01.2012 15:27 Uhr
Text
Text
AIDHAUSEN
Obstbäume fallen einem Versehen zum Opfer
Straßenarbeiter sehen Sicherheitsrisiko und greifen zur Säge – dabei hätten die Bäume stehen bleiben können
Wie lange braucht man, um mit einer Kettensäge einen Obstbaum umzulegen? Normalerweise nicht lange, fünf Minuten vielleicht. Für sechs Obstbäume, die an der Kreisstraße zwischen Aidhausen und Happertshausen standen, hat die letzte Stunde jedenfalls viel zu früh geschlagen. Mitarbeiter des Kreisbauhofs haben sie gefällt – obwohl sie eigentlich hätten stehen bleiben sollen. Ein bedauerlicher Irrtum.
Ein Leser aus Aidhausen hatte am Freitag die Redaktion des Bote vom Haßgau darüber informiert, dass an der Straße in Richtung Happertshausen mehrere Obstbäume gefällt worden seien. Zu Recht stellte er die Frage: Wer hat das zu verantworten? „Ich habe mir dort ab und zu Äpfel geholt. Die waren gut“, sagt der Mann.
Ein Ortsbesuch bestätigt das geschilderte Szenario. Nicht weit nach dem Ortsausgang liegen am rechten Straßenrand noch die Äste der Kronen von Obstbäumen. Nur knapp über die Grasnarbe der abfallenden Böschung lugen vier Baumstümpfe hervor. Daneben liegt frisches Sägemehl. Bis auf zwei kurze Stücke sind die Stämme der gefällten Bäume bereits weggeschafft worden. Ein paar Hundert Meter weiter liegen die Reste von zwei weiteren Bäumen am Straßenrand.
Ein Anruf bei Alfons Schanz, dem Leiter der Tiefbauverwaltung des Landratsamtes Haßberge, trägt zunächst nicht groß dazu bei, der Antwort auf die Frage, warum die Bäume gefällt wurden, näherzukommen. Schanz erzählt, dass es am 10. Januar im Zuge von Planungen für einen Radweg durch Aidhäuser Gemeindegebiet Richtung Stadtlauringen ein Gespräch mit Bürgermeister Dieter Möhring sowie der Unteren Naturschutzbehörde gegeben habe. Dabei sei besprochen worden, dass die besagten Obstbäume am Straßenrand stehen bleiben sollen. Die Radwegtrasse soll um die Bäume herumführen und entsprechend geplant werden. Aber: „Ich werde mich erkundigen“, verspricht der Leiter der Tiefbauverwaltung.
Es dauerte nicht lange, da ruft Alfons Schanz zurück. „Wir waren es“, gibt er ohne Umschweife zu, die Baumfällaktion gehe auf die Kappe des Kreisbauhofs. Und Schanz liefert auch eine Erklärung, wie es zu dieser Panne kommen konnte: Eine Kolonne Straßenbauer war auf der betreffenden Strecke unterwegs gewesen, um die Sicherheit zu erkunden. Dabei seien der Kolonne die Obstbäume aufgefallen, die sehr nahe am Straßenrand standen. „Von einem Baum waren es nur 50 Zentimeter bis zum Straßenrand“, erklärt Schanz. Kurzum: Die Männer in Orange sahen ein Sicherheitsrisiko, griffen zur Kettensäge und fällten die Bäume. „Eigentlich eine überfällige Aktion“, ergänzt Schanz noch.
Der Chef macht seinen Männern keinen Vorwurf. „Das Ergebnis unseres Gespräches zum geplanten Radweg war nicht schriftlich festgehalten worden“, meint Schanz. Dies sei bei Vorgesprächen im Rahmen einer Planung nicht vorgesehen. Damals sei auch über eine Leitplanke geredet worden, die die Bäume von der Straße trennen könnte. Hätte ein schriftlicher Vermerk existiert, dann wären die Mitarbeiter des Bauhofs umgehend darüber informiert worden, erläutert der Verwaltungsleiter die Abläufe. Nur: In diesem Fall gab es diese Information noch nicht. Deshalb habe der verantwortliche Straßenmeister auch vor Ort entscheiden können, dass die Bäume aus Sicherheitsgründen entfernt werden.
Eine Rückfrage beim Vorgesetzten sei in solchen Fällen nicht vorgesehen, erklärt Schanz. „Wir haben 340 Kilometer Straßen sicher zu halten.“ Da sei es für die Arbeiter unmöglich, bei jeder vermeintlichen Kleinigkeit nachzufragen. Im konkreten Fall habe es sich einfach um die unglückliche Überschneidung von zwei Prozessen gehandelt, stellt Schanz fest. Er verschweigt jedoch nicht, dass die ganze Sache peinlich ist. „Das sage ich ganz offen.“
Aidhausens Bürgermeister Möhring weiß am Freitagmittag bei Nachfrage des Bote vom Haßgau noch nichts von den gefällten Obstbäumen. Kurze Zeit später hat er jedoch einen Anruf von Alfons Schanz erhalten. Im zweiten Gespräch mit der Redaktion erklärt der Bürgermeister: „Man könnte jetzt darüber philosophieren, wie bedauerlich der Vorfall ist, doch das hilft alles nichts. Die Bäume sind gefällt.“ Dass dies passieren konnte, findet Möhring „sehr bedauerlich“, es seien schöne Bäume gewesen. Er glaube dem Leiter der Kreis-Tiefbauverwaltung, dass die Bäume trotz der mündlichen Absprache nicht absichtlich gefällt worden sind. „Wir haben ausgemacht“, berichtet Möhring, „dass wir zusammen mit der Unteren Naturschutzbehörde eine Stelle suchen, wo junge Bäume als Ersatz gepflanzt werden.“
Diesen Artikel
Die neuesten Kommentare
|
Groschi (412 Kommentare) am 11.02.2012 09:09
Angesichtssolcher Fälle, die sich mehren, frage ich mich, ob all das schöne gerede von Naturschutz und schöner Landschaft nur Heuchelei ist? Mittlerweile sollte man schon um den Wert von Hecken und Bäumen wissen, stattdessen wird die Natur weiter ausgeräumt.Mitunter frage ich mich, ob bewußt oder unbewußt auch eine Form des Machtgedankens über die Natur die Hand führt. Gibt es einem einen Kick respektive Adrenalinstoß, mal eben so Bäume zu fällen? Kurz "Herr über die Natur" sein? Eine der letzten schönsen landschaften Mainfrankens z. B. wird eines Tages (sofern nicht doch die Vernunft Einzug hält) durch die B 26n unwiederbringlich vernichtet. Windräder werden enthusiastisch in die Gegend gestellt, wie weiland jede gemeinde unbedingt sein eigenes Industriegebiet haben mußte. Windrad - yeah! Egal wo, egal wie überflüssig oder den Horizont verbauend. Ich wünschte mir wieder mehr Sinn für die Natur und den gedanken darüber, daß auch wir Teil der Natur sind und auch diese ein Recht auf Dasein hat. |
(0)
|
![]() |
Groschi (412 Kommentare) am 11.02.2012 11:22
Ok ...da habe ich wohl zu tiefgründig geschürft. es wird einfach ein Job gemacht und das möglichst so, daß es weniger Aufwand macht. Anstelle zu stutzen und einzukürzen gleich ganz weg. Weniger Arbeit, geht schneller, ist ja auch egal. |
(0)
|
Baby-Galerie
Hassgau-Blues
Gelesen
Kommentiert
Aktuelle Leserkommentare
Viele Motorradfahrer
von winnemWie wäre es....
von MrsBurnsStadtkultur Schweinfurt
Kunst und mehr Die Stadt Schweinfurt hat kulturell eine ganze Menge zu bieten. »mehr
Fotografen und ihre Fotos
Grüsse aus der Region
Zeichen setzen
engagierte Bürger Lesen Sie alles über den Preis und machen Sie Vorschläge, wer ihn bekommen soll. »mehr

Wetter

