aktualisiert: 16.03.2011 17:06 Uhr
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HASSFURT
Passende Teilzeitstelle ist Glücksfall
Frauen können oft nicht Vollzeit arbeiten – Arbeitskräftemangel bietet Chancen
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Beim Pressegespräch in der Arbeitsagentur Haßfurt: (von links) Günther Trum, der Leiter der Agentur für Arbeit Haßfurt, Doris Küfner-Schönfelder, die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Schweinfurt, sowie und Peter Schönfelder Pressesprecher der Agentur für Arbeit Schweinfurt.Foto: Michael Mösslein -
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Arbeitskräftemangel. Vor zwei Jahren, in der Rezession schwer vorstellbar, gehen die Prognosen der Bundesagentur für Arbeit mittlerweile tatsächlich davon aus, dass deutsche Unternehmen sich in wenigen Jahren die Finger nach Mitarbeitern lecken werden, besonders nach Fachkräften. Bis 2025 soll sich die Zahl der Erwerbsfähigen in Deutschland gegenüber heute um 6,5 Millionen verringern.
Damit verbunden werden auch die Chancen für diejenigen steigen, die nicht Vollzeit, sondern Teilzeit arbeiten wollen oder können. „Wo Arbeitskräfte knapp werden, steigt die Flexibilität der Arbeitgeber, Teilzeitstellen anzubieten“, sagt Günther Trum, der Leiter der Agentur für Arbeit in Haßfurt. Besonders könnten von der erwarteten Entwicklung Frauen profitieren. Schon heute arbeiten von den erwerbstätigen Frauen in Deutschland knapp die Hälfte Teilzeit – mehr als in anderen EU-Ländern. Für viele ist Teilzeit nach einer Kinder- und Familienpause die einzige Möglichkeit, um überhaupt wieder ins Berufsleben einzusteigen.
Dies spiegelt sich auch in der Statistik der Arbeitslosenzahlen für den Landkreis Haßberge wider: Von den 916 Frauen, die im Januar dort arbeitslos gemeldet waren, suchten 321 keine Vollzeitstelle. Zum Vergleich: Unter den 2079 arbeitslosen Männern suchten nur 344 eine Teilzeitbeschäftigung. Wobei hier auch zum Tragen kommt, dass es in vielen Branchen und Unternehmen für Männer bedeutend schwieriger ist „nur“ Teilzeit zu arbeiten. Nicht selten ist ein solcher Wunsch – insgeheim – gleichbedeutend mit dem Ende der Karriere.
Problematisch aus Sicht der Vermittler der Arbeitsagentur ist, dass in der Region die Metall- und Elektroindustrie dominiere, wo weniger Frauen beschäftigt sind. In den klassischen Frauenberufen würden weitaus weniger Stellen angeboten, als benötigt würden, um alle Frauen zu integrieren.
Einige Beispiele: Im Verwaltungs- und Bürobereich waren der Arbeitsagentur Haßfurt im Januar 24 offene Stellen bekannt, davon fünf in Teilzeit – Interessentinnen auf die Teilzeitstellen gab es 67. Für Warenkaufleute waren 14 freie Stellen gemeldet, davon weniger als drei in Teilzeit – die Zahl der Interessentinnen lag bei 76. Ähnlich stellt sich das Verhältnis zwischen Wunsch und Realität in den Gesundheitsdienst- oder Ernährungsberufen. In den allgemeinen Dienstleistungsberufen suchen 70 Frauen wohl hoffnungslos nach Teilzeitstellen, weil es dafür quasi keine Angebote gibt.
„Frauen haben bei der Wiedereingliederung ins Berufsleben noch immer mehr Probleme als Männer“, sagt Doris Küfner-Schönfelder. Die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Schweinfurt erklärt dies damit, dass ein Großteil der Frauen Betreuungspflichten hätten: „Erst sind die Kinder zuhause, später oft Angehörige, die gepflegt werden müssen.“ Deshalb seien viele Frauen auf Teilzeitstellen angewiesen. „Eine Arbeitsstelle zu finden, die nur vormittags zu besetzen ist, solange die Kinder in den Kindergarten können, und wo man in der Ferien daheim bleiben kann – das ist wie ein Sechser im Lotto“, meint Küfner-Schönfelder.
Über das Angebot der Kindergärten hinaus fehle zudem vielerorts ein alternatives Betreuungsangebot für Kinder, beispielsweise durch Tagesmütter. Manchmal seien solche Angebote auch nur nicht bekannt. „Die Arbeitsagentur weist darauf hin, manchmal sind es dann aber auch die arbeitssuchenden Mütter selbst, die ihre Kinder nicht in die Obhut anderer Personen geben wollen“, ergänzt Günther Trum.
Überhaupt, so der Leiter der Arbeitsagentur Haßfurt, werde von Frauen, die Teilzeitstellen suchen, viel Flexibilität verlangt. Die Arbeitsagentur sei hier bereit, bei Frauen in der Berufspause Fachwissen aufzufrischen oder auch Umschulungen zu unterstützen. „Dennoch müssen die Frauen ihren Wiedereinstieg in den Beruf rechtzeitig planen und sich frühzeitig auch um die Kinderbetreuung kümmern.“ Auch sollte sie während der Elternzeit Kontakt mit dem Betrieb halten, um den Zeitpunkt der Rückkehr abzustimmen, rät Trum.
Auf der anderen Seite appelliert die Arbeitsagentur an die Arbeitgeber, mehr Fachkräftestellen in Teilzeit anzubieten und hierfür nötigenfalls Arbeitsabläufe anzupassen – speziell auch für Frauen. Denkbar sei es auch, dass Unternehmen selbst eine Betreuung für Kinder ihrer Beschäftigten anbieten. Hier sei die Zusammenarbeit mehrerer Betriebe denkbar. So könnten sich auch Arbeitgeber für den erwarteten Arbeitskräftemangel wappnen.
Informationen zum beruflichen Wiedereinstieg von Frauen und zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf gibt es auch im Internet unter www.perspektive-wiedereinstieg.de, www.arbeitsagentur.de und (für Arbeitgeber) www.familienorientierte-personalpolitik.de
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