publiziert: 03.12.2007 15:58 Uhr
aktualisiert: 03.12.2007 19:42 Uhr
» zur Übersicht Main-Rhön
    
    
Artikel
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text ARNSHAUSEN
Preiswürdig: Schwerbehinderter machte seinen Weg ohne zu laufen

Oliver Dacho leidet an Muskelschwund – Trotzdem ist er glücklich geworden

Oliver Dacho hätte nach seinem Abitur am liebsten Meeresbiologie studiert. Schon als Kind war er gern am Meer, vor allem im Süden, wo es schön warm ist. Doch was für gesunde Menschen eine Selbstverständlichkeit ist, stellt in seiner Welt beinahe unüberwindbare Barrieren dar. Der 35-Jährige leidet an spinaler Muskelathrophie und braucht immer die Hilfe anderer.

  • Winfried Sauer „Die Arbeit macht Spaß.“ Seit zwölf Jahren erledigt der schwer behinderte Oliver Dacho mit Hilfe spezieller Technik Büroarbeiten in der Firma Schlembach in Arnshausen.
    FOTO Susanne Wahler-Göbel
Bild von

Fest fixiert sitzt der Mann aus Arnshausen in seinem Rollstuhl, die Hände übereinander gelegt, den Kopf an eine Stütze gelehnt. Trotzdem strahlen seine Augen. „Ich bin ein froher Mensch“, sagt Dacho. Seinen Weg im Leben ist gegangen, obwohl er nie gelernt hat, mit eigenen Beinen zu laufen.

„Oliver kam schon als Kind einfach nicht auf seine Füße“, erinnert sich Mutter Hildegard. Eine entnommene Gewebeprobe im Alter von 14 Monaten brachte Klarheit: Das Kind hat eine besonders aggressive Muskelerkrankung und wird niemals ein eigenständiges Leben führen können.

Es folgte eine spezielle Förderung in einer Tagesstätte der Lebenshilfe. Nach dieser wurde der achtjährige Junge in die zweite Klasse der Grundschule in Garitz eingeschult.

Dass sie bei allen Verantwortlichen auf offene Ohren und große Unterstützung gestoßen sind, dafür sind Dacho und seine Eltern heute noch dankbar. „Die zweite Klasse wurde sogar wegen des Rollstuhls ins Erdgeschoss verlagert, weil es noch keinen Aufzug gab.“ Ein Ausgestoßener sei er nie gewesen, sagt der Schwerkranke und schmunzelt. „Im Gegenteil, die Mädchen haben mich immer gern an und aus gezogen.“

Abiturprüfung diktiert

Nach der Grundschule wechselte Dacho ans Gymnasium in Bad Kissingen, doch nach der zehnten Klasse versagte auch die Muskulatur seiner Hände. Fortan war er auf Kopien seiner Mitschüler angewiesen. Seine Abiturprüfungen diktierte er einem Lehrer, der für ihn schrieb. „Dafür gab es eine spezielle Genehmigung vom Ministerium.“

Heute arbeitet Dacho im Putz- und Malerbetrieb der Firma Schlembach in Arnshausen, deren Leiter Thomas Schlembach nun mit dem Ehrenpreis „JobErfolg – Menschen mit Behinderung am Arbeitsplatz“ der Bayerischen Staatsregierung ausgezeichnet wurde.

Seit mittlerweile zwölf Jahren erledigt Dacho zwei bis drei Mal pro Woche Büroarbeiten am PC mittels einer lasergesteuerten Tastatur. Der Laserpointer ist mit einem Stirnband an seinem Kopf befestigt. „Die Arbeit macht Spaß und Computer waren schon immer meins.“

Dacho meistert seinen Alltag und lässt sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen. Die gibt es immer wieder. Und sie ziehen sich manchmal zäh hin. „Seit einem Jahr warte ich darauf, dass mir die Krankenkasse einen Deckenlifter genehmigt“, erzählt der 35-Jährige. Diese Vorrichtung, eine Art Hängesessel, der mit einer Schiene an der Decke bewegt werden kann, kostet um die 3000 Euro. „Wenn wir Glück haben, kriege ich heuer noch einen.“

Früher konnten seine Eltern ihn ins geliebte Meer tragen, heute schaffen die beiden 70-Jährigen es kaum noch bis in die Badewanne. Gerne würde Dacho ab und zu in die KissSalis Therme, denn warmes Wasser tut ihm sehr gut. Aber auch da fehlt es am entsprechenden Lifter. Außerdem seien die Kabinen zu klein für ihn und seinen Rollstuhl, sagen die Eltern. „Und wir müssen ja auch mit hinein, weil er sich nicht ausziehen kann.“

Dacho weiß, dass seine Krankheit fortschreitet. Irgendwann, vermutet er, werde er auch sein Beatmungsgerät rund um die Uhr benötigen, und nicht mehr nur in der Nacht wie bislang.

Der Traum von einer USA-Reise

Doch er hat Menschen um sich, die es gut mit ihm meinen und denen er sich bedingungslos anvertrauen kann. Seine Familie gehört dazu, Kumpels und besonders sein 13-jähriger Neffe. Vielleicht gelingt es Dacho sogar, mit Hilfe von Freunden noch die schönste Abwechslung zu erleben, die ihm in Gedanken vorschwebt. Die Mühen, die damit verbunden wären, würde er gerne in Kauf nehmen. „Einmal mit einem Wohnmobil quer durch die USA, das wär's“, sagt der 35-Jährige.

Im Blickpunkt

Spinale Muskelathrophie Diese Erbkrankheit ist eine Erkrankung der Nervenzellen, die für die Bewegungen der Muskulatur, wie Krabbeln, Laufen, Kopf- und Halskontrolle und Schlucken, zuständig sind. Ungefähr eines von 6000 Neugeborenen ist betroffen und ungefähr eine von 40 Personen ist Überträger der Erkrankung. Die Krankheit beeinträchtigt alle Muskeln des Körpers. Es kann auch die Kau- und Schluckmuskulatur betroffen sein. Die intellektuellen Fähigkeiten sind nicht betroffen.

Von unserer Mitarbeiterin Susanne Wahler-Göbel
    
    

Diesen Artikel

  • Webnews einstellen
  • Teilen
Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Party

 
    

News

 
    

Sport

    
    

Termine Heute

 
    

Morgen

 
    

Suche

    
Anzeige
    

s.Oliver Baskets TV

    
    

KLASSE! 

KLASSE!
Das Medienprojekt für Schulen - alle Informationen. »mehr
    
    

Gas

 
    

DSL

 
    

Strom

Gas
Tarifrechner
Kostenloser Gas-Tarifrechner mit allen aktuellen Anbietern und Tarifen.
Ihre PLZ
Verbrauch
    
    

Börsendaten

    
    

Anzeigen 

Traueranzeigen
Täglich aktuell auf mainpost.de: Traueranzeigen aus der Region.  »mehr
    
    

Pfiffikus - Zeitung für Kinder 

Die Zeitung für Kinder jetzt auch täglich im Internet auf mainpost.de lesen. »mehr
    
    

111 Dinge 

...die Sie in Mainfranken tun müssen:
Mit unserer großen Serie lernen Sie die Region neu kennen. »mehr
    
    

Recht auf Auskunft 

Kommunalpolitik
Bürger haben ein Recht auf politische Teilhabe und Journalisten ein Recht auf Auskunft. Das mussten auch einige Bürgermeister erst lernen. »mehr
    
    

Main-Post intern