aktualisiert: 09.02.2012 15:48 Uhr
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HOFHEIM
Schau, was ich schon kann!
Portfolio-Mappen dokumentieren Lernfortschritte im Kindergarten
Elias' ganzer Stolz ist orange-rot und schon zu einem Drittel gefüllt. Was von außen nach einem unscheinbaren Ordner aussieht, ist die persönliche Entwicklungsgeschichte des Jungen. Zeichnungen, Fotos und Worte halten das fest, was der Fünfjährige bis jetzt gelernt hat und was ihm besonders wichtig ist. Der Name des Ordners, „Portfolio-Mappe“, ist zwar nicht ganz einfach, aber Elias geht er leicht über die Lippen, so oft hat er ihn schon gebraucht. Sein ganz persönlicher Ordner begleitet ihn durch die Kindergartenzeit bis zu seiner Einschulung.
Ein halbes Jahr schon gibt es die Portfolio-Mappe für alle Hofheimer Kindergartenkinder. Ziel dieser pädagogischen Maßnahme ist, dass die Kinder sich ihrer eigenen Lerngeschichte bewusst werden. Sie sollen erkennen, dass sie schon viel können. Im Grunde ist die Portfolio-Mappe also ein Mittel der Wertschätzung des Kindes und seiner Fähigkeiten. Und für Carola Caupert-Müller, Leiterin der Kita St. Joseph, ein wichtiger Baustein ihrer Arbeit.
Elias schlägt seinen Ordner auf und blättert ihn durch. Einzelne Register trennen die Entwicklungsbereiche, die dokumentiert werden. Persönlichkeitsentwicklung, Sprache, Mathematik, Bewegung und Gesundheit, Musik und Kunst, Kirche und das Entdecken der Welt. Bei manchen Blättern verweilt Elias. Da ist sein Lieblingsbuch mit einem Weihnachtsmann-Bild, da ist ein Foto vom Kindergarten, und da ist ein Bild mit einer Blumenwiese und einem Kompost. Das hat er selbst gemalt.
Wichtig ist, dass die Kinder selbst an der Portfolio-Mappe mitarbeiten, sagt Caupert-Müller. Der Ordner gehöre ihnen. Am Ende dürfen sie ihn behalten. Und wer mag, kann ihn zwischendurch auch einmal mit nach Hause nehmen und gemeinsam mit den Eltern anschauen. Wichtige Entwicklungsschritte werden so nicht vergessen: Wann konnte das Kind zum ersten Mal einen Knopf alleine zumachen, wann zum ersten Mal alleine auf die Toilette gehen? Die Portfolio-Mappe dient also auch als Erinnerungsalbum.
Und erfüllt gleichzeitig auch eine pädagogische Richtlinie. Der bayerische Bildungs- und Erziehungsplan sieht vor, dass die Werke der Kinder gesammelt werden, um ihre Fortschritte zu dokumentieren. Bloß wie? „Bisher“, so Caupert-Müller, „hatte man es mit losen Blattsammlungen versucht“. Doch die Suche nach einer geeigneteren Methode ging weiter. Bis man die Portfolio-Methode entdeckte.
Jetzt gibt es einmal im Jahr sogar ein Portfolio-Gespräch. Das erklärt Kinderpflegerin Claudia Mildner. In diesem Einzelgespräch darf das Kind sagen, was ihm an der Portfolio-Mappe wichtig ist, was noch mit hinein geheftet werden soll und was es vielleicht herausnehmen möchte. Der Ordner, ergänzt Caupert-Müller, werde auch beim jährlichen Entwicklungsgespräch mit den Eltern gezeigt. Gemeinsam schaue man, wie die persönlichen Ziele des Kindes gemeinsam mit den Eltern erreicht werden können.
„Bist Du stolz auf deine Mappe?“, fragt Caupert-Müller den fünfjährigen Elias. Der grinst, gibt ein zustimmendes „Hmmmm“ von sich und sagt: „Das war eine ganz gute Idee.“
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