aktualisiert: 16.04.2009 09:18 Uhr
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Emotionale Blockade
Studie über den Nationalpark Steigerwald zeigt, wie wichtig ein starker Rückhalt ist
Eine in dieser Woche veröffentlichte Studie von Professor Hubert Job über den Nationalpark Bayerischer Wald hat für Aufmerksamkeit in den Kreisen gesorgt, die sich für oder gegen einen Nationalpark Steigerwald engagieren. Job sieht viele positive Aspekte, aber auch negative Auswirkungen, wenn die Bevölkerung vor Ort nicht eindeutig hinter einem Nationalpark steht. Und davon kann im Steigerwald wahrlich keine Rede sein. Neben einer durchaus sachlich geführten öffentlichen Diskussion gibt es einen sehr heftigen anonymen Widerstand.
Auf dem kleinen Waldweg oberhalb von Fabrikschleichach, der vom Parkplatz zur Kapelle führt, hat ein Unbekannter mit weißer Farbe ein Galgenmännchen an eine Buche geschmiert und den Namen des Mannes darunter geschrieben, der wie kein anderer für den Nationalpark Steigerwald kämpft: Georg Sperber, ehemaliger Leiter des Forstamtes Ebrach. Ein paar Meter weiter steht: „den solln die Würmer fressen“.
Es ist nicht die erste Schmiererei dieser Art. Ulrich Mergner, Leiter der Bayerischen Staatsforsten in Ebrach, hat ähnliches schon mehrfach entfernt, hatte auch ein Plakat aufgehängt mit dem Hinweis, dass der Wald Augen und Ohren habe und eine Anzeige drohe. Nachdem eine Weile Ruhe war, ist das Plakat nun weg, die Beleidigungen wieder da. Ähnliches stand auch schon am Zabelstein und selbst auf die Straße vor dem Haus von Georg Sperber in Neudorf hatten Unbekannte Drohungen geschmiert.
Widerstand mit Folgen
Auch wenn das die Aktionen eines einzelnen oder einiger weniger sein mögen, der Widerstand im Kerngebiet des geplanten Nationalparks – vor allem in den Dörfern von Rauhenebrach – ist nach wie vor ungebrochen und wird auf Plakaten und bei Versammlungen deutlich artikuliert. Und genau das hält Hubert Job, Professor für Geografie und Regionalforschung an der Universität Würzburg, für problematisch im Hinblick auf die ökonomische Entwicklung in einem Nationalpark Steigerwald.
Job untersucht im Auftrag des Bundesumweltministeriums seit 2004 deutsche Nationalparks. Den im Bayerischen Wald mit seinen 760 000 Besuchern im Jahr 2007 nennt er in der Studie die größte Attraktion der Region mit bedeutenden regionalökonomischen Effekten. Jeder Euro, den der Staat in den Nationalpark investiere, werde durch die privaten Ausgaben der Besucher mehr als verdoppelt, heißt es in der Pressemitteilung zur Studie. Allerdings sieht der Uniprofessor eine große Diskrepanz zwischen dem alten und dem neuen Nationalparkgebiet. Im Landkreis Freyung-Grafenau habe der Park großen Rückhalt in der Bevölkerung im Gegensatz zum Erweiterungsgebiet im Norden, mit spürbaren Auswirkungen.
„Solange es eine emotionale Blockade gegen einen Nationalpark gibt, wird es sehr schwierig“, sagte Hubert Job auf Anfrage dieser Zeitung wörtlich. Eine solche Idee müsse von denen getragen werden, die da leben
.Abgesehen davon sieht er auch ohne genaue Untersuchungen mehrere Aspekte, die für einen Nationalpark Steigerwald sprechen: die sehr gute verkehrliche Anbindung und die Nähe zu den bekannten Städten Würzburg und Bamberg; die Tatsache, dass der in Frage kommende Wald im Besitz des Staates sei, der mit seinem Land machen könne, was er wolle und schließlich als Drittes der unumstritten sehr hohe naturschutzfachliche Wert des Steigerwaldes mit seinem Buchenbestand. Mit einer eindeutigen Bewertung freilich ist Hubert zurückhaltend. Allein der Stempel Nationalpark genüge nicht, um eine wirtschaftliche Entwicklung voran zu bringen.
Bestätigung des Engagements
Die Befürworter des Nationalparks wie Landrat Günther Denzler (Bamberg) und Georg Sperber sehen ihr Engagement durch die Studie eindeutig unterstützt. „Eine Bestätigung dessen, was wir seit vielen Jahren wissen“, sagte Sperber auf Anfrage. Oskar Ebert, Bürgermeister von Rauhenebrach und zweiter Vorsitzender des Gegner-Vereins „Unser Steigerwald“ wollte sich zu der Studie noch nicht endgültig äußern, bevor er sie ganz gelesen habe. Er sieht aber vor allem die Entwicklung bei den Übernachtungszahlen, die im Landkreis Freyung-Grafenau zwischen 1994 und 2005 dramatisch gesunken seien, von gut drei auf 1,6 Millionen. Demgegenüber habe es im Steigerwald-Tourismus einen Aufschwung gegeben, 4,5 Prozent mehr Übernachtungen im vergangenen Jahr.
Ebert sprach sich einmal mehr für eine sachliche Diskussion aus. „Wir sind konsensfähig, wenn es darum geht, mehr Flächen aus der Nutzung herauszunehmen“. Er forderte aber auch, die Angst der Bevölkerung in der Kernregion ernst zu nehmen. „Wir haben ein Recht darauf, mit einbezogen zu werden“. Das sagte der Bürgermeister auch im Hinblick auf den angekündigten Besuch von Umweltminister Sigmar Gabriel, der auf Einladung des Ebracher Bürgermeisters Max-Dieter Schneider auf seiner Sommerreise im August auch den Steigerwald besuchen will. Schneider gehört bekanntlich zu den Befürwortern des Nationalparks.
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