publiziert: 03.02.2012 15:03 Uhr
aktualisiert: 08.02.2012 10:15 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text MAROLDSWEISACH
Susanne Kastner: Trotz Brustkrebs Lachen nicht verlernt

Politikerin hat Krankheit gut bewältigt

Die Bundestagsabgeordnete (SPD) aus Maroldsweisach hatte Krebs – und sie hatte Glück, in mehrerer Hinsicht. Ein Gespräch über Vorsorgeuntersuchungen, das Christsein und notwendige Veränderungen im Leben.

  • Spannende Entspannung: Nach überstandener Brustkrebs-Operation gönnt sich Susanne Kastner mehr Erholungsphasen als früher. Doch der Bundeshauptstadt fühlt sich die SPD-Abgeordnete auch bei der Lektüre im heimischen Maroldsweisach verbunden: Sie liebt die Berlin-Krimis von Volker Kutscher.
    Foto: Beate Dahinten
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Das Lachen hat Susanne Kastner (65) nicht verlernt. Der erste Eindruck am Telefon bestätigt sich später auch im persönlichen Gespräch bei ihr zuhause in Maroldsweisach (Landkreis Haßberge). Auch wenn noch nicht alles in Ordnung ist – unter anderem hat sie sich bei der Operation eine Entzündung an der rechten Hand zugezogen – und sie wie manch anderen derzeit ein Husten plagt: Den Brustkrebs, den Eingriff und die Behandlung, hat sie gut bewältigt. Ihre positive Lebenseinstellung und ihr Glaube haben ihr dabei geholfen. Sie zeigt sich dankbar, vor allem auch dafür, dass die Krankheit erkannt wurde.

„Ich war eigentlich nicht so erschrocken“, erinnert sich Susanne Kastner an ihre Reaktion auf die Diagnose im Oktober 2011, „ich hätte es ahnen können.“ Fünf Jahre lang war sie nicht zur Vorsorgeuntersuchung gegangen. Ein Versäumnis, das sie nicht zur Nachahmung empfiehlt. Vielmehr rät sie allen Frauen, die Vorsorgeuntersuchung machen zu lassen und zur Mammographie zu gehen. „Es ist unangenehm, aber trotzdem notwendig.“ Letzteres kann Susanne Kastner inzwischen bestätigen.

Diagnose gerade noch rechtzeitig

In ihrem Fall kam die Diagnose grade noch rechtzeitig: „Der Tumor war noch unter zwei Zentimetern.“ Die Ärzte im Berliner Urban-Krankenhaus wollten gleich operieren. Das wiederum ging Susanne Kastner zu schnell. Sie wollte eine zweite Meinung einholen und ließ sich in Tübingen noch einmal untersuchen. Dort wurde ein zweiter Tumor entdeckt. Und damit war klar: Es war nicht möglich, brusterhaltend zu operieren. Eine Amputation ließ sich nicht vermeiden. Der Eingriff wurde Ende November vorgenommen.

Ihre positive Lebenseinstellung habe sie zu keinem Zeitpunkt verloren, berichtet die SPD-Bundestagsabgeordnete. „Während des Krankenhausaufenthaltes war ich nicht einmal depressiv.“ Den Stier bei den Hörnern packen und schauen, was man draus machen kann, so beschreibt sie ihre Haltung. Hinzu kam das, was sie ihr „drittes Glück“ nennt: „Es wurden keine Metastasen festgestellt und es war nicht der aggressive Krebs, ich brauchte keine Chemo.“ Nur Bestrahlungen wurden notwendig, weil Lymphknoten befallen waren, und sie muss fünf Jahre lang Hormontabletten nehmen. Sie könne nun ohne Krebs leben für 20 bis 25 Jahre, habe ihr der Arzt gesagt.

Schmerzen habe sie jetzt mehr als vorher. Aber: „Schmerzen aushalten kann ich gut – wenn man weiß, es geht wieder vorbei.“ Dass sie sich kaum bemerkbar macht, gehört zu Tücke dieser Krankheit. „Krebs ist richtig gemein“, bringt es Susanne Kastner auf den Punkt. Natürlich hat sie sich die Frage nach Ursachen gestellt und überlegt: Was war nicht richtig? Aber: „Ich bin auf nichts gekommen. In der Familie gibt es keinen Krebs, ich habe gestillt . . .“ Eine Ärztin habe ihr gesagt, es gebe keine Erklärung. Kastner merkt an, dass die Umwelteinflüsse gravierend seien und verweist darauf, dass sie Tschernobyl erlebt hat. In diesem Zusammenhang betrachtet sie mögliche Folgen der Reaktorkatastrophe in Fukushima mit Sorge. Auch wenn das hierzulande aus der Ferne erlebt worden sei: „Wir werden uns noch wundern, was da noch passieren kann.“

Jedenfalls: Es sei in Ordnung, sich als Patientin Gedanken über Auslöser der Krankheit zu machen, aber spekulieren habe keinen Sinn, denn da reibe man sich nur auf. Schließlich sei es „unglaublich wichtig, dass man positiv denkt“, auch für den Heilungsprozess. „Die Seele und das Denken haben Auswirkungen auf die Krankheit“, weiß Kastner. Oder mit den Worten der Ärzte ausgedrückt: „Es ist wichtig, was im Kopf vorgeht.“ Das hat sie in ihrer positiven Haltung bestärkt. „Ich beschäftige mich nicht mehr mit der Krankheit. Mit der Therapie ja, und ich gehe sorgsam mit meinem Körper um, aber nicht berechnend.“ Und weil es ihr auch selber wichtig war, „wieder in den Alltag zu kommen“, hat Susanne Kastner gleich wieder gearbeitet. „Der Doktor hat gesagt, ich soll mein Leben so leben wie vorher“, erzählt sie – und fügt schmunzelt an: „Mein ältester Sohn meinte dazu: ,Oh Mama, der Doktor weiß nicht, wie dein Leben vorher war.'“

Abgesehen von alldem war ihr 65. Geburtstag Mitte Dezember allein ein Grund, schnell wieder auf die Beine zu kommen. Auch wenn die Feier diesmal kleiner ausfiel. Und sie merkte „jetzt noch mehr als früher“, dass sie Erholungsphasen einschieben muss. „Freitagabend von Berlin heimkommen und dann noch Vereinstermine wahrnehmen, das geht eben nicht.“ Per E-Mail informierte sie die Genossen, dass sie noch Zeit brauche. Die zeigten Verständnis. „Die Reaktionen waren nur positiv.“

„Man wird dankbarer“

Dass sie nach über 20 Jahren im Bundestag, davon sieben Jahre als Vizepräsidentin, bei der Wahl 2013 nicht mehr kandidiert, habe allerdings nichts mit der Krankheit zu tun. Die Entscheidung sei schon vorher gefallen: Susanne Kastner geht mit dann 67 Jahren in Rente. Noch nicht entschieden ist in der SPD die Kandidatennachfolge in ihrem Wahlkreis (Landkreise Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld, Haßberge), betont sie. Dass sie sich dabei einbringt, ist für die Mandatsträgerin klar: „Natürlich mische ich da mit. Ich habe alle Kontakte der Welt.“ Schließlich gehe es darum, sich innerhalb der Partei wegen der Erfolgsaussichten der möglichen Kandidaten für die Landesliste abzusprechen.

Aber wie gesagt: Vorerst muss Kastner noch etwas kürzer treten. Dass sie die Krankheit und die Behandlung so gut bewältigt hat, schreibt sie nicht zuletzt ihrem Glauben zu. „Ich habe mich aus meinem Christsein heraus gestärkt gefühlt. Es trägt einen in schweren Situationen wie diesen noch mehr als vorher.“ Und auch wenn sie schon vorher eine positive Einstellung hatte, gab es doch eine Veränderung durch die Erfahrungen der vergangenen Wochen: „Man wird ein Stück weit dankbarer und bewusster, was das Leben auch Schönes bringt.“ Und es ist ihr wichtig geworden, zu unterscheiden: „Dinge, die einem wichtig sind, und die nicht so wichtig sind.“

Von unserer Mitarbeiterin Beate Dahinten
    
    

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