publiziert: 06.02.2012 12:56 Uhr
aktualisiert: 06.02.2012 12:59 Uhr
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Verlernt die Jugend das Schöppeln?

Heimische Winzer machen sich Sorgen – Alco-Pops und Mix-Drinks auf dem Vormarsch
  • Jungwinzer und Jungwirt: Thomas Kirchner aus Unfinden.
    Foto: Manfred Wagner
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Neben hochkarätigen Fachvorträgen ging es bei der gut besuchten Gebietsversammlung der „Landesanstalt Wein- und Gartenbau Veitshöchheim“ (LWG) in Ziegelanger um aktuelle Fragen rund um den Bocksbeutel. So wurden etwa die Einzelheiten zum Frostschadensprogramm der Bayerischen Staatsregierung und die Marktchancen des Frankenweins in Deutschland und der EU erläutert.

Das staatliche Hilfsprogramm, betonten die Experten, konzentriere sich auf die Betriebe, die durch die „Frost-Nacht des Grauens“ am 4. Mai 2011 stark geschädigt wurden. Detaillierte Informationen zu den Möglichkeiten, einen Zuschuss oder ein zinsverbilligtes Investitionsdarlehen zu erhalten, sind bei der LWG erhältlich. Im hiesigen Abt-Degen-Weintal hat der Kälteschock zwar für einen Mordsschrecken gesorgt, die Schäden hielten sich aber in engen Grenzen. Ein Bilderbuchherbst mit viel Sonnenschein sorgte bei normalen Mengen für eine weit überdurchschnittliche Qualität. Deshalb werde es von den hiesigen Weinbaubetrieben kaum Förderanträge geben, erklärte Rudi Ruß als zweiter Vorsitzender des Weinbauvereins Haßberge.

Aktuelle Entwicklungen und Trends bestimmten die Rubrik Weinbaupolitik und Markterschließung. Mit Blick auf die Jugend verdüsterte sich das Gesicht von Hermann Kolesch, dem Abteilungsleiter. Bei einem großen Teil der jüngeren Generation haben Cocktails wie Caipirinha, Pina Colada oder Tequila-Sunrise dem edlen Rebensaft längst den Rang abgelaufen.

Winzer halten diese Bedenken für durchaus gerechtfertigt. Zwar sind die großen Weinfeste wie in Sand oder Zeil nach wie vor der Renner und ziehen Tausende von Gästen ins Land. Aber wie sieht es mit der alltäglichen, urfränkischen Gemütlichkeit aus? Kann die Jugend im digitalen Zeitalter von Tablets, Facebook und iPhone wirklich noch etwas anfangen mit dem sozial geprägten, traditionellen Lebensgefühl des „Wein, Weib und Gesang“?

Einer, der ständig das Ohr am Kunden hat, ist Thomas Kirchner aus Unfinden. Zusammen mit seinem Vater bewirtschaftet der 31-Jährige 2,5 Hektar Weinbaufläche und schenkt den selber erzeugten Rebensaft in der familieneigenen Traditionsgaststätte „Schwarzer Adler“ in Unfinden aus. In dem kleinen Dorf, sagt der ledige Jungwinzer, gehe es halt doch persönlicher zu als in anonymen Großstadtstrukturen. Trotz teilweise verlagerter Interessen weiß die Jugend zu schätzen, dass es noch ein echtes Wirtshaus gibt.

Wie früher trifft man sich hier und lernt mit der Zeit die Vorzüge von Silvaner, Bacchus, Domina & Co. kennen. „Aber echte Weinliebhaber findet man eigentlich erst in der Generation 30plus“, erzählt der Unfindener.

Abschließend verteilte Ruß die noch druckfrischen ersten Prospekte des „Abt-Degen-Radweges“. Über gut 70 Kilometer führt der Weg, der im Laufe dieses Jahres speziell ausgeschildert wird, durch die drei prägenden Landschaften Maintal, Haßberge und Steigerwald. Wer ihn ganz oder teilweise abfährt, verbindet Naturerlebnisse etwa in den Mainauen mit kulturellen Rastpunkten wie der Wallfahrtskirche Maria Limbach oder dem Barockschloss von Oberschwappach. Das Streckenprofil kann man als familienfreundlich bezeichnen, nur beim Königsberger Schlossberg geht‘s ein längeres Stück bergauf.

Von unserem Mitarbeiter Manfred Wagner
    
    

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