publiziert: 09.07.2012 16:47 Uhr
aktualisiert: 11.07.2012 12:01 Uhr
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80 Millionen Euro halten Fehrer auf Kurs

Beschäftigte, Banken, Gesellschafter und Kunden stützen Restrukturierung der Gruppe

Der Automobilzulieferer Fehrer ist auf Wachstumskurs. Der Umsatz zeigt nach oben, die Auftragsbücher sind „prall gefüllt“, wie Bernd Welzel, Sprecher der Geschäftsführung der Fehrer-Gruppe betont. Allerdings hat die weltweite Expansion an den finanziellen Kräften gezehrt. Konsequenz ist nun ein Restrukturierungsprogramm – rund 80 Millionen Euro investiert Fehrer dafür bis 2014. Das Geld kommt von Banken, Gesellschaftern und Kunden – und die Mitarbeiter sind mit zehn Millionen Euro dabei.

Mit Blick auf Auftragslage und Umsatzzahlen könnte Fehrer-Sprecher Welzel bei der Pressekonferenz im Kitzinger Stammhaus eigentlich jubeln. Seit dem Krisenjahr 2009, als das international tätige Unternehmen auf einen Umsatz von 285 Millionen Euro absackte, ging's ständig nach oben. Für dieses Jahr rechnet er mit 460 Millionen Euro, in den künftigen Jahren mit einer jeweiligen Steigerung von fünf Prozent.

Die Kehrseite: Um den wachsenden internationalen Markt zu bedienen, wuchs die Gruppe in den Wachstumsländern Indien, China und USA. Neue Produktionsorte entstanden dort – mit teuren Anlaufprozessen. Die Werkskäufe, aber auch die Produktentwicklung belasteten die Finanzen „massiv“, wie Welzel betont. Ergebnis 2011: Gewinn bei Null und die Erkenntnis, dass nur ein Umbauprozess die Unabhängigkeit von Fehrer sichern konnte.

Weil für den „riesigen Maßnahmenkatalog“ das Geld fehlte, begannen laut Welzel im Februar die Gespräche über die 80 Millionen Euro teure „Neuausrichtung“. Den dicksten Brocken sollten die Banken einbringen: „Die liquiden Mittel waren zu Ende“, betonte Tom Graf, der als Restrukturierungsmanager das Programm umsetzen soll. Mit frischem Geld, das vor allem von den Banken kommt – und bis 2014 gesichert ist.

Opfer müssen auch die Mitarbeiter in den europäischen Standorten bringen. Bis zu 10 Millionen Euro erwarte sich Fehrer von einem Sanierungstarifvertrag. Der betrifft rund 1850 Beschäftigte in Deutschland und 1100 in Tschechien. Die müssen Einbußen – unter anderem durch Kürzungen beim Weihnachtsgeld, Verschiebung des Urlaubsgeld und von Lohnsteigerungen – bis 2013 hinnehmen.

Trotz bleibender Zukunftsängste hätten 90 Prozent der Kollegen dem teilweisen „Griff ins Portemonnaie“ zugestimmt“ (Welzel), sagte Betriebsratsvorsitzender Holger Lenz. Zwei Dinge hätten sie zur Zustimmung motiviert: Einmal die „weitgehende“ Beschäftigungsgarantie bis 2014 und die tarifvertragliche Zusage, die Mitarbeiter am Geschäftsergebnis finanziell zu beteiligen – ab 2014.

Weil die Geldspritze von den Banken und der Lohnverzicht bei den Beschäftigten den laut Graf „komplett neuen Unternehmensplan bis 2014“ alleine nicht die Investitionspläne decken konnten, spielten auch Kunden – unter anderem durch langfristige Aufträge – und die Gesellschafter mit: letztere mit einem „zweistelligen Millionenbetrag.“

Nachdem jetzt die Finanzierung bis 2014 gesichert sei, ist für Sprecher Welzel eines klar: „Fehrer ist weiterhin ein sicherer Arbeitsplatz.“ Und damit er das bleibt, würden nun alle Abläufe in Produktion, Vertrieb und Verwaltung optimiert – was laut Graf im Einzelfall auch einige wenige Stellenstreichungen in Leipzig und Kitzingen (1058 Mitarbeiter inklusive Standort Wiesentheid) nach sich ziehen könnte.

Das Restrukturierungsprogramm, das bei Fehrer unter dem Motto „Fehrer fit for future“ (4F) läuft, geht jetzt an den Start. Es soll die „Schlagkraft“ der Fehrer-Gruppe steigern und vor allem die laut Welzel in der Vergangenheit nicht optimale „schnelle Reaktion auf Marktveränderungen“ sichern. Und dafür, so appelliert der Sprecher an alle Fehrer-Leute „muss jetzt jeder was bringen“.

Fehrer Automotive GmbH

Gründung: Das Familienunternehmen mit Stammsitz in Kitzingen wurde 1875 gegründet.

 

Standorte: Der Automobilzulieferer ist in Deutschland, Tschechien, Ungarn, Südafrika, Indien und China an insgesamt 25 Standorten vertreten.

 

Mitarbeiter: Weltweit beschäftigt Fehrer rund 3800 Mitarbeiter. An den neun deutschen Standorten – darunter Kitzingen, Wiesentheid und Großlangheim – arbeiten rund 1850 Leute.

 

Umsatz: 425 Millionen Euro im Jahr 1911. In diesem Jahr peilt Fehrer 460 Millionen an.

 

Produkte: Sitzpolster, Sitzmodule und Composite Components (Auto-Strukturbauteile in Hartschaumtechnik).

Von unserem Redaktionsmitgliedern Harald Meyer und Norbert Hohler
    
    

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