publiziert: 29.07.2007 11:59 Uhr
aktualisiert: 31.07.2007 09:54 Uhr
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Blickwinkel: 34 Künstler malen Kitzingen – viel Stoff zum Nachdenken Bilderserie!

Die Ausstellung Blickwinkel

Hingehen, anschauen, sich freuen: Das kann man guten Gewissens jedem empfehlen. Denn die neueste Ausstellung des Kitzinger Kulturvereins PAM – „Blickwinkel“ – bietet ausgezeichnete Malerei und hat in den Mittelpunkt die Große Kreisstadt gestellt. Aber sie bietet natürlich noch viel mehr.

  • Blickwinkel
    Robert Haaß
Bild von

34 renommierte Künstler aus Deutschland, Österreich, Lettland und den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden von PAM nach Kitzingen eingeladen, um sich ein „Bild“ von der Stadt zu machen. Was dabei heraus kam überrascht, erfreut, berührt und gibt viel Stoff zum Nachdenken.

    
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Zum Beispiel Zeitgeist Etwa über die eigene Enge der Beobachtung. Da ist das Bild „Zeitgeist“ von Sigurd Kuschnerus. Ein Blick in eine Gasse vom der Unteren Marktstraße aus auf ein Schaufenster das mit dem Wort „Zeitgeist“ dekoriert ist. Öd ist die Gasse, menschenleer, alte Kartons stapeln sich, die Fassade des Hauses bröckelt. Und die Botschaft ist eindeutig: Hinter dem viel gerühmten Zeitgeist, dem jeder hinterherjagt, steckt eigentlich gar nichts. Er hinterlässt nur hässliche Spuren. Gambrinus und der Teufel Das Bild bietet aber noch viel mehr: etwa den Gambrinus an der Hauswand, der auf seinem Fass Narr und Teufel zuprostet. Oder die zwei Managertypen, vielleicht sind es auch Politiker, die mit der Weltkugel spielen, in den Fenstern im Obergeschoss.

Das Verblüffende an dem Bild ist aber: Die Grundkomposition ist real. Genau so stellt sich die Gasse in Kitzingen dar: öd, leer, vom Zeitgeist dominiert. Bloß gesehen hat es keiner. Der Blick wird geöffnet Und das ist auch die ganz große Stärke dieser Ausstellung: Sie öffnet uns den Blick auf diese Stadt. Sie zeigt Einblicke und Ausblicke, die immer wieder verblüffen. Verblüffen, weil sie neu sind, weil sie ungewohnt sind, weil sie auch nicht nur die Schönheit der Stadt aufzeigen, sondern auch die Probleme. Ganz aktuell der Blick von Frank D. Hoffmann in den Rosenberg. Ja, kenn ich, nix Neues, ist wohl die erste Reaktion vieler, die auf die einsame Gestalt schauen, die grell von der Leuchtreklame des „Roxy“ beleuchtet wird. Wer genau hinschaut sieht: Das gibt es so ja gar nicht. Das ist eine gelungene Kollage aus verschiedenen, nicht gerade schmeichelnden Ansichten Kitzinger Gassen mit dem Falterturm als Hintergrund.

Stimmig, neu und ungewohnt Und dann kommen natürlich wieder diese Fragen: Warum sieht jemand Kitzingen so, dass es auf den ersten Blick stimmig ist, dann aber wieder völlig neu und ungewohnt. Warum wirkt das Bild plötzlich so trist und kalt. Fragen, die vom Künstler natürlich nicht beantwortet werden. Seine Aufgabe ist es, die Fragen zu stellen, die Antworten müssen andere geben. Etwa der Betrachter selber. Und wenn der das nicht kann, dann sollte er die Fragen weiter reichen. An die verantwortlichen Politiker - die Gelegenheit dazu bietet sich im anlaufenden Kommunalwahlkampf ja ausreichend. Nicht nur für Kitzinger Übrigens: Die Ausstellung ist nicht nur für Kitzinger da. Die Bilder sind viel zu schön, um sie auf Kitzinger zu beschränken.

Und die Fragen, die gestellt werden, haben natürlich Allgemeingeltung. Auch in Marktbreit verödet die Innenstadt, auch aus Volkach kommen Klagen über leer stehende Geschäfte, und überall schlägt der Zeitgeist zu, zerstört gewachsene Strukturen und verändert gewohnte Ansichten. Reich bebilderter Katalog Zur Ausstellung gibt es begleitend einen reich bebilderten Katalog. In seinem ersten Teil wird ausführlich die historische Entwicklung des Kitzinger Stadtbilds bis heute dargestellt und an etlichen Beispielen auch Fehlentwicklungen gezeigt. Der zweite Teil widmet sich ganz den Künstlern und ihren Bildern. Der Katalog kostet 15 Euro. Die Ausstellung „Blickwinkel künstlerische Reflexionen eines Stadtbildes“ ist in der Rathaushalle noch bis zum 2. September täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

Robert Haaß
    
    

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