aktualisiert: 03.03.2011 15:57 Uhr
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KITZINGEN
Die jüdische Geschichte als Selbstverpflichtung
Förderverein ehrt Michael Schneeberger für dessen unermüdliche Arbeit
Das Programm, das Dagmar Voßkühler den Mitgliedern des Fördervereins Ehemalige Synagoge in Aussicht stellte, klang verlockend: eine zügige Hauptversammlung und anschließend zwei Überraschungen. Also blickte die Vorsitzende in der gebotenen Kürze auf das abgelaufene Jahr des 100 Mitglieder großen und 1992 gegründeten Vereins, dessen Zweck darin liegt, ...
... die Kultur und Geschichte des Judentums bekannt zu machen – sei es durch den Holocaust-Gedenktag, wissenschaftliche Vorträge oder Exkursionen zu den Stätten jüdischer Lebensart. Der Verein veranstaltete dies zuletzt in einer soliden finanziellen Situation, wie Vorstandsmitglied Uwe Zalder zusammenfasste.
Der Zustand der Kasse soll sich weiter verbessern: nicht nur durch den von 15 auf 20 Euro erhöhten Jahresbeitrag. Nach langer Arbeit ist ein von den Kitzinger Historikern Dr. Elmar Schwinger und Michael Schneeberger verfasstes Gedenkbuch entstanden, das der Verein am 2. Mai dieses Jahres, dem Holocaust-Gedenktag, vorstellen möchte – eine der Überraschungen, die Voßkühler den Mitgliedern versprochen hatte. Nicht zuletzt der Abschluss des Buchprojekts veranlasste den Verein – zweite Überraschung –, Schneeberger eine Ehrenurkunde auszustellen. Er hatte das Werk angeschoben und Jahre geforscht, um die Familiengeschichten der Kitzinger Juden nachzuerzählen. „Michael Schneeberger liegt uns sehr am Herzen. Er ist einer der Gründer des Vereins und trägt ihn heute noch immer mit“, sagte Voßkühler und würdigte damit Schneebergers jahrzehntelange Verdienste um die jüdische Geschichte.
Der Historiker Prof. Dr. Klaus Arnold skizzierte in einer Laudatio den Lebensweg des 61-Jährigen: von dessen Kindheit und Jugend in Kitzingen, Wanderjahren in Würzburg, München und Berlin, über den Beitritt zum Judentum und persönliche Schicksalsschlägen bis zu Schneebergers umfangreicher Forschung über die Vergangenheit der Juden in Kitzingen. „Ich bin gerührt, ich wusste von nichts“, sagte Schneeberger: „Mir ist noch nie eine Ehrung zuteil geworden.“ Der Antrieb für seine unermüdliche Arbeit, die in den achtziger Jahren nach einem Aufenthalt in Israel begonnen hatte, war ein anderer. „Ich sehe das als Selbstverpflichtung“, erläuterte Schneeberger: „Die nächsten Generationen müssen wissen, wie es geschehen konnte, dass Menschen zu Menschen zweiter Klasse wurden.“
Das knapp 500 Seiten starke Gedenkbuch wird in deutscher und englischer Sprache in einer Auflage von jeweils 500 Exemplaren erscheinen und 25 Euro kosten.
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