publiziert: 29.06.2012 17:21 Uhr
aktualisiert: 01.07.2012 12:06 Uhr
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Die zwei Seiten der Verkehrslawine

Umgehung Volkach-Gaibach: Runder Tisch aktiviert Befürworter und Kritiker
  • Archivfoto: Anna Sebelka
    Das ganz normale Chaos: In der Gaibacher Straße in Volkach, wo täglich rund 9000 Fahrzeuge durchrollen, wird's oft eng, laut und gefährlich. Und wer wie bei diesem Bild von 2009 im Stau steht, wird sich die Umgehung wünschen.
Bild von

Die mögliche Vorentscheidung über die Umgehung Volkach-Gaibach beim runden Tisch in München (4. Juli) hat Gegner und Befürworter des 18,4-Millionen-Euro-Projekts aktiviert. Beide luden am Freitag zu getrennten Pressegesprächen. Die einen, um auf Verkehrslasten in Volkach-Nord aufmerksam zu machen. Die Kritiker im Osten sprachen über die „denkbar schlechteste Lösung“ aus ökonomischer und ökologischer Sicht.

Die Gegner der Entlastungsstraße, die Bürgerinitiative Lebensqualität Volkach-Ost, lockten gut 30 Zuhörer zu ihrem Infotreff – darunter Stadt- und Kreisräte sowie Bürgermeister Peter Kornell. Den wirtschaftlichen Knackpunkt der Umgehung legte Sven Gempper offen. Sein Fazit: Wenn die Stadt die Sonderbaulast (Stadt ist Bauherr, Freistaat zahlt rund 80 Prozent) stemmt, wird's für das kräftig verschuldete Volkach eng.

Bei jetzigem Sachstand geht's um gut drei Millionen Euro für den Straßenbau. Und wenn die Stadt für die Kosten von Lärmschutz und möglicherweise nötige Kreisel an der Teilumgehung mitzahlen muss, rechnet Gempper mit zwischen 4,1 und 7,8 Millionen Euro aus der Stadtkasse – und einem riesigen Schuldenberg. Unverständlich für Gempper und seine Mitstreiter in der Bürgerinitiative: Stadt und – vielleicht – der Freistaat sollen von ihm errechnete Zusatzkosten für Lärmschutz und Kreisel an der Umgehung zahlen, um „200 Anlieger im Norden zu entlasten und 700 im Osten zu belasten.“

„Der Staat hat uns den Verkehr gebracht und lässt uns jetzt hängen“

Peter Haupt Volkacher Stadtrat

Vorschlag der BI: Ost-Umgehung kippen und Varianten anpacken. Favorit ist die „Null-Variante.“ Da bleibt die Gaibacher Straße erhalten, es gibt Lärmschutz, eine feste Tempo-Messanlage und ein Verkehrssystem, in dem alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind – was den motorisierten Verkehr runter bremst. Ersparnis laut Gempper: zwischen 1,5 und drei Millionen Euro.

Eher schwierig dürfte Variante zwei sein, die Westumgehung: Die würde zwar auch einiges einsparen an Geld, dürfte aber nach den Worten von Bürgermeister Peter Kornell wohl undurchsetzbar sein. Die Trasse liefe durch ein Wasserschutzgebiet und würde auch noch ein Naturschutzgebiet durchschneiden.

Problematisch ist die Frage des Naturschutzes auch bei der Volkacher Ostumgehung. Klaus Petter vom Bund Naturschutz (BN) sah diese als unnötigen „Flächenfraß“ und attackierte die Durchschneidung der Volkach-Aue als eklatanten Verstoß gegen den Naturschutz. Viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten seien durch das Projekt bedroht. Petter lehnte sowohl die Ost- als auch die Westtrasse ab – mit Zähneknirschen sei nur Gaibach zu verantworten.

Rechtlich auf wackligen Füßen ist für Wolfgang Baumann – Anwalt der BI – die gesamte Planung. Ein Knackpunkt sei der „Vertrauensschutz“. Viele Anwohner im Osten hätten sich beim Häuslebauen auf eine Stadtratsentscheidung von 1979 verlassen, nach der die Umgehungspläne gestrichen werden sollten. Alternativen zur Ostumgehung hätten nach seiner Meinung „Vorrang“ – beispielsweise die Nullvariante.

Nach dem Ende der Infoveranstaltung zogen Kornell, Presse und einige Stadträte zum nächsten Treffen – dem der Bürgerinitiative pro Volkacher Umgehung. Hier berichteten einzelne Geschäftsleute – begleitet vom Dauerlärm der Staatsstraße in der Gaibacher Straße von ihren Belastungen – von Lärm und großen Risikenm, wenn Kunden oder Gäste die stark befahrene Straße – über 9000 Fahrzeuge pro Tag überqueren wollen.

Wer dort etwas länger zuschaut, glaubt was Anwohner und Geschäftsleute sagen: alle paar Minuten donnert ein Laster durch, lässt Gläser und Nerven zittern. Und weil dem so ist, fordert die BI Hilfe. Die erwarten sie von der Umgehung, weil andere Initiativen bisher am Widerstand der Staatsbehörden scheiterten: einmal der Versuch, Lkw über zwölf Tonnen auszusperren und eine Tempo-30-Regelung. Wie sagte Stadtrat Peter Haupt: „Der Staat hat den Verkehr hergebracht und lässt uns jetzt hängen.“

Von unserem Redaktionsmitglied Harald Meyer
    
    

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»Alle 11 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

pippo (174 Kommentare) am 01.07.2012 21:41

nur eine Komplettlösung ..

..und Ostumgehung von nördlich Gaibach bis direkt zur StStr.2274 östlich Volkach (Kurve von Obervolkach kommend) ist eine sinnvolle Lösung. Alles andere ist ein "Pfusch und Kleinkram", auch das weiß sicher der Vertreter der BI, der aber sein Geld damit verdient.
(1)
juwa (15 Kommentare) am 30.06.2012 08:44

Volkach bremst die Umgehungen von Gaibach und Kolitzheim aus!!

Rechtsanwalt Baumann hat es den anwesenden Stadträten und auch Herrn Bürgermeister Kornell ja gesagt, „diese Umgehung im Osten wird so nicht gebaut“.

Dafür sprechen viel zu viele rechtliche Positionen, sowohl der Anwohner an der Teilumgehung Ost als auch des ökologischen Schutzes der Volkach Aue dagegen.
Deshalb sollte endlich damit begonnen werden, alternativen in der Gaibacherstraße (die ja unlängst den Verantwortlichen bekannt sind) an zu packen, dass nicht durch einen jahrelangen Rechtsstreit (über mehr als 10 Jahre) die geforderten schnellen Lösungen, von kleinen Umgehungen in Gaibach und Kolitzheim unter den Tisch fallen.

Das treiben um die Umgehung Volkach bremst nur die Umgehung Gaibach und Kolitzheim aus, dass sollte den Bürgern in Gaibach und Kolitzheim langsam mal klar werden!!
(1)
olmiro (122 Kommentare) am 30.06.2012 14:28

Sie sehen das richtig

aber es ist doch von den Verantwortlichen so gewollt, dass dieses Projekt als Ganzes gesehen wird und nicht in Etappen gebaut werden soll.
Beim Bürgermeister und einigen Stadträten besteht doch gar kein Interesse daran, eine Lösung für Gaibach zu finden.
Abgespeist mit Tempo 30 bei Nacht, das nicht überwacht und ständig übertreten wird. Gäbe es hier einen seltenen Wurm, der die Strasse täglich 3 x überquert, man würde den Verkehr großräumig umleiten. aber so, es wohnen ja nur Menschen dort.
(2)
juwa (15 Kommentare) am 30.06.2012 18:12

Wow, welche Einsicht…

So wie sie schreiben, nehme ich an, dass Sie betroffener Bürger aus Gaibach sind. Jetzt stellt sich mir aber eine dumme Frage? Wieso hat sich Die Bürgerinitiative Pro Umgehung Gaibach mit der Bürgerinitiative Pro Umgehung Volkach zusammen geschlossen, wenn Sie doch merken, dass Volkach nur „ein Klotz am Bein“ ist??

Wäre es nicht sinniger auf eine kleine Umgehung Gaibach zu drängen? Schließlich steht diese auch schon im Flächennutzungsplan (nicht wie die Volkacher, die in keinem Plan existiert und 1979 ersatzlos gestrichen wurde). Rechtlich ist diese sicher machbar und vor allem ist das Projekt Gaibach für den Bayerischen Staat und für Volkach wesentlich günstiger. Und vor allem auch in absehbarer Zeit realisierbar.

@ Principiis_obsta – Stimmt genau, St. Floriansprinzip aller Gaibacherstraße. Verlegen wir einfach den Verkehr in den Osten und wir erhöhen den Wert unsere Grundstücke. zwinkern
Ich weiß nicht aus welchen Gründen die OBB den Lärmschutz ablehnt. Etwa aus den Gründen, weil
(1)
olmiro (122 Kommentare) am 30.06.2012 19:56

juwa, es gibt keine dummen Fragen

Ich muss ja als Betroffener nicht einer Initiative angehören und alles gut heißen, was diese tun.
Aber anscheinend haben Sie den Stein der Weisen gefunden und Sie werden das Problem, hoffentlich im Sinne aller Parteien, lösen.
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