publiziert: 02.04.2010 15:05 Uhr
aktualisiert: 02.04.2010 15:20 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text RÖDELSEE/KITZINGEN
Ein zweites Leben mit 24 Jahren

Silke Freund aus Rödelsee spendet ihr Knochenmark für eine gleichaltrige Amerikanerin

Als der Anruf kam, musste Silke Freund kurz überlegen. Tübingen? Deutsche Knochenmarkspenderdatei? Da war doch was? Es lag schon einige Zeit zurück, dass die 24-Jährige an einer Typisierungsaktion in ihrem Heimatort Rödelsee teilgenommen hatte.

  • Ihre Stammzellen retten Leben: Silke Freund aus Rödelsee hatte sich bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei registrieren lassen – und kann so das Leben einer gleichaltrigen Frau in Amerika retten. Rechts unten: Stammzellen unter dem Lasermikroskop.
    Fotomontage: Heike Grigull
Bild von

Jetzt, Ende 2009, war die Überraschung perfekt. Am anderen Ende der Leitung hieß es: „Sie sind als Spender geeignet!“

Irgendwo auf der Welt da draußen gibt es jemanden, der um sein Leben kämpft. Und dieser Jemand konnte den Kampf mit einiger Wahrscheinlichkeit nur dann gewinnen, wenn Silke Freund jetzt am Telefon Ja sagt. Die junge Frau zögerte keine Sekunde.

Genau für diesen Moment hatte die 24-Jährige schließlich die Speichelprobe abgegeben. Sofort schoss ihr ein Gedanke durch den Kopf, der sich bis heute festsetzte und so manche Unannehmlichkeit vergessen ließ, die in den nächsten Wochen folgen sollte.

„Wer kann schon von sich behaupten, ein Menschenleben zu retten!“

Silke Freund Knochenmark-Spenderin

Der Gedanke lautete: „Wer kann schon von sich behaupten, ein Menschenleben zu retten!“

Nach dem Ja-Wort folgten mehrere Bluttests beim Hausarzt. Weitere Tests schlossen sich im Januar an. Dann ging es schließlich in eine Nürnberger Klinik, wo die Spenderin noch einmal auf Herz und Nieren untersucht wurde. Durch viele Gespräche wusste Silke Freund inzwischen, was sie erwarten würde.

Sie kannte sich aus, statt Deutsche Knochenmarkspenderdatei sagte sie jetzt kurz DKMS. Die größte Angst war auch genommen: dass sich die Ärzte an ihrem Rückenmark zu schaffen machen würden. Um Knochenmark zu spenden, reicht heute in 80 Prozent der Fällen eine Bluttransfusionen aus. Bei den restlichen 20 Prozent wird Knochenmark aus dem Beckenkammknochen geholt. Das ist der Bereich über dem Hintern, der gerne von zwei Grübchen und gerne auch von einem tätowierten Geweih geziert wird.

Die letzte März-Woche. Es ist soweit. Der entscheidende Anruf aus Nürnberg: Alles passt, es kann losgehen. Bei der Frau aus Rödelsee hatten sich die Ärzte für die Methode Beckenkammknochen entschieden. Vor der Vollnarkose hat Silke Freund Bammel – es ist für sie Premiere. Auch dass 1,2 Liter Knochenmark aus ihr herausgeholt würde – da kann einem schon anders werden. Doch die Vorstellung, ein zweites Leben schenken zu können, überflügelt selbst den trübsten Gedanken: „Da nimmt man einiges in Kauf!“

Beruhigt konnte die Bäckereifachverkäuferin sein, was ihren Arbeitgeber betraf – der spielte von Anfang an mit. Bei der Kitzinger Bäckerei Will steht man vorbehaltlos hinter der Angestellten. Auch wenn sie nach der Operation eine oder zwei Wochen ausfallen würde – kein Problem.

Es sollen dann tatsächlich zwei Wochen werden, die Silke Freund benötigt, um sich zu erholen. Der Dauermuskelkater im Rückenbereich hält zwei Wochen an und der Kreislauf strotzt auch nicht gerade vor Stabilität.

Alles in allem jedoch stellen sich am Ende die Operation und ihre Nachwehen als „nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt habe“ heraus. Weshalb die 24-Jährige nach den Osterfeiertagen unbedingt wieder hinter der Ladentheke stehen will.

Unmittelbar nach der Knochenmark-Entnahme startete ein Flugzeug mit der lebenswichtigen Fracht nach Amerika. Wie Silke Freund später erfuhr, sollte damit eine gleichaltrige Frau in Amerika gerettet werden. Mehr weiß Silke Freund noch nicht. Was sie aber ganz sicher weiß: Es ist ihr eine Herzensangelegenheit, der hoffentlich geretteten Frau einen persönlichen Brief über die DKMS zukommen zu lassen.

Und wer weiß: Vielleicht antwortet die Amerikanerin ja. Dann wäre vieles denkbar – bis hin zu einem Treffen. Wobei dem Zufall bereits auf die Sprünge geholfen wurde: Der kommende Sommerurlaub ist schon längere Zeit in den USA geplant.

DKMS

Allgemeines: Alle 45 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Leukämie. Zahlreichen Patienten kann nur durch eine Stammzelltransplantation geholfen werden. Da höchstens 30 Prozent der Patienten einen geeigneten Spender innerhalb der Familie finden, ist der Großteil auf einen Fremdspender angewiesen.

Wer kann Spender werden? Grundsätzlich kann sich jeder gesunde Mensch zwischen 18 und 55 Jahren als potenzieller Spender in die DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) aufnehmen lassen. DKMS: Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei wurde 1991 ins Leben gerufen. Derzeit sind 2,1 Millionen Menschen registriert. Die DKMS ermöglicht täglich mindestens zehn Entnahmen für Patienten im In- und Ausland, seit der Gründung bereits mehr 20 200 Mal. Wie kann ich helfen? Das geht inzwischen online. Unter www.dkms.de gibt es ein Registrierungsset.

Was ist eine Stammzelle? Die blutbildenden Stammzellen sind die Mutterzellen aller Blutzellen und für die regelmäßige Blutneubildung (weiße und rote Blutzellen sowie Blutplättchen) im Körper verantwortlich. Sie werden im Knochenmark gebildet und von dort in die Blutbahn ausgeschwemmt.

Stammzellen- oder Knochenmarkspende? Das ist abhängig von der Erkrankung des Patienten. Die Wahrscheinlichkeit als Spender in den nächsten zehn Jahren in Frage zu kommen, liegt bei fünf Prozent.

Von unserem Redaktionsmitglied Frank Weichhan
    
    

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Die neuesten Kommentare

gelesen (8 Kommentare) am 05.04.2010 10:14

Respekt!

Einfach nur: Respekt!
(0)
hazi (147 Kommentare) am 02.04.2010 19:44

Knochenmark-Spenderin

Hut ab von der jungen Frau, auch die Einstellung des Arbeitgebers dazu ist vorbildlich ! Offenbar gibt es in Kitzingen außer einer Minderheit von heranwachsenden Sauf- und Raufbolden noch junge Erwachsene, auf welche Deutschland bauen kann. Gut so !
(0)
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