aktualisiert: 18.08.2009 11:01 Uhr
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KITZINGEN
Todesschuss für Hund hat ein Nachspiel
Besitzer des erschossenen Hundes Ayko kritisiert Polizeieinsatz
Wütend und erschüttert zugleich ist Martin Schiedt, dessen Hund Samstagnacht im Hof der Wutschenmühle bei Kleinlangheim von einer Polizistin erschossen worden war (wir berichteten): Sein Ayko sei weder „aggressiv“ gewesen, wie die Polizei in ihrem Bericht schrieb, noch habe er die Beamtin angegriffen, betonte er gegenüber dieser Zeitung am Montagmorgen. Der Waffeneinsatz sei unprovoziert gewesen. Er habe deshalb einen Anwalt eingeschaltet. Auch die Kripo untersucht den nächtlichen Vorfall.
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Trauer und Wut vereinen die Brüder Martin (links) und Jochen Schiedt. Sie stehen am Grab von Münsterländer Ayko, der Samstagnacht von einer Polizistin erschossen worden war. Ob er aggressiv war oder sein Tod die Folge einer Überreaktion war, darin scheiden sich die Beurteilungen von Polizei und den Schiedts.FOTO Harald Meyer
Die am Ende tragische Geschichte fängt harmlos an: In der Wutschenmühle von Jochen Schiedt, dem Bruder von Martin Schied, wird gefeiert. Bei einem Lagerfeuer, das offensichtlich groß ausfällt. Weil die Flammen sehr hoch schlagen, wird die Feuerwehr verständigt, die laut Polizeibericht und dem Bericht der Schiedts auch anrückt. Etwa gegen 21.30 Uhr.
So weit sind sich alle einig. Dass die Wehrleute am Lagerfeuer auf eine „aggressive Stimmung“ von „vier sichtlich angetrunkenen Personen“ gestoßen seien, streitet Mühlen-Pächter Schiedt ab. Weder sei jemand ausfällig geworden, noch einer betrunken gewesen, betont er. Und dass einer der drei Hunde – darunter Ayko – einen Feuerwehrmann attackiert habe, sei unwahr. Schließlich seien beide Brüder Jäger, hundeerfahren und ihre Tiere gut erzogen. Die Polizei sah das Geschehen Samstagnacht anders: Der Feuerwehrmann „konnte sich das Tier gerade noch vom Leib halten.“
Konsequenz: Die Wehrleute rufen die Polizei. Die ist bald vor Ort, wartet aber laut Auskunft aus dem Polizeipräsidium wegen der drei Vierbeiner in der Mühle auf einen Polizeihundeführer. Der kommt und marschiert laut Jochen Schiedt gegen 23.30 Uhr mit den zwei Kollegen auf das Grundstück.
Ab hier scheiden sich die Geister: Im Polizeibericht gehen die Hunde auf die Polizei los. Zwei hören auf ihre Besitzer und die Beamten, Ayko nach dieser Darstellung nicht. Das Tier, „jagdhundähnlich in der Größe eines Schäferhundes“, habe eine Polizistin attackiert. Die habe zur Schusswaffe gegriffen und den Hund getötet, hieß es im Polizeischreiben.
Bei Aykos Halter sieht die Sache etwas anders aus: Die drei Beamten seien aus dem Dunkel der Nacht gekommen, was die Hunde sofort mit Gebell gemeldet hätten, sagt Martin Schiedt. Weil der zehnjährige Rüde auf die Polizisten zulief, habe einer gesagt: „Hallo Polizei, tut den Hund da weg.“ Der Kleine Münsterländer sei noch an den Beamten vorbeigelaufen und dann wie die anderen Hunde „zurückgepfiffen“ worden.
Auf dem Rückweg habe die Beamtin auf ihn geschossen und ihn in die Lunge getroffen, so Schiedt. Ein zweiter Schuss sei daneben gegangen. Ayko habe nach dem Schuss deutlich „geklagt“, sich noch bis zu einem Tisch nicht weit vom Lagerfeuer geschleppt und sei dort gestorben. Die Polizistin habe danach behauptet, Ayko habe sie beißen wollen.
Für die Brüder, die Ayko am Platz seines Sterbens ein von Steinen umfasstes und mit Blumen geschmücktes Grab herrichteten, war der Tod des Hundes ein Fehler der Polizei. Der Münsterländer sei jagdlich ausgebildet und keineswegs aggressiv. Er habe nur normal reagiert, als die drei Polizisten aus dem Dunkel traten, sei zur Kontrolle auf sie zugelaufen und habe sie erst mal als Fremde mit Bellen gemeldet. Für Jochen Schiedt ist klar: Wenn die Beamten mit ihrem Streifenwagen aufs Grundstück gefahren wären, wäre nichts passiert und Ayko (Martin Schiedt: „Der ist mit meinen Kindern aufgewachsen“) noch am Leben.
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