publiziert: 04.04.2012 16:11 Uhr
aktualisiert: 04.04.2012 16:18 Uhr
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Harvey-Kaserne geht über den „Ladentisch“

Bundesanstalt für Immobilienaufgaben verhandelt mit elf Interessenten

Die rund 200 Hektar der Kitzinger Harvey-Kaserne könnten in naher Zukunft über den „Ladentisch“ der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gehen: Nach der Sommerpause werde der Kaufvertrag unterzeichnet, erklärte Oberbürgermeister Siegfried Müller. Derzeit sei die Bundesbehörde noch in Bietergesprächen mit elf Kaufinteressenten.

Die Zukunft des Geländes rund um den Ex-US-Flugplatz war vor gut einer Woche Inhalt eines vertraulichen Gesprächs zwischen dem Oberbürgermeister, Mitgliedern der Verwaltung und Verantwortlichen der Bima. Die Hoffnung dabei: Stadt und Stadtrat sollen bei dem baldigen Verkauf gehört werden. Dies sei auch zugesagt worden, betonte Müller. Wichtig für Kitzingen sei es, die Konzepte der interessierten Unternehmen zu kennen, bevor die entscheidenden Unterschriften unter den Kaufvertrag kommen.

Viel gibt Müller – oder die Bima? – nicht raus: Von den elf Bietern für das Riesengelände stamme die Hälfte aus der Solarbranche. Mit zwei Unternehmen aus der Käuferrunde habe die Stadt schon im Vorfeld des Bieterverfahrens zu tun gehabt. Ob jemand den Flugplatz weiternutzen und den Stadtrats-Mehrheitswillen für einen Sonderlandeplatz unterstützen will? (Noch) kein Kommentar. Unklar ist ebenfalls immer noch, ob und wie die unter Naturschutz (FFH-Flächen) stehenden Bereiche rund um die Landebahn überhaupt genutzt werden können.

„Ich bin gespannt, ob wir's dann kriegen.“

Kitzingens OB Müller zu Wertgutachten der Bima

Weil die Bima bei ihrer Vermarktungsstrategie – bei der die städtischen Wünsche bisher fast immer nur auf Platz zwei landeten – weiter auf die Karte der Erlös-Optimierung setzt, sind die Fragen der Altlasten des Geländes (unter anderem hochgiftiges Arsen einer ehemaligen Farbenfabrik) und die noch im Boden vermuteten Bomben-Blindgänger unbeantwortet. Die Ausgaben dafür, nach einer Schätzung der Stadt eine bis zu zweistellige Millioneninvestition, sollen wohl die Käufer übernehmen.

Eine Hängepartie ist und bleibt die Vermarktung der Wohnsiedlung Marshall Heights. Die Bima will das 32 Hektar große Gelände am Stück veräußern, sagte zuletzt Verkaufsleiterin Monika Maucher. Da könnte die Stadt zugreifen: Laut einem Presseschreiben des Bundestagsabgeordneten Michael Glos dürfen Kommunen (nach einem Beschluss im Haushaltsausschuss des Bundestages) künftig ungenutzte Militärgelände per „Erstzugriffsrecht“ erwerben – zum Gutachterwert.

Das ist die höchste Hürde. Laut OB Müller habe die Stadt wohl nicht das Geld, um das ganze Areal zu kaufen. Wie viel die Wohnsiedlung kosten soll, weiß Müller nicht. Das Gutachten mit dem Marktwert sei „streng unter Verschluss“. Trotzdem werde die Stadt das Preis-Exposé anfordern: „Ich bin gespannt, ob wir's dann kriegen.“ Bis dahin hat Müller noch etwas Zeit. Die Bima habe bei ihrem Treffen betont, dass der Verkauf der Wohnsiedlung erst nach der Vermarktung der Harvey-Kaserne angepackt werde.

Inzwischen eine unendliche Geschichte ist der Flugplatz. Der hängt seit Jahren in der Luft. Die Genehmigung als Sonderlandeplatz verweigert das Luftamt Nordbayern. Der Grund sind die Blindgänger, die wohl noch – nach einer ersten Untersuchung mit gerade mal drei Funden – im Boden lauern. Zum Vergleich: Auf dem Giebelstadter Gelände entdeckten die Bombenräumer rund 50 explosive Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkriegs.

Was OB Müller positiv stimmt: Laut den Bima-Aussagen können sich die Kaufinteressenten für das Kasernengelände den Sonderlandeplatz durchaus vorstellen. Auf den hofft weiter der Luftsportclub Kitzingen (LSC), der mit seinen rund 100 Mitgliedern das Gelände am Leben hält. Ausschließlich mit Segelflug. Der Motorflug ist seit rund zwei Jahren verboten. Und weil sich bei der Bombenräumung seit langem nichts tut, schwebt über dem LSC ein Damoklesschwert: die endgültige Schließung des Flugplatzes.

Von unserem Redaktionsmitglied Harald Meyer
    
    

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