publiziert: 20.03.2009 12:17 Uhr
aktualisiert: 20.03.2009 18:30 Uhr
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Erinnerung an Mainbernheims Juden

Vier Stolpersteine erinnern an frühere Mitbürger

In der Unteren Brunnengasse und in der Herrnstraße in Mainbernheim verlegte der Kölner Bildhauer Gunter Demnig am Freitag Stolpersteine, die an die früheren jüdischen Bewohner der Häuser erinnern. Möglich wurde die Aktion durch die private Spenden und die Beteiligung der Stadt.

  • Der Mann mit dem Hut und seine Idee: Zwei Stolpersteine verlegte der Kölner Bildhauer Gunter Demnig für Meta und Philipp Hausmann vor dem Haus in der Unteren Brunnengasse 4 in Mainbernheim, wo sich auch der Eingang zur Synagoge befand. Zwei weitere Stolpersteine wurden in der Herrnstraße verlegt.
    FOTO Torsten Schleicher
  • Zumindest die Erinnerung kehrt zurück: letzte Politur für die Hausmann-Stolpersteine, die ins Pflaster vor dem Anwesen in der Unteren Brunnengasse 4 eingelassen sind.
    FOTO Torsten Schleicher
  • In alter Zeit: historische Aufnahme des Anwesens Brunnengasse (rechts).
    FOTO Archiv Kurt Kraus
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Möglich wurde die Aktion durch die private Spenden und die Beteiligung der Stadt Mainbernheim.
Ein Mensch ist erst wirklich tot, wenn sich niemand mehr an ihn erinnert, heißt es. Die Mainbernheimer Juden, die 1942/43 ihre Häuser im idyllischen Markgrafenstädtchen räumen mussten, konnten nicht lange Abschied nehmen: der Transport in Transit-Getto und Vernichtungslager wartete. Eine Reise ohne Wiederkehr, auch für die vier Mainbernheimer, an die seit Freitag mit Stolpersteinen des Kölner Bildhauers Gunter Demnig erinnert wird.

Es sind nicht die ersten Stolpersteine, die ins Mainbernheimer Straßenpflaster gelassen werden, zwei befinden sich bereits in der Schützen- und in der Herrnstraße. Am Freitag nun hält Demnigs roter Transporter zunächst vor dem Haus in der Unteren Brunnengasse 4, für die Geschichte der Mainbernheimer Juden ein historischer Ort. Durch den Hof des Anwesens gelangte man früher nämlich zur Synagoge, die während der Pogromnacht 1938 zerstört wurde und heute ein Wohnhaus ist.

Nach Ostpolen deportiert

Bei Demnigs Aktion geht es jedoch ums Vorderhaus. Hier wohnten Meta und Philipp Hausmann, geboren 1899 beziehungsweise 1878. Meta wurde 1942 ins Durchgangslager Izbica in Ostpolen deportiert, Philipp im selben Jahr nach Theresienstadt. Danach verliert sich ihre Spur. Jetzt sollen zumindest ihre Namen und ihr Schicksal wieder ins Bewusstsein der Mainbernheimer rücken. Einige von ihnen sind am Freitagmorgen gekommen, um zu beobachten, wie Demnig einen großen Pflasterstein gegen die beiden Gedenkplättchen tauscht. Die Märzsonne lässt die Messingplatten funkeln, nach ein paar Minuten glänzen sie sauber einzementiert vor der Hofeinfahrt des Hauses.

Ein paar Meter weiter, in der Herrnstraße, wird vor dem Haus Nummer 34 an Aron Schönfärber erinnert, der als 78-Jähriger den Todestransport nach Theresienstadt antreten musste. Ein alter Mann, der Hitlers Reich nicht mit Milde rechnen durfte – ebenso wenig wie die 53-jährige Else Bernheimer aus der Herrnstraße 43, die 1942 nach Polen deportiert und ermordet wurde.

Den jüdischen Mitbürgern in Mainbernheim hatte es auch nichts genützt, dass sie sich – wie viele Juden in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert – fest in die Gesellschaft integriert hatten. Ein Dokument aus der Sammlung des Mainbernheimer Historikers Kurt Kraus belegt so zum Beispiel, dass bei einer Haussammlung des CVJM in den 20er Jahren auch neun Juden eine Spende gaben. Schon wenige Jahre später war es der Mainbernheimer Stadtrat, der 1935 per Beschluss „Abwehrmaßnahmen“ gegen die Juden anordnete. Wer sich nicht fügte, wie der „Falken“-Wirt Gustav Jaeger, musste mit Sanktionen rechnen. „Dieser Wirt kauft Fleisch beim Juden“ stand eines Tages auf einem Schild am Vierröhrenbrunnen, eine Aufschrift auf dem Pflaster vor dem Eingang des Gasthauses stempelte Jaeger als „Judenknecht“ ab.

Einrichtungen verbrannt

Von der Ausgrenzung bis zum offenen Terror war es nur noch ein kurzer Weg, wie Kraus in einem Zeitzeugenbericht schreibt: „Am 9. November 1938, der so genannten Reichskristallnacht, verwüsteten SA-Leute, unterstützt von zahlreichen Bürgern, sowohl die jüdischen Wohnungen als auch die Synagoge und verbrannten auf dem Schießhausplatz deren Inneneinrichtung samt sämtlicher Bücher.“ Wo man Bücher brennt, verbrennt man am Ende auch Menschen, prophezeite der Dichter Heinrich Heine.

Vor dem Mord stand die Misshandlung. Wie das Buch „Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918-1945“ berichtet, bekamen in Mainbernheim auch nichtjüdische Bürger den Terror zu spüren: So wurden zwei Frauen verprügelt, nur weil sie 1942 einem jüdischen Ehepaar beim Packen halfen. Es gab auch andere Gegenbeispiele – wie das der Mainbernheimer Frauen Hilde Dietz und Gretel Dorsch, die auch nach 1933 zu ihrer jüdischen Freundin Mirra Bernheimer hielten und die sich alle 1995 wiedersahen.

Täter und Opfer, Mitläufer und stille Helfer lebten Wand an Wand: Mainbernheim, ein ganz normales Städtchen im Deutschland des 20. Jahrhunderts.

 
Von unserem Mitarbeiter Torsten Schleicher
    
    

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