publiziert: 26.01.2012 14:37 Uhr
aktualisiert: 26.01.2012 14:43 Uhr
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Jüdisches Leben heute

Josef Schuster sprach in Obernbreit
  • Josef Schuster, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, sprach in Obernbreit.
    Berthold Diem
  • Gut besucht: „Erinnern nicht nur an Vergangenes, sondern auch daran, wie sich jüdisches Leben in Deutschland heute gestaltet“, war das Motto einer Veranstaltung des Träger- und Fördervereins, ehemalige Synagoge Obernbreit, in der es um die Wiedergründung jüdischer Gemeinden nach 1945 ging.
    Fotos (2): Scherer
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„Nicht nur an Vergangenes erinnern, sondern auch daran, wie sich jüdisches Leben in Deutschland heute gestaltet“, so lautete das Motto einer Veranstaltung des Träger- und Fördervereins ehemalige Synagoge Obernbreit.

Da es nicht selbstverständlich sei, dass es wieder jüdische Gemeinden in Deutschland gebe und weil es über das Judentum unter Nichtjuden viel Unwissen gebe, hatte der Verein Josef Schuster, den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, zu einem Vortrag eingeladen. Im voll besetzten Bürgersaal des Rathauses Obernbreit berichtete der „in Israel geborene deutsche Jude“ über die Wiedergründung jüdischer Gemeinden nach 1945, wie es im Presseschreiben heißt.

Es waren Überlebende aus den Konzentrationslagern, die nicht in ihre Heimat im Machtbereich der Sowjetunion zurückkehren oder auswandern wollten, die, wieder in Lagern lebend, den Anfang machten. Erst allmählich kamen deutsche Emigranten zurück. Die drohende Überalterung der Gemeinden wurde in den 1990er Jahren durch den Zustrom von sogenannten Kontingentflüchtlingen gemildert.

Als Mitglied einer orthodoxen Gemeinde konnte Josef Schuster klar machen, dass Orthodoxe nicht extreme Fundamentalisten seien, sondern jüdische Mitbürger, die versuchen, nach den über 600 Religionsvorschriften zu leben, was in einem modernen pluralistischen Staat nicht immer einfach sei.

Auf unterhaltsame, doch immer sachliche Art verdeutlichte er den Besuchern die Verschiedenheit jüdischer und christlicher Theologie anhand nicht immer bekannter Unterschiede. So kenne das Judentum keine Hölle, aber auch keine Beichte und Absolution. Jeder müsse am Ende der Tage sein Verhalten selbst vor Gott verantworten.

Die Zuhörer stellten anschließend laut Presseschreiben teils kritische Nachfragen, die der Referent souverän beantwortete. Natürlich wurde auch die Politik Israels angesprochen, wozu Schuster seine nicht unkritische Haltung ehrlich zugestand, aber auch davor warnte, die mögliche Kritik am Vorgehen des Staates Israel als Vehikel für Antisemitismus zu missbrauchen.

Eine besondere Überraschung erwartete Schuster am Ende des Abends, als ihm Schüler des Gymnasiums Marktbreit ihr virtuelles 3-D-Modell der ehemaligen Synagoge vorstellten. Insgesamt sei der Abend ein wesentliches Element im christlich-jüdischen Dialog gewesen, so das Presseschreiben abschließend.

zis
    
    

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