aktualisiert: 24.06.2009 15:36 Uhr
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KITZINGEN
MTK: Fraas sieht Chance für Rettung
Transfergesellschaft soll Investor locken
Zwischen Hoffen und Bangen schweben derzeit die rund 800 Beschäftigten der insolventen Gießerei Metal Technologies Kitzingen (MTK): Einerseits hat bislang keiner der Übernahme-Interessenten ernsthaft angebissen, andererseits sieht Insolvenzverwalter Bruno Fraas eine Möglichkeit, „wie wir die Situation retten können“.
Bei einer Betriebsversammlung am Montag kam deshalb auch die Schaffung einer Transfergesellschaft zur Sprache.
Die Transfergesellschaft ist offensichtlich schon sehr konkret, wie MTK-Mitarbeiter gegenüber dieser Zeitung erklärten. So sei bei der Versammlung dringend „empfohlen“ worden, dass die ganze Mannschaft bis Donnerstag bei einer Transfergesellschaft unterschreibe. Andernfalls drohe die Arbeitslosigkeit, erfuhren die Noch-MTKler laut Aussage einiger Beschäftigter.
Die Transfergesellschaft wäre ein tiefer Einschnitt. Die Beschäftigten sind dann nicht mehr bei MTK angestellt und bekommen – so die Info aus der Belegschaft – lediglich einen Halbjahres-Vertrag. Zudem müssen sie auch beim Lohn Zugeständnisse machen. 67 Prozent an Kurzarbeitergeld zahle künftig die Agentur für Arbeit. Auf die Summe packe Insolvenzverwalter Fraas noch soviel drauf, dass die MTK-Leute rund 80 Prozent ihres Lohns erhalten.
Das Arbeitsmarkt-Instrument, das eine berufliche Weiterqualifizierung mit einer Arbeitsvermittlung verbindet, hat auch einen wirtschaftlichen Hintergrund: Wenn eine insolvente Firma wie MTK personell leer geräumt ist, muss ein potenzieller Übernehmer nicht die gesamte Belegschaft mit ins Boot nehmen. Er kann sich vielmehr – ohne Rücksicht auf soziale Besonderheiten – die Leute für den Weiterbetrieb rauspicken, die in sein Konzept passen.
Den Beschäftigten bei MTK und Insolvenzverwalter Fraas sitzt die Zeit im Nacken. Bis Ende Juni, so lange gibt's noch Insolvenzgeld, muss ein Investor gefunden werden, damit die Gießerei überleben kann. Gespräche mit Übernehmern gab es laut Fraas bis zuletzt und jetzt zeichne sich eine Lösung ab.
Die Lösung könnte die Transfergesellschaft sein, die einem Investor einen Neubeginn bei MTK mit verkleinertem Team ermöglichen würde: Angesichts einer derzeitigen Produktions-Auslastung von nur 50 Prozent würde dies vermutlich auf eine Halbierung der Belegschaft hinauslaufen – also lediglich 400 Leuten aus der Transfergesellschaft eine neue Chance bieten. Andererseits müsse das neue Unternehmen auch personell so aufgestellt sein, dass es am Markt ein Chance habe, betonte Insolvenzverwalter Fraas.
Das Ex-Sachs-Gusswerk stürzte gemeinsam mit seinen Kunden aus der Automobilindustrie in die Krise. Als die Umsätze einbrachen, wollte der Eigentümer, die US-Gießerei MTI, die extrem angespannte Finanzsituation mit einem Sanierungskonzept lösen. Weil die Rettung vor allem mit der Entlassung von rund 300 Mitarbeitern erkauft werden sollte, platzte das Vorhaben.
Daraufhin drehten die Banken den Geldhahn zu. Als der amerikanische Inhaber sich weigerte, rund 5,5 Millionen Euro an frischem Geld in die Kitzinger Tochterfirma zu pumpen, war MTK zahlungsunfähig. Seither hat Insolvenzverwalter Fraas in der Gießerei das Sagen.
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