aktualisiert: 03.03.2009 11:47 Uhr
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KITZINGEN
Zeitzeugen berichten über den grausamen 23. Februar 1945
Ernst Hanft, Marianne Räder und Irmgard Rupp erlebten als Kinder den Bombenangriff
„Der Frieden fängt im Kleinen an, bei jedem Einzelnen.“ Mit diesem Appell wandten sich die drei Zeitzeugen des 23. Februar 1945 an die Schüler der 4. Klassen der St.-Hedwig-Schule Kitzingen.
Ernst Hanft, Marianne Räder und Irmgard Rupp, die alle drei den Bombenangriff auf Kitzingen am 23. Februar 1945 in der Stadt miterlebten, besuchten die Schüler, um von ihren Erlebnissen zu berichten und die Schrecken eines Krieges deutlich vor Augen zu stellen. Lehrerin Birgit Wagner schildert die besondere Schulstunde: Gespannt lauschten die Kinder dem Bericht von Ernst Hanft, der damals gerade in der ersten Klasse saß. Er durfte beim Voralarm nach Hause laufen und entging so dem Schicksal vieler Schulkinder, die aus eingestürzten Luftschutzkellern nicht mehr befreit werden konnten.
So tief hat sich dieser Tag in Ernst Hanfts Gedächtnis eingegraben, dass er noch weiß, was die Mutter zum Essen auf den Tisch gestellt hatte. Seine Frau war damals noch im Kindergarten. Beim Voralarm riss sie sich von der Hand der Kindergärtnerin los und lief quer durch die Stadt allein nach Hause, weil ihre Mutter ihr das aufgetragen hatte. So überlebte sie als einziges Kind aus ihrem Kindergarten. Alle anderen starben im Keller des Kindergartens.
Nicht weniger beeindruckt sind die Schüler von dem, was Irmgard Rupp und Marianne Räder zu erzählen haben. Marianne Räder wohnte in der Güterhallstraße und sah an diesem Frühlingstag im Februar den Soldaten auf dem Güterbahnhof beim Verladen der Flakgeschütze zu. Ebenso wie Hanft empfand sie keine Angst, als die ersten Bomben fielen und die Soldaten sie in den Keller brachten. Tief berührt waren die Schüler von der Tatsache, dass sie ihren Vater mit vier Jahren zum letzten Mal gesehen hat. Im Februar 1945 war er bereits als vermisst gemeldet.
Irmgard Rupp wohnte in der Oberen Bachgasse. Auch sie lief beim Voralarm sofort nach Hause zu ihrer Mutter. Sie schilderte, wie die Bombeneinschläge in der näheren Umgebung im Keller ihres Hauses die Brandmauer zum Einsturz brachten. Ein kleines Mädchen und eine ältere Frau wurden darunter begraben, aber die anderen Bewohner konnten mit Leitern durch ein Loch aus dem verschütteten Keller gerettet werden.
Die Kinder spüren deutlich, wie ernst es den drei Erwachsenen mit ihrer Mahnung ist: „Achtet darauf, dass der Friede in unserm Land erhalten bleibt. Krieg ist immer etwas Furchtbares und bringt den Menschen nur Leid und Elend.“
Daten & Fakten
Der 23. Februar 1945 in Kitzingen Mit einer Gedenktafel am Rathaus, die erst vergangene Woche enthüllt worden ist, wird an den schwärzesten Tag in Kitzingens Geschichte erinnert. Der Text darauf: Am 23. Februar 1945 starben über 700 Menschen in den Trümmern der von Sprengbomben schwer getroffenen Stadt Kitzingen. Kaum ein Gebäude ist unbeschädigt geblieben. Rund 800 Wohnhäuser mit 2000 Wohnungen wurden zerstört. Es waren die schicksalhaftesten Minuten in der Stadt Kitzingen.
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mcallsim2 (1 Kommentare) am 22.12.2011 00:24
Bombenangriff auf Kitzingen 23. Februar 1945Meine Mutter, Frau Irmgard Müller, war zusammen mit meiner Oma, Ihrer Schwester Gisela und Ihrem Bruder Wolfgang eine der überlebenden Bewohner, die in der Unteren Bachgasse ebenfalls durch ein Loch aus dem Keller gerettet wurden. Sie war damals 8 Jahre alt. Die Familie hatte damals bereits einen Brandbombenangriff auf Krefeld überlebt und war in Kitzingen evakuiert. Dieses Erlebnis hat meine Familie besonders geprägt, denn der Angriff kam so überraschend, das sie keine Zeit mehr hatten, die sichere Sitzgelegenheit am Ausgang des Kellers zu erreichen. Die Rettung war der 200 Jahre alte hintere Weinkeller, denn der Ausgang wurde mit einem Volltreffer komplett verschüttet! Das Haus erlitt insgesamt drei Volltreffer, der dritte sprengte den Weg frei, so dass die Familie über den Schutt sich befreien konnte. |
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