aktualisiert: 03.02.2012 16:39 Uhr
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LANDKREIS KITZINGEN
Liebestöter im Kitzinger Kälteloch
Kältewelle: Gelassenheit bei Klärwärter und Landwirten – Gasverbrauch verdoppelt
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Kein Problem: Dicke Mützen, Schals und Handschuhe und Christina, Nina und Viola aus Kitzingen haben die Kälte im Griff.Foto: S. Sebelka -
Starthilfe: Am Kitzinger Königsplatz wird überbrückt, weil bei diesen Temperaturen nicht jedes Auto anspringen will.Foto: Frank Weichhan -
Eiszeit: Langsam geht es gegen minus 20 Grad. Am Freitagmorgen wurde in Kitzingen der Spitzenwert minus 15,5 gemessen.Foto: DPA
Der Albtraum: tief fliegende Eisplatten, die sich von Sattelzügen lösen. Wie am Donnerstag gegen 13.10 Uhr auf der A 7 auf Höhe des Biebelrieder Kreuzes. Die Eisplatte kam vom Dach des Sattelzuges geflogen und verursachte an dem nachfolgenden BMW einer 43-Jährigen aus dem Landkreis Würzburg Schaden von 1000 Euro.
Der Lasterfahrer hielt zunächst an, zog es dann aber vor, zu flüchten. Was ihm nichts hilft: Die Geschädigte notierte sich das Kennzeichen.
Aufnotiert wurden am Freitag auch vielerorts die Rekord-Minustemperaturen. Minus 15 zwischen Volkach und Gaibach, ebenso wie bei Biebelried. Vorreiter und damit echtes Kälteloch war aber Kitzingen, dort wurden minus 15,5 gemessen.
Die eisigen Temperaturen bereiten – so zumindest das Ergebnis einer kleinen Umfrage – insgesamt doch erstaunlich wenig Probleme.
Beispiel Kläranlagen: In der Kitzinger Sammelkläranlage an der Straße nach Marktsteft hat Jürgen Orth in der Nacht am Freitag minus 14,5 Grad gemessen. Probleme sieht er derzeit kaum. „Langsam fangen die oberirdischen Leitungen in der Anlage an zu gefrieren“, sagte er. Aber er geht davon, dass es keine größeren Probleme gibt. „2009 haben wir drei Wochen Frost ohne Schäden überstanden, und da war es noch kälter“, sagte Orth.
Noteinsätze auf laufenden Band für das Sanitärgewerbe? Kreishandwerksmeister Michael Bissert verneint. Hier und da seien Trinkwasserleitungen in Altbauten eingefroren. Insgesamt aber gebe es wenig Einsätze. Was daran liege, dass die Leute mehr aufpassen und „bewusster geworden sind“.
Soweit alles im grünen Bereich – das gilt auch für die Feuerwehren. „Anders als die Kollegen in München sind wir bisher von Rohrbrüchen verschont geblieben“, sagte Kreisbrandrat Roland Eckert. Und auch sonst habe es noch keine Einsätze im Zusammenhang mit den niedrigen Temperaturen gegeben. Wobei das Problem mit den Rohrbrüchen oft erst akut werden, wenn die Temperaturen wieder ansteigen, so der Kreisbrandrat.
Die Kitzinger Energieversorger wie die Licht-, Kraft- und Wasserwerke (LKW) verzeichnen einen sprunghaften Anstieg des Gasabsatzes. Wie Prokurist Roger Lindholz auf Anfrage sagte, hat sich der Gasverbrauch in den letzten Tagen gegenüber dem eher milden Dezember in etwa verdoppelt. Bleibt es länger kalt und die Kälte zieht in die Wohnungen, kann der Verbrauch weiter steigen. Beim Wasser hat es bisher keine Probleme mit Wasserrohrbrüchen oder Ähnlichem gegeben. Dennoch rät Lindholz, bei solchen Temperaturen die Kellerfenster dicht zu halten. Mit der in die Keller eindringenden Kälte habe es in den vergangenen Jahren immer wieder Problem gegeben.
Gelassen sehen derzeit die Landwirte Fröste um 15 Grad, wie Gerhard Reiser vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sagt. Wobei es besser wäre, wenn das Wintergetreide durch eine Schneedecke geschützt wäre, aber: „Das kann man sich nur wünschen.“ Das sich das Wintergetreide in der Winterruhe befindet, sind Schäden bei diesen Temperaturen nicht zu erwarten. Problematischer seien Wechselfröste, wenn es nachts eiskalt ist und es am Tag taut. Der Frost hat für die Bauern sogar eine gute Seite. Die Zwischenfrüchte, vor allem der Senf, friere bei diesen Temperaturen komplett zurück und so seien die Äcker im Frühjahr leicht zu bearbeiten.
Etwas anders sieht es beim Thema Abfallentsorgung aus. „Es kommt immer wieder vor, dass Teile des Biomülls einfrieren“, betont Wolfgang Sandreuther vom Sachgebiet Abfallwirtschaft im Kitzinger Landratsamt. Wobei für die Abfuhr selber weniger der Frost als vielmehr Schnee ein Problem darstellen könnte. Ein Tipp des Experten: Küchenabfälle in Zeitungen packen. Und: Am Tag der Leerung kurz mal mit dem Spaten an der Innenwand der Mülltonne entlangfahren.
Gelichtet haben sich die Reihen beim grünen Markt am Freitagvormittag auf dem Kitzinger Marktplatz. Obst und Gemüse suchte man vergebens, verkauft wurden Fisch und Geflügel. Otto Huscher aus Rehweiler machte die Kälte wenig aus. Sein Tipp gegen die Kälte: „Liebestöter anziehen!“
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