publiziert: 27.02.2013 15:17 Uhr
aktualisiert: 01.03.2013 12:04 Uhr
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Marshall Heights spaltet Stadtrat

Stadtentwicklungsbeirat uneins – Sondersitzung des Kitzinger Stadtrats am 4. März

Nimmt die Stadt Kitzingen viele Millionen Euro in die Hand und steckt sie in die Ex-US-Wohnsiedlung Marshall Heights oder überlässt sie den 32-Hektar-Komplex einem Investor? In der Frage sei der Stadtrat „gespalten“, erklärte am Mittwoch CSU-Stadtrat Thomas Rank mit Blick auf eine gut dreistündige Sitzung des Stadtentwicklungsbeirats zum Thema.

  • Foto: Harald Meyer
    Verwaiste Wohnblocks: Die seit Mitte 2006 leer stehenden Gebäude in der Kitzinger Ex-US-Wohnsiedlung sind das Thema der Sondersitzung des Stadtrats am Montag, 4. März. Die Kardinalfrage dabei: Soll Kitzingen sein Vorkaufsrecht für das 32 Hektar große Gelände ausüben?
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Das wird am Montag (4. März, 17 Uhr) richtig heiß, wenn es bei der Sondersitzung um eine Entscheidung zum Vorkaufsrecht der Stadt geht.

Der normalerweise kleine Beirat, bei dem ausnahmsweise fast der gesamte Stadtrat mitdiskutieren durfte, tagte am Montag – wie üblich – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und traf keine Entscheidung, wie Beiratsvorsitzender Rank betonte. Lediglich ein „Meinungsbild“ sei eingeholt worden, das aber „sehr unübersichtlich“ gewesen sei. Ein Teil des Stadtrats habe die Chancen eines Kaufs der Siedlung in den Vordergrund gestellt, ein anderer Teil die Risiken der Millionen-Investition.

Stichtag: 21. Mai

Der Meinungsaustausch hinter verschlossenen Türen im Beirat sollte bei der Stadtrats-Sondersitzung am Montag zu einer Mehrheitsentscheidung führen: Schließlich muss Kitzingen bis 21. Mai der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) mitteilen, ob sie ihr „Erstzugriffsrecht“ wahrnimmt oder nicht.

Lehnt der Stadtrat den Kauf ab, könnte ihm noch das am 25. Februar gestartete Bürgerbegehren das Heft aus der Hand nehmen. Denn: Stimmen gut 1300 Kitzinger mit ihrer Unterschrift einem Bürgerentscheid über den Kauf des Geländes zu, wären dem Gremium erstmal die Hände gebunden.

Wo es im Stadtrat am Montagabend hinläuft, ist noch unklar. Die CSU werde sich klar gegen einen Kauf stellen, betonte Rank. Die Risiken des Kaufs und vor allem der deutlich teureren Sanierung der Wohnblocks und Häuser seien für die städtischen Finanzen „unwägbar“. Fachleute, auch im Stadtrat, gehen von gut 20 Millionen Euro im Minimum aus.

Finger weg vom Kauf: Diese Devise unterstützt auch die SPD-Fraktion. Wie die CSU sind auch die Sozialdemokraten dafür, das Gelände als Wohnstandort zu nutzen. Einen Bedarf für die rund 740 Wohnungen in Marshall Heights gebe es nicht, heißt es in einer Pressemitteilung. Die SPD spricht sich für eine geordnete Entwicklung des Wohngeländes durch einen Investor aus. Und dafür müsse die Stadt Baurecht schaffen.

Kein Bestandsschutz

Bei der Ausübung ihrer Planungshoheit – die SPD fordert einen Bebauungsplan für Marshall Heights – dürfe sich die Stadt nicht von der Bima behindern lassen. Schließlich gebe es aus Sicht von Verwaltungsjuristen keinen Bestandsschutz für die bestehenden Gebäude, wenn die Stadt in ihren Überlegungen eine Verkleinerung des Wohnraums für städtebaulich vernünftig halte.

Ein klares Nein zum Kauf und zum Erhalt der vielen Wohnungen kommt auch von der Ödp. Der Stadt fehle das Geld für die kostenmäßig noch völlig unklare Sanierung der Häuser, für die es auch keinen Bedarf sehe, so ein Presseschreiben. Schließlich gebe es in Marshall Heights Wohnraum für gut 2000 Einwohner, die nirgends in Sicht seien. Im Gegenteil: Bis 2029 werde eine Bevölkerungsabnahme um fünf Prozent oder gut 1000 Einwohner vorhergesagt.

Klare Kante für den Kauf des Geländes und die Erhaltung des Wohnraums zeigt die KIK-Fraktion. Die Stadt müsse bezahlbaren Wohnraum anbieten und könne zur Refinanzierung die Texashäuser und einzelne Wohnblocks an Investoren oder private Interessenten verkaufen. So argumentiert auch die Initiative Marshall Heights, die auf ihrer Internet-Seite ihre Nähe zur KIK deutlich macht und auf einen Bürgerentscheid zusteuert.

Von unserem Redaktionsmitglied Harald Meyer
    
    

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»Alle 10 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

funny (1 Kommentare) am 28.02.2013 23:50

Aufregend, wie ein Krimi

so könnte die am kommenden Montag um 17.h im Sitzungssaal des Rathauses stattfindende (öffentliche) Sondersitzung zum Thema "Marshall Heigths" werden.
Als interessierter Kitzinger verpasse ich den Kitzinger Tatort nicht, besuche diese brisante Stadtratssitzung und empfehle den Kitzinger`n dies auch zu tun.
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rima (69 Kommentare) am 27.02.2013 18:32

Wenn alles immer so einfach wäre

Karlsruhe kann man wohl nicht wirklich vergleichen, mit knapp 300.000 Einwohnern und ca. 35.000 Studenten ist Karlsruhe eine ganz andere Größenordnung als wie unser beschauliches Kitzingen.

Eine Entscheidung muß her, nur sollte diese Wohl überlegt sein!!!!!
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Y_DOM30 (14 Kommentare) am 27.02.2013 18:22

Warum nicht kaufen - Stadt KT

Wer hätte vor 20 Jahren gedacht - dass Volkach ein Zuzugsland wird.
Bei den Immobilienpreisen von Würzburg keine utopische Investition
Warum soll Kitzingen nicht wachsen - denn landauf landab fehtl
bezahlbarer Wohnraum und der ist hier möglich.
Ein ehemaliger Kitzinger
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pauluhn (30 Kommentare) am 27.02.2013 21:13

Volkach wächst auch nicht

Es würde mich für die Stadt Volkach freuen, wenn es dort einen Bevölkerungszuwachs geben würde. Laut dem bayerischen Landesamt für Statistik hat dort die Bevölkerung aber von 2001 mit 9461 EW bis 2010 auf 9151 EW, also um 3,3%, abgenommen.

Dieser Statistik kann man in der Prognose auch entnehmen, dass bis 2029 die Bevölkerung in Volkach genauso wie in Kitzingen um ca. 5,5% abnehmen soll. Und dies alles in unserem "kinderfreundlichen Landkreis". Um diesem Trend entgegen zu wirken, gehören also ganz andere Hausaufgaben dazu, als mal auf die Schnelle über 700 Wohneinheiten auf 32,5 ha am Stadtrand zu kaufen.
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pauluhn (30 Kommentare) am 27.02.2013 20:53

Es fehlt kein Wohnraum - er muss nur hergerichtet werden

Stadt und städtische Bau GmbH sind im gesamten Stadtgebiet im Besitz von ca. 800 Wohnungen. Leider sind von den ca. 200 städtischen Wohnungen z.Zt. knapp 25% nicht vermietet, da z.T. auch nicht vermietbar. Die Kitzinger Bau GmbH als 100%ige Tochter der Stadt verfügt über ca. 600 Wohnungen. Sollte der derzeitige Sanierungsstau im bisherigen (Schnecken-) Tempo weiter gehen, bräuchten wir 40 bis 75 Jahre um diesen aufzuholen.

Es gäbe in der Innenentwicklung also genug zu tun. Ganz davon abgesehen, dass das städtische Förderprogramm zur Sanierung der Häuser in der Altstadt besser beworben, ausgenutzt und ggf. aufgestockt werden sollte.
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