aktualisiert: 21.03.2011 16:54 Uhr
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LANDKREIS KITZINGEN
Schnelles Internet trifft auf Schnecken-DSL
Datenautobahn im Landkreis ist zweigespalten: Funk-DSL im Vormarsch – Telekom-Angebote umkämpft
Riesige Tempo-Unterschiede prägen den Verkehr auf der Datenautobahn im Landkreis Kitzingen. Während viele kleinere Orte im Schneckentempo durchs Internet kriechen (müssen), geben andere Gas: Beispielsweise Prichsenstadt, Großlangheim und Albertshofen, die am Montag offiziell auf die Breitband-Überholspur gingen.
Allen drei Orten gemeinsam: Hier gibt's „Überall-DSL“ – ein Angebot der Mittelständischen Kabel-Holding GmbH (MKH), das die Eichfelder Firma Emotec an die Kunden bringt. Für die ist der Datentransport per Funk deshalb interessant, weil die DSL-Lösung für die Gemeinde zum Nulltarif zu haben ist. Im Gegensatz zu den Telekom-Angeboten. Beispielsweise Großlangheim hätte laut Bürgermeister Karl Höchner gut 300 000 Euro auf den Tisch blättern müssen, um bei dem Kommunikations-Riesen ans Glasfaserkabel zu kommen.
Der Charme vom kostenlosen – nur für die Gemeinde – „Überall-DSL“ haben Emotec und MHK massiv Aufträge beschert. Prichsenstadt mit allen Ortsteilen (rund 100 Kunden), Großlangheim und Albertshofen (jeweils rund 25), Eichfeld und Teile von Rimbach sind laut Emotec-Chef Michael Motz inzwischen am Funknetz. In Planung seien Biebelried, Sommerach und Wiesenbronn.
Weil die Telekom als Netzbetreiber meist nur dort tätig wird, wo es sich lohnt, schlüpft MKH mit Emotec in diese Versorgungslücke. Der Landkreis Kitzingen sei ein Schwerpunkt der Firmenaktivitäten, betonte MKH-Geschäftsführer Ulrich Heynmöller. Runde 15 000 der Kreisbürger könnten mit Ü-DSL versorgt werden – bei einem Datentempo von 4000 oder 10 000 Mbit pro Sekunde.
DSL zum Nulltarif für Gemeinde
Den beschleunigten Datenfluss in der Gemeinde-EDV hat Großlangheims Bürgermeister schon bemerkt. Allerdings sind für Höchner beim Funk-DSL zwei Punkte entscheidend. Nummer eins: Die Gemeinde musste kein Geld in die Hand nehmen. Zweitens: Die Bürger sollen mit der Internet-Lösung zufrieden sein.
DSL-Frust gibt's woanders – beispielsweise in Iphofen oder Willanzheim, wo Bürgermeisterin Ingrid Reifenscheidt-Eckert ihrem Ärger im Mitteilungsblatt Luft machte. Was sie nervt: Beim Breitband-Zuschuss stellt sich die Regierung von Unterfranken quer, weil sich der Gemeinderat für die Telekom entschieden hat. Die ist zwar 50 000 Euro teurer als ein Richtfunk-Konkurrent, hat aber aus Sicht der Gemeinde das „insgesamt wirtschaftlichere und zukunftsweisendere“ Angebot.
Hauptargument von Reifenscheid-Eckert: Die Kunden des Mitbewerbers müssten deutlich mehr zahlen, als die der Telekom. Dies müsse in die Wirtschaftlichkeitsberechnung der Regierung mit einfließen. Es dürfe nicht alleine die Maxime gelten, nur das für die jeweilige Gemeinde billigste Angebot für zuschussfähig zu erklären. Weil aber bislang Breitbandantrag wirkungslos auf eine bürokratische Mauer prallt, hat Reifenscheid-Eckert jetzt die Politik eingeschaltet – mit Schreiben an Innenstaatssekretär Gerhard Eck, Abgeordnete und Landrätin Tamara Bischof.
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Die neuesten Kommentare
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stoeberhai (113 Kommentare) am 24.03.2011 00:15
ZweiklassengesellschaftDen drei Kommentatoren stimme ich voll zu!Die Aufgabe des Staates für eine flächendeckende, dem Stand der Technik entsprechende Daten- und Kommunikationsinfrastruktur zu sorgen kommt dieser nicht nach, sondern schiebt auf dem Lande diese Belastung zusätzlich auf den Steuerzahler ab, der dann eine teuere Insellösung vorgesetzt bekommt, die er selbst finanzieren muß und die zudem eben nicht einmal dem Stand der Technik entspricht. So entsteht auch hier eine Zweiklassengesellschaft. Bei der nächsten Kommunal- und Landtagswahl werde ich mich "bedanken". |
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mayer1 (135 Kommentare) am 22.03.2011 13:30
Entwicklungsland DeutschlandBis die letzten Ort in Landkreis Kitzingen einen vernünftigen Internet-Zugang haben, ist die Technologie schon zwei Generationen weiter.In Estland gibt es z.B. ein flächendeckendes WLAN-Netz und einen kostenlosen Zugang zum Internet für alle. Das ist übrigens ein Grundrecht aller Esten und seht in der Verfassung. |
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werkstatt (55 Kommentare) am 22.03.2011 11:15
Kosten!Die Gemeinde musste kein Geld in die Hand nehmen.Ist schon von Vorteil, denn der Kunde zahlt die Zeche, da der an den Anbieter und den Preis gebunden ist. Zweitens: Die Bürger sollen mit der Internet-Lösung zufrieden sein. Das wird man sehen. Drittens reduziert sich die Bandbreite je mehr Nutzer online sind. |
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neutralCitizen (11 Kommentare) am 22.03.2011 08:54
Kleiner Fehler4000 bis 10000 MBit/s (sic!) für 15000 Kunden? Der Titel des Artikels hätte dann wohl eher "Kabel-Holding bricht Weltrekord in der drahtlosen Datenübertragung" lauten müssen. |
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