publiziert: 06.09.2007 17:55 Uhr
aktualisiert: 12.09.2007 12:51 Uhr
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Seemann In Marktbreit: Die Kunst wird zur Bürgersache Bilderserie!

Die Skulpturen Karl-Henning Seemanns haben Spuren hinterlassen

Karl-Henning Seemann ist ein Menschendarsteller. Und auf seine Art auch ein Menschenfänger. Das, was seine Kunst in Marktbreit bewirkt hat, reicht weit. Sie ist zum Gesprächsthema der Leute geworden. Mit seinen lebensgroßen Skulpturen ist der Bildhauer-Professor den Marktbreitern auf die Pelle gerückt. Gut gemacht!

    
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Karl-Henning Seemann
Karl-Henning Seemann
Karl-Henning Seemann
Karl-Henning Seemann
Die Seemann-Skulpturen
Skulpturen in Marktbreit
06.09.2007
    

Vorm Kaiser in der Marktbreiter Marktstraße ist Stau. Eine Gruppe Radtouristen hat die hochgewachsene Gestalt als Fotomotiv entdeckt. „Maria, gib ihm doch ein Küsschen“, fordert ein Mann in kurzen Hosen. Maria folgt aufs Wort. Die Mitvierzigerin schmust sich an den Kaiser heran und drückt ihm einen Schmatz auf die morgenkühle Haut aus Bronze. Klick. Die Nächste bitte.

Am 29. ist Schluss

Der studierte Bildhauer Karl-Henning Seemann aus Löschgau – rund 450 Kilometer von Marktbreit entfernt – hätte seine Freude an der Szene. Den Kaiser hat er vor 20 Jahren gemacht. Seit Mitte März stehen knapp 20 seiner lebensgroßen Figuren in den Winkeln und Gassen der Stadt. Leider nicht mehr lange. Am 29. September ist Schluss. Dann geht die bemerkenswerte Freiluft-Ausstellung, die die Altstadtfreude im Marktbreiter Heimatverein organisiert haben, zu Ende.

„Sie hat dem Ort ganz gut getan“, resümierten Claus-Peter Berneth und Christiane Berneth am Donnerstag. Die Marktbreiter auf den Straßen klingen da euphorischer. „Ich war am Anfang skeptisch. Jetzt bin ich traurig, dass die Werke wieder weg müssen“, sagt ein Mann um die 70, der seinen Namen zwar nicht sagen möchte, aber will: „Schreiben Sie das unbedingt in die Zeitung rein.“ Die Seemann-Figuren haben Spuren hinterlassen.

Auffällig, nicht dominierend

Sie stehen nicht nur auf Plätzen, in Winkeln und Straßen. Kreuzigungsgruppen und sakrale Gegenstände prägen den Raum in und vor der evangelischen Kirche St. Nikolai. Kleinskulpturen und Zeichnungen des Künstlers sind in Rathaus, Schloss, Sparkasse, Tourist-Info und Ladengeschäften ausgestellt. „Auffällig, aber nicht dominierend“, bringt es Christiane Berneth auf den Punkt. In Marktbreit ist Kunst zur Bürgersache geworden.

Der Hintergrund des Ganzen ist, dass es „Artbreit – Das Kunstfest“ seit 2004 im Zweijahres-Rhythmus gibt. „Artbreit intermezzo, das Kunstereignis dazwischen“ haben die Altstadtfreunde zu den Feierlichkeiten „450 Jahre Marktrecht“ auf die Beine gestellt. Mit Nachwirkung.

Kunst ist in Marktbreit nicht nur zum allgemeinen Gesprächsthema geworden. Es gibt viele in der Stadt, die auch nach dem 29. September Seemann nicht missen möchten. Im Fokus ist der „Ohrkratzer“, der 1982/83 entstanden ist und der am Rathaus steht.

Manche Marktbreiter nennen die Figur auch „Lauschangriff“ – aber das ist eine andere Geschichte. Die dickbauchige Figur in Denkerpose soll eingebürgert werden. „Jede Spende, egal ob groß oder klein, bringt uns dem Ziel näher“, schreibt Achim Rhein für die Altstadtfreude.

Das Ziel: Die Bronzeskulptur wird von Seemann neu geschaffen. Sprich: eine Ohrkratzer-Version nur für Marktbreit. Kostenpunkt des Ganzen: schätzungsweise 40 000 Euro. Die Unterstützung in der Bevölkerung für den Ankauf ist groß. Marktbreiter Persönlichkeiten, Institutionen und Geschäftsleute spenden für die Figur. Viele Kleinspenden kommen dazu. In der Tourist-Info und im Museum stehen Sparschweine. Auch ein ehemaliger Marktbreiter aus den USA hat Geld überwiesen. Wer mit dabei sein möchte: Sparkasse Mainfranken, Kontonummer 181818, Bankleitzahl 79050000 und VR Bank Kitzingen, Kontonummer 1414143, Bankleitzahl 79190000.

Karl-Henning Seemann, Jahrgang 1934, ist vor allem durch seine Skulpturen und Brunnen im öffentlichen Raum bekannt geworden. 1972 wurde er an die Fachhochschule Aachen berufen, und von 1974 bis 1999 war er Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Seemann lebt und arbeitet in Löchgau. Und lässt sich hoffentlich noch mal in Marktbreit blicken ...

Von unserem Redaktionsmitglied Regina Krömer
    
    

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