publiziert: 06.12.2013 14:38 Uhr
aktualisiert: 06.12.2013 14:39 Uhr
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Sie sollte sterben für ihr Glück

Die einstige Muslimin Sabatina James erzählt von Zwangsheirat, Gewalt und Verfolgung durch ihre Familie
  • Foto: MICHAEL KÄMMERER
    Autogramme beim Landfrauentag: Sabatina James (links) signiert ihre Bücher.
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Ausverkauft. Und das innerhalb einer Dreiviertelstunde. Die beiden Buchhändlerinnen konnten nur noch mit den Achseln zucken. Sämtliche Exemplare waren vergriffen. 75 an der Zahl. Es musste gute Werbung gegeben haben, die den Ansturm auf den kleinen Bücherstand im Foyer der Veranstaltungshalle ausgelöst hatte. Es war die herzzerreißende Geschichte einer jungen, selbstbewussten Frau, die als Muslimin den Mut besaß, sich von den Fesseln ihrer Religion und ihrer Familie zu befreien und zum Christentum überzutreten.

Sabatina James nennt sich die 31-jährige Österreicherin mit den pakistanischen Wurzeln, die ihre Erlebnisse in Büchern mit Titeln wie „Sterben sollst du für dein Glück“ und „Nur die Wahrheit macht uns frei“ aufgeschrieben hat. Es geht um Verfolgung, Bedrohung und Gewalt. Und um die im Islam verbreitete Zwangsheirat. James wisse, was das bedeutet, wie sie auf dem Landfrauentag in Kitzingen in ihrem Vortrag erzählt, der ihr Schicksal wiedergeben soll. Sie verbringt die ersten zehn Jahre in einem Dorf in Pakistan, lernt Teile des Korans auswendig und muss ihr Leben in einer tiefreligiösen Familie ganz nach der Lehre des Propheten Mohammed ausrichten.

Blusen und Lippenstifte

Später findet der Vater Arbeit in Österreich, und in der neuen Welt beginnen die Probleme für Sabatina. Da ist der Schwimmunterricht, der nach Ansicht der Eltern zu viel Haut entblößt. Da sind die Blusen, die engen Hosen und die Lippenstifte, die das junge Mädchen begeistern und für die sie von ihrer Mutter Prügel bezieht. Sabatina nimmt den westlichen Lebensstil an und gerät damit immer stärker in den Konflikt zwischen zwei Kulturen. Als sie 16 ist, meldet sich ihre Tante aus Pakistan. Sabatina war seit der Geburt ihrem Cousin zur Heirat versprochen. Unter dem Druck der Familie lässt sie sich zu einem Urlaub in ihrem Heimatland überreden.

Als der Teenager sich gegen die Ehe weigert, nimmt man ihr den Pass ab und schickt sie bis auf die Augen verschleiert in eine Koranschule, damit sie wieder auf die islamischen Werte von Ehre und Familie getrimmt wird. Sabatina kommt sich vor wie in einem Gefängnis. Zum Schein stimmt sie der Heirat mit ihrem Cousin zu, nur um wieder nach Österreich ausreisen zu dürfen. Dort kommt es endgültig zum Bruch mit der Familie, der Kultur und der Religion. Sabatina begeistert sich für den christlichen Glauben, liest in der Bibel und wird katholisch. Daraufhin spricht der Vater das Todesurteil gegen sie aus. Um dem Ehrenmord durch ihre Familie zu entgehen, taucht sie unter, erst in Linz, später in Wien, jetzt in Deutschland.

„Meine Eltern sind keine Fundamentalisten, keine bösen Menschen“, sagt James ganz unaufgeregt. „Sie versuchen nur, ihrer Kultur und Religion treu zu sein.“ Bis heute ist Sabatina James wegen islamkritischer Äußerungen auf der Flucht. Sie lebt im Opferschutz und wechselt zur Sicherheit regelmäßig ihre Wohnungen. Vor zehn Jahren veröffentlichte James ihr erstes Buch, das in Österreich Aufsehen erregte und es dort in die Bestsellerliste schaffte. 2006 gründete sie einen Verein, Sabatina e. V., mit dem sie gegen die Unterdrückung muslimischer Frauen und deren Zwangsverheiratung auch in Deutschland kämpft. Die Spenden, die sie bei Vorträgen sammelt, helfen ihr. In Kitzingen bei den Landfrauen und Ortsbäuerinnen kommen 1700 Euro zusammen.

Vorwürfe haltlos

James' Geschichte ist schon in den großen Nachrichtenmagazinen erschienen, im Spiegel und im Focus, wo ihr Gesicht auf dem Titel zu sehen war. Sie saß in Fernsehsendungen und sprach vor Bundestagsabgeordneten. Die Internetsuchmaschine Google findet unter ihrem Namen über 200 000 Einträge, darunter auch kritische Stimmen. Der Vorwurf: James vermarkte sich nur, sei vor allem auf Geld und Prominenz aus. Auch österreichische Medien zweifelten einst an ihrer Glaubwürdigkeit, schrieben von Ungereimtheiten in ihrem Lebenslauf, gerade nachdem in einer Zeitschrift Erotikfotos von ihr aufgetaucht waren, die sie später gerichtlich verbieten ließ.

Dass ihre Biografie den Tatsachen entspreche, bekräftigt James. Aus der persönlichen Verfolgung durch ihre Familie wurde in den vergangenen Jahren eine juristische. Ihr Vater habe sie in der Presse als Lügnerin hingestellt und versucht, ihr Buch zu verbieten. Doch die Vorwürfe seien haltlos, sagt sie und verweist auf ein Gerichtsurteil von 2005.

Von unserem Mitarbeiter Michael Kämmerer
    
    

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