publiziert: 09.07.2012 16:02 Uhr
aktualisiert: 11.07.2012 12:01 Uhr
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Teurer als Marmor und Sandstein

Das Kirchschönbacher Kriegerdenkmal zeugt von Wohlstand und Stolz
  • Mächtig: Hans-Jakob Gehring vor dem Kriegerdenkmal in Kirchschönbach.
    Foto: Andreas Stöckinger
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Es muss ein bedeutender Tag für das kleine Dorf Kirchschönbach gewesen sein, als am 14. Juli 1912, vor 100 Jahren, das mächtige Denkmal direkt am Ortsausgang enthüllt und eingeweiht wurde. „Das gab es in näherer und weiterer Umgebung nicht“, schreibt die Chronik des Dorfes zu dem Stein, der bereits vor den beiden Weltkriegen als Kriegerdenkmal aufgestellt wurde.

Das beinahe fünf Meter hohe Monument, das der Kriegerverein damals mit Hochamt, Ehrenjungfrauen, Marschmusik und Festtreiben einweihte, wurde extra aus sogenannten Portland Cement in Wetzlar gefertigt. Erst dieser Tage stieß der Kirchschönbacher Hans-Jacob Gehring im Internet auf eine Postkarte von dem Festtag 1912, die er ersteigerte. Darauf bedankt sich der Verein bei der Firma Portland für die Herstellung und Lieferung des exklusiven Materials. „Ein Kunststein aus Portland Zement war damals etwas Besonderes, teurer als Marmor und Sandstein“, berichtet Gehring.

Mit dem Sand, der als Abfallprodukt bei der Eisenherstellung abfiel, fertigte die Spezialfirma das Denkmal. Solch einen teuren Stein leistete sich damals das kleine Dorf, das zu dieser Zeit „ein prosperierender Ort war. Es gab 23 bis 25 Handwerksbetriebe, zwei Gasthäuser, eine für den Ort eigentlich viel zu große Kirche, die Schule, das Raiffeisen-Unternehmen, das Schloss. Damals herrschte richtige Aufbruchstimmung“, weiß Gehring.

Er ist Vorsitzender des „Cunst und Cultur Vereins Schönbach e.V.“, der sich unter anderem mit der Geschichte befasst. Gehring faszinieren die kleinen und großen Geschichten seines Heimatortes, bei denen er immer wieder auf ungewöhnliche Details stößt. Das Monument sollte, so Gehring, der Schlussstein sein, „um zu zeigen, wir sind ein großes Dorf, wir sind was.“

Zudem sei es, so Gehring, zu dieser Zeit höchst ungewöhnlich gewesen, ein Kriegerdenkmal außerhalb der Kirche und in einer derartigen Dimension zu errichten. Am damals zentralen Platz, an dem die Straße nach Geesdorf und in Richtung Prichsenstadt sich gabelte, wurde das Monument aufgestellt und hat auch heute noch dort seinen Platz. Später wurde es ergänzt mit Tafeln, auf denen die Kirchschönbacher eingemeißelt sind, die in den Weltkriegen an der Front ums Leben kamen. Als Inschrift wurde für den Stein gewählt: „Gott war mit uns, ihm sei die Ehre. In Treue fest! Hl. Sebastian! Patron der Krieger, bitt für uns.“

Zur Feier des 100-jährigen Jubiläums haben die Kirchschönbacher vor, am Sonntag, 14. Juli eine Feierstunde abzuhalten. Der Beginn ist um 17 Uhr geplant, eine Andacht in der Kirche bildet den Auftakt. Die Blechbläser der Pfarrgemeinde werden die musikalische Untermalung übernehmen, Organist wird Egon Angler sein. Dem kirchlichen Teil schließt sich ein gemütliches Beisammensein im Gasthaus in Kirchschönbach an. Extra dazu wird die Speisekarte typische Gerichte aus der Zeit um 1912 bieten. Ein Teil des Erlöses wird für eine Ausstellung verwendet, die im September sein wird.

ast
    
    

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