aktualisiert: 14.03.2010 15:43 Uhr
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MAINSTOCKHEIM
Vortrag über Biotech-Seilschaften zeigt: Es geht um viel Geld
Jörg Bergstedt in Mainstockheim zu Filz und Lobbyismus in der deutschen Gentechnik
(ro) Gespante Ruhe herrscht derzeit an der Agro-Gentechnikfront. Das im Landkreis Kitzingen erfolgreiche Aktionsbündnis gegen die grüne Gentechnik scheint fast ein wenig in den Winterschlaf gefallen zu sein. Der Vortrag über die Biotech-Seilschaften von Jörg Bergstedt am Samstagabend in Mainstockheim zeigte allerdings: Das Interesse in der Bevölkerung ist durchaus gegeben.
Die gefühlte Lage
„Die gefühlte Lage zur Agro-Gentechnik sieht so aus, als wäre das Thema politisch gegessen“, sagte denn auch Hans Plate, an diesem Abend Vertreter von Bündis90/Grüne und zusammen mit Jens Pauluhn (ödp) Veranstalter, bei der Begrüßung. Doch der Schein ist trügerisch: Der Anbau der Genkartoffel Amflora könnte durchaus genehmigt werden. Und dass Genmais Mon 810 „durch die Hintertüre 2011 wieder kommt“, sei ebenso wenig ausgeschlossen.
80 Prozent der Bevölkerung, das zeigen seit langem stabile Umfragewerte, sprechen sich gegen Gentechnik auf den Feldern und in Lebensmitteln aus, nur sechs Prozent befürworten das. Warum trotzdem Steuergelder vor allem in die Gentechnik fließen, wenn es um landwirtschaftliche Forschung geht, das zeigte Jörg Bergstedt in seinem Vortrag auf. Der Hauptgrund für ihn: Es geht dabei um viel Geld.
Einbindung in Konzerne
Um an diese Gelder des Staates zu kommen, hätten sich seit Jahren enge Seilschaften zwischen Behörden, der Forschung und den Gentechnikkonzernen gebildet. Alle relevanten Posten in den zuständigen Behörden seien zwischenzeitlich mit Gentechnikbefürwortern besetzt, viele von ihnen seien auch in die Konzerne eingebunden. Unter anderem warf Bergstedt dabei ein Schlaglicht auf das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, BVL. Diese Behörde ist zuständig für die Genehmigung der Anträge auf gentechnische Nutzung in der Landwirtschaft. Bislang, so Bergstedt, sei vom BVL noch kein Antrag abgelehnt worden. Den Grund dafür hat er auch schnell gefunden: Die Entscheidungsträger in der Behörde würden sich alle als Befürworter der Gentechnik bekennen, dies auch öffentlich und „sind eingebunden in ein Geflecht von Lobbyorganisationen und Gentechnikkonzernen“. Auch wenn das bereits mehrmals öffentlich in verschiedenen Medien bekannt gemacht worden sei: Konsequenzen habe die Politik daraus keine gezogen.
Und Geld fließe, so Bergstedt, reichlich: Alleine 2009 gingen aus staatlichen Töpfen 165 Millionen Euro in die Biotechnologieforschung. Dabei werde, so unterstellte Bergstedt auch, gar nicht geforscht, die Felder blieben weitgehend sich selber überlassen. Und von Seiten des Verbraucherschutzes in der Politik werde dagegen auch nichts unternommen, egal, ob die zuständigen Minister im Verbraucherschutzministerium Künast, Gabriel oder Aigner heißen.
Neben dem schnellen Geld aus den Fördermitteln sieht Bergstedt einen weiteren Grund für die Forschungsvorhaben: Einmal ausgekreuzt, sei gentechnisch verändertes Erbgut in der Natur nicht mehr einfangbar. Versuchsfelder würden also nicht von ungefähr in der Nähe der Saatgutbanken angelegt. Bislang sortenreines Saatgut könnte dadurch mit genmanipulierten gekreuzt werden. In der Folge hätte sich die Diskussion über gentechnisch veränderte Pflanzen erübrigt – da es gar keine anderen mehr gibt.
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