publiziert: 30.07.2008 13:21 Uhr
aktualisiert: 31.07.2008 17:20 Uhr
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Wallfahrt auf 360 Quadratmetern: Dettelbach eröffnet ein Museum im Kulturzentrum

Die Stadt Dettelbach und Diözese Würzburg eröffnen am Freitag, 1. August, das neue Wallfahrts- und Pilgermuseum „Pilger- und Wallleut'“. Auf 360 Quadratmetern gibt das Museum im neuen Kultur- und Kommunikationszentrum (KUK) der Stadt, das zeitgleich eingeweiht wird, Einblicke in die Pilgerschaft als menschliches Phänomen, in die großen Pilgerfahrten und besonders in die Wallfahrt in Franken.

  • Historie trifft Moderne: Im Wallfahrtsmuseum sind Kunstwerke aus mehreren Epochen bis zur Gegenwart zu finden. Auch eine Abteilung mit „Wallfahrts-Kitsch“ fehlt nicht. Beleuchtet werden verschiedene Aspekte der Wallfahrtsgeschichte.
    FOTO Torsten Schleicher
Bild von

„Wir stellen die Dettelbacher Wallfahrt in das Gesamtphänomen von Pilgerschaft und Wallfahrt und machen deutlich, dass sie Teil einer großen Bewegung ist“, sagte Kunstreferent Domkapitular Jürgen Lenssen beim ersten Gang durch das neue KUK und die Ausstellungsräume. Das Wallfahrtsmuseum zwischen historischem Rathaus und Stadtpfarrkirche Dettelbach reiht sich ein in die Museumslandschaft der Diözese Würzburg mit den Museen in Astheim, Gerolzhofen, Oberschwappach, Tückelhausen und Würzburg, teilt der Pressedienst des Ordinariats (pow) mit.

In den 1990er Jahren habe man zunächst ein Wallfahrtsmuseum im Franziskanerkloster Dettelbach neben der Wallfahrtskirche Maria im Sand errichten wollen, sagte Lenssen. Mit dem Neubau des KUK Dettelbach habe sich dann ein neuer Standort für das Museum ergeben.

Touristischer Anziehungspunkt

„Damit erhält Dettelbach einen weiteren touristischen Anziehungspunkt. Als kleines Museum bietet es die Chance, das Thema Wallfahrt in einer Stunde zu erkunden“, betonte Lenssen. Das Wallfahrtsmuseum im Ober- und Dachgeschoss des Bau-mannschen Hauses und in den beiden Obergeschossen des Neubaus schlägt eine Brücke vom heiligen Ort Bet El des Alten Testaments bis hin zur Wallfahrt heute. Die Palette der Kunstwerke reicht von Arbeiten Tilman Riemenschneiders bis hin zu zeitgenössischer Kunst zum Thema Pilgerschaft. Viele Ausstellungsstücke stammen aus der Kunstsammlung der Diözese. Andere wurden hinzugekauft oder sind Stiftungen und Leihgaben. Begrüßt wird der Besucher von einer Glasvitrine, in der über 20 Paar abgelaufene Pilgerschuhe die Strapazen einer Wallfahrt vor Augen führen.

Der Gang durch das Museum ist in vier Hauptthemen unterteilt: Unter „Pilgerschaft“ sind Ausstellungsstücke mit biblischen Bezügen, zum Pilgern allgemein und zu den Hauptwallfahrtsorten Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela zu finden.

Vom Mittelalter bis heute

Der zweite Themenbereich behandelt die „Wallfahrt in Franken“ vom Mittelalter bis heute. Reliefs, Kruzifixe, Gebetbücher, Holzschnitte und Stiche lassen in die Tradition fränkischer Wallfahrten blicken. Weiter finden sich Informationen zur Verehrung der Frankenapostel und zur Kilianswallfahrt. Votivtafeln und Wachspuppen zeugen von Gnadenerweisen am Wallfahrtsort.

Der Wallfahrt nach Dettelbach ist ein eigener Themenbereich gewidmet. Werden, Wesen und Entwicklung einer fränkischen Wallfahrt durch die Zeiten werden aufgezeigt. Besonders geht die Ausstellung dabei auf das Motiv der Schmerzensmadonna ein, der Muttergottes, die ihren toten Sohn auf dem Schoß hält. Neben einem der ältesten Exponate, Tilman Riemenschneiders Vesperbild „Dettelbacher Typus“ aus der Zeit nach 1510, weisen moderne Kunstwerke auf das Leid der Mütter angesichts ihrer toten Söhne hin: Von Nikolai Peremischlew stammt das Leinwandgemälde „Pieta“ von 1993, von Susanne Storch eine Interpretation aus dem Jahr 2004 und von Rainer Stoltz die „Pieta – Hommage Matthias Grünewald“.

Das vierte Themengebiet im Dachgeschoss des Baumannschen Hauses widmet sich schließlich den Devotionalien. Die am Gnadenort erworbenen Andenken und Mitbringsel sind Zeugnisse für die Frömmigkeit der jeweiligen Zeit, aber auch für den wirtschaftlichen Aspekt einer florierenden Wallfahrt: Kerzen, Figuren, Rosenkränze sowie Gnaden- und Andachtsbilder. „Manches geht hier in den Bereich des Kitsches hinein – doch das gehört auch zur Wallfahrt“, sagte Lenssen.

Im Blickpunkt

Programm zur Eröffnung des KUK Die Eröffnung des neuen KUK und des Wallfahrtsmuseums in Dettelbach wird vom 1. bis 3. August mit Tagen der offenen Tür und einem Marktplatzfest gefeiert. Offizieller Festakt ist am Freitag, 1. August, ab 14 Uhr. Das KUK mit dem Museum „Pilger und Wallleut“ ist ab 15. August täglich von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr (sonntags 14 bis 16 Uhr) geöffnet. Vom 4. bis 14. August ist es wegen noch zu erledigender Restarbeiten nur von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen: Tourist-Information Dettelbach, Tel. (0 93 24) 35 60, tourismus@dettelbach.de, Internet www.dettelbach.de und www.wallfahrt.bistum-wuerzburg.de

Dettelbach-Wallfahrt

Die Wallfahrtskirche Maria im Sand in Stadt Dettelbach ist jährlich Anziehungspunkt für rund 8000 Pilger, die vorwiegend aus den Bistümern Würzburg und Bamberg kommen. Die Wallfahrt geht auf eine Kirchweihschlägerei in Melkendorf bei Bamberg zurück, als ein lebensgefährlich Verletzter nach Dettelbach zu einem Bildstock pilgerte und vollständig geheilt wurde. Zum Schutz der zahlreichen Opfergaben der Gläubigen wurde nahe einer Hütte eine steinerne Kapelle (1506) errichtet. 1613 wurde die Kirche durch auf die noch heute bestehende Größe erweitert. Bauherr war der Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn. Direkt neben der Kirche errichtete man das Dettelbach, um dem Pilgerstrom Platz zu bieten.

    
    

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