publiziert: 28.09.2011 15:13 Uhr
aktualisiert: 28.09.2011 15:24 Uhr
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Weltschulmilchtag: Landwirtschaft zum Anfassen

Am Weltschulmilchtag lernen Kinder, dass Kühe nicht wie in der Werbung lila sind

Arthur staunt. Während die anderen munter weiterschütteln, hat sich in seinem Einmachglas früh ein kleiner weißer Klumpen gebildet, der nun in einer durchsichtigen Flüssigkeit schwimmt. Arthur kritzelt seinen Namen auf den Deckel des Glases und stellt es in einen Karton. Zwei Stunden später sitzt er am Tisch und streicht sich die feste Masse aufs Brot. Arthur weiß jetzt, wie man aus Milch Butter macht.

  • Streicheln erlaubt: Ein Hängebauchschwein genießt die menschliche Liebkosung. Es ist Teil des Erlebnisprogramms zum Weltschulmilchtag auf dem Bauernhof der Familie Stierhof.
    Foto: Eike Lenz
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Arthur staunt. Während die anderen munter weiterschütteln, hat sich in seinem Einmachglas früh ein kleiner weißer Klumpen gebildet, der nun in einer durchsichtigen Flüssigkeit schwimmt. Arthur kritzelt seinen Namen auf den Deckel des Glases und stellt es in einen Karton. Zwei Stunden später sitzt er am Tisch und streicht sich die feste Masse aufs Brot. Arthur weiß jetzt, wie man aus Milch Butter macht.

38 Zweit- und Drittklässler aus der Volksschule Albertshofen haben den Weltschulmilchtag am Mittwoch bei der Erlebnisbäuerin Irma Stierhof in Dornheim verbracht. Sie lernen dort, wie die Milch von der Kuh zum Verbraucher findet. Sie sollen aber auch ein Gespür für die Arbeit und Abläufe auf dem Bauernhof bekommen. Wie wird aus Milch Sahne und aus Sahne Butter? Was frisst eine Kuh? Und wie packt man die Kuh am Euter, um sie zu melken?

„In großen Milchviehbetrieben ist heute vieles stärker technisiert“, sagt Thea Schlesinger, seit einigen Jahren die Schulmilchbeauftragte beim Kitzinger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Kleinere Höfe wie der von Irma und Walter Stierhof im Iphöfer Stadtteil Dornheim sind eher die Ausnahme.

Sie setzen auf Vielfalt, die Milchwirtschaft ist nur eines von mehreren Standbeinen, das ihnen in Zeiten des weit verbreiteten Wandels in der Landwirtschaft Halt bietet. Daneben beackern sie ein in Unterfranken weitgehend brachliegendes Feld: Ihr Betrieb ist nicht nur Produktionsstätte, sondern auch Lernort, an dem sich Landwirtschaft mit allen Sinnen erfahren lässt.

Irma Stierhof hat sich als eine der Ersten in Unterfranken zur „Erlebnisbäuerin“ ausbilden lassen und damit eine Idee des Freistaats aufgegriffen. „Wir haben vor fünf Jahren überlegt, dass es nicht für jeden Landwirt Ziel sein kann, auf Größe zu gehen“, sagt Kurt Kleinschnitz, Direktor des Landwirtschaftsamts in Kitzingen.

„Unser Gedanke war, die Landwirtschaft den Leuten näher zu bringen und da am besten bei den Kindern anzufangen.“ Aus diesem Standard haben sich Bauernhöfe entwickelt, die mit dem Dreiklang werben: lernen, erleben, aktiv sein. Fünf solcher Höfe gibt es derzeit in Unterfranken, nur einen im Landkreis.

So ist Irma Stierhof jedes Jahr zum weltweiten Schulmilchtag Gastgeberin für eine exemplarische Klasse, die bei dieser Gelegenheit auch noch die hintersten Winkel eines Bauernhofes ausleuchten sollen, um ihr Wissen zu vertiefen. Hängebauchschweine und Ziegen kreuzen dabei ihren Weg, und im Stall stehen Seite an Seite die Rinder, die kräftig grünes Heu zu fressen kriegen. Schulmilchbeauftragte Thea Schlesinger registriert schon seit Jahren, dass an bayerischen Schulen im-mer weniger Milch getrunken werde. „Früher gab es Milch dort kostenlos. Da waren Eistee oder all die anderen gezuckerten Getränke noch nicht so verbreitet.“

Für Landwirtschaftsdirektor Kleinschnitz steckt dahinter eher ein organisatorisches Problem: Die Pause sei schlicht zu kurz, um alle Schüler mit der täglichen Ration Milch zu versorgen. An der Menge fehle es jedenfalls nicht. Immerhin, so sagt Thea Schlesinger erleichtert, habe auf die Frage nach der Farbe einer Kuh noch keiner mit „lila“ geantwortet. Das liege wohl daran, dass im eher ländlich strukturierten Landkreis Kitzingen viele der Schüler Kühe schon einmal in natura erlebt hätten und nicht bloß aus der Werbung kennen. Dass Milch gerade in der Wachstumsphase wichtig und so vollwertig ist wie kaum ein anderes Nahrungsmittel, wüssten aber noch nicht alle.

Als die Kinder sich am Mittag ihre selbst gemachte Butter aufs Brot streichen, tun sie es im Bewusstsein, dass es gerade in der Nahrungskette vieler Glieder bedarf, damit etwas frisch auf den Tisch kommen kann. Der Unterrichtstag auf dem Bauernhof hat ihre Sinne dafür geschärft – in jeder Hinsicht.

Von unserem Redaktionsmitglied Eike Lenz
    
    

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