publiziert: 07.02.2012 16:53 Uhr
aktualisiert: 07.02.2012 17:10 Uhr
» zur Übersicht Kitzingen
    
    
Artikel
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text HERRNSHEIM
Wie Bürger die Windenergie nutzen können

Bauernverband Herrnsheim informierte über das Vorgehen beim Bau eines Windrades
  • Bis ein Windrad steht, ist es ein langer Weg.
    Foto: Obermeier
  • Standen den interessierten Bürgern in der Marktschänke Rede und Antwort: (von links) Wilfried Florio (Windenergie-Projekt), Johannes Funke (BBV-Landsiedlung), Stefan Lochmüller (n-ergie Unternehmensentwicklung) und Volker Laudien (n-ergie Netzbetrieb).
    Foto: Guido Chuleck
Bild von
2 Bilder

„Goldgräberstimmung!“ Mit diesem Begriff verglich Johannes Funke den gegenwärtigen Wirbel um Windräder und andere erneuerbare Energien. Der Mann von der Landsiedlung des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), einer Gesellschaft zur betrieblichen Unterstützung der bayerischen Landwirte, sagte das bei der Informationsveranstaltung rund um die „Windenergienutzung in Bürgerhand“ in Herrnsheim. Um Bürger über Hintergründe zu informieren, hatte der BBV-Ortsverein zu dieser Infoveranstaltung in die Marktschänke eingeladen.

Gut 110 Zuhörer erfuhren von vier Referenten, dass es von der ersten Idee einer Windradanlage bis zum Bau und Betrieb ein weiter Weg ist. Zunächst, erklärte Johannes Funke, muss ein Windplan erstellt werden, ob am potenziellen Standort in 138 Metern Höhe, der durchschnittlichen Höhe von Windradnaben, überhaupt genügend Wind weht.

Danach muss die Kommune entscheiden, ob das Vorhaben genehmigungsfähig ist. Ein Windgutachten wird erstellt, die Wirtschaftlichkeit geprüft, und nach mehreren zum Teil öffentlichen Versammlungen könnte dann eine Gesellschaft gegründet werden, die die Anlage betreibt. Zwischengeschaltet ist auch ein Artenschutzgutachten, dessen Erstellung eine Vegetationsperiode, also ein Jahr, dauert.

Schattenwurf und Regionalplan

Die Kommune müsste ein Raumordnungsverfahren und eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchführen, dann die bauplanungsrechtlichen Anforderungen überprüfen. „Wie sieht es mit dem Schattenwurf der Rotorblätter aus, wie laut ist das Rad, was sagt der Flächennutzungsplan, was der Regionalplan“, zählte Funke einige Punkte auf. Um den erzeugten Strom aufzunehmen, braucht es ein leistungsfähiges Stromnetz, sagte Volker Laudien vom regionalen Stromanbieter N-ergie. Der überschüssige Strom könnte verkauft werden. Im Landkreis biete sich laut Laudien ein großes Potenzial. Doch um den Strom flächendeckend aufzunehmen, etwa den Solar- oder Windstrom von abgelegenen Bauernhöfen, müssten weitere Leitungen verlegt und Umspannwerke installiert werden. „Allein für das eigentliche Stromnetz müssten wir mit einer Bauzeit von zwei bis zehn Jahren rechnen“, sagte Laudien.

Aus Sicht eines Windkraftbetreibers schilderte Wilfried Florio aus Obernbreit seine Erfahrungen und nannte auch Kosten. Mittlerweile betreibt seine Gesellschaft das fünfte Windrad, „das konnten wir sozusagen bar bezahlen“. Die Kosten für ein Windrad, sagte Florio auf Anfrage aus den Reihen der Interessierten, „liegen irgendwo zwischen zweieinhalb und fünf Millionen Euro, von der Idee bis zur Fertigstellung“. Durch die Zuhörerreihen ging ein Raunen. „In diesen Kosten steckt auch die Landschaftsausgleichsabgabe. Pro Meter des 'Spargels' sind das 350 Euro, mal 138 Meter, wären das allein schon fast 50 000 Euro,“ nannte Florio Zahlen. Das Wichtigste sei der Standort, „ohne Wind dreht sich natürlich auch kein Windrad“.

Was die Finanzierung angeht, da bot sich an dem Abend neben der BBV-Landsiedlung (Funke: „Wir würden komplett in Vorleistung treten und über Pacht und Miete unsere Kosten reinholen.“) auch Stefan Lochmüller von der Unternehmensentwicklung der N-ergie an. „Wir empfehlen als Gesellschaftsform eine Genossenschaft“, sagte Lochmüller. N-ergie würde sich daran beteiligen. Er betonte: „Die Entscheidung treffen Sie, die Bürger vor Ort.“ Auch die Kommune könne sich an der Gesellschaft beteiligen.

Hans Plate, stellvertretender BBV-Ortsobmann von Hüttenheim, verteilte nach den Vorträgen Fragebögen an interessierte Bürger. Bislang haben sich zwölf Interessenten eingetragen, die die Idee der Windenergienutzung in Bürgerhand mit betreiben wollen.

Wer Interesse an einer Beteiligung hat, wendet sich an die BBV-Geschäftsstelle in Kitzingen, Tel. (0 93 21) 1 34 60. Weitere Infos im Internet unter www.bbv-ls.de

Von unserem Mitarbeiter Guido Chuleck
    
    

Diesen Artikel

  • Webnews einstellen
  • Teilen
Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Party

 
    

News

 
    

Sport

    
    

Termine Heute

 
    

Morgen

 
    

Suche

    
    

Live-Ticker 

    
    

KLASSE! 

KLASSE!
Das Medienprojekt für Schulen - alle Informationen. »mehr
    
Anzeige
    
Anzeige
    
    

s.Oliver Baskets TV

    
    

Gas

 
    

DSL

 
    

Strom

Gas
Tarifrechner
Kostenloser Gas-Tarifrechner mit allen aktuellen Anbietern und Tarifen.
Ihre PLZ
Verbrauch
    
    

Börsendaten

    
    

Anzeigen 

Traueranzeigen
Täglich aktuell auf mainpost.de: Traueranzeigen aus der Region.  »mehr
    
    

Pfiffikus - Zeitung für Kinder 

Die Zeitung für Kinder jetzt auch täglich im Internet auf mainpost.de lesen. »mehr
    
    

111 Dinge 

...die Sie in Mainfranken tun müssen:
Mit unserer großen Serie lernen Sie die Region neu kennen. »mehr
    
    

Recht auf Auskunft 

Kommunalpolitik
Bürger haben ein Recht auf politische Teilhabe und Journalisten ein Recht auf Auskunft. Das mussten auch einige Bürgermeister erst lernen. »mehr
    
    

Main-Post intern