aktualisiert: 07.02.2012 17:10 Uhr
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HERRNSHEIM
Wie Bürger die Windenergie nutzen können
Bauernverband Herrnsheim informierte über das Vorgehen beim Bau eines Windrades
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Bis ein Windrad steht, ist es ein langer Weg.Foto: Obermeier -
Standen den interessierten Bürgern in der Marktschänke Rede und Antwort: (von links) Wilfried Florio (Windenergie-Projekt), Johannes Funke (BBV-Landsiedlung), Stefan Lochmüller (n-ergie Unternehmensentwicklung) und Volker Laudien (n-ergie Netzbetrieb).Foto: Guido Chuleck
„Goldgräberstimmung!“ Mit diesem Begriff verglich Johannes Funke den gegenwärtigen Wirbel um Windräder und andere erneuerbare Energien. Der Mann von der Landsiedlung des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), einer Gesellschaft zur betrieblichen Unterstützung der bayerischen Landwirte, sagte das bei der Informationsveranstaltung rund um die „Windenergienutzung in Bürgerhand“ in Herrnsheim. Um Bürger über Hintergründe zu informieren, hatte der BBV-Ortsverein zu dieser Infoveranstaltung in die Marktschänke eingeladen.
Gut 110 Zuhörer erfuhren von vier Referenten, dass es von der ersten Idee einer Windradanlage bis zum Bau und Betrieb ein weiter Weg ist. Zunächst, erklärte Johannes Funke, muss ein Windplan erstellt werden, ob am potenziellen Standort in 138 Metern Höhe, der durchschnittlichen Höhe von Windradnaben, überhaupt genügend Wind weht.
Danach muss die Kommune entscheiden, ob das Vorhaben genehmigungsfähig ist. Ein Windgutachten wird erstellt, die Wirtschaftlichkeit geprüft, und nach mehreren zum Teil öffentlichen Versammlungen könnte dann eine Gesellschaft gegründet werden, die die Anlage betreibt. Zwischengeschaltet ist auch ein Artenschutzgutachten, dessen Erstellung eine Vegetationsperiode, also ein Jahr, dauert.
Schattenwurf und Regionalplan
Die Kommune müsste ein Raumordnungsverfahren und eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchführen, dann die bauplanungsrechtlichen Anforderungen überprüfen. „Wie sieht es mit dem Schattenwurf der Rotorblätter aus, wie laut ist das Rad, was sagt der Flächennutzungsplan, was der Regionalplan“, zählte Funke einige Punkte auf. Um den erzeugten Strom aufzunehmen, braucht es ein leistungsfähiges Stromnetz, sagte Volker Laudien vom regionalen Stromanbieter N-ergie. Der überschüssige Strom könnte verkauft werden. Im Landkreis biete sich laut Laudien ein großes Potenzial. Doch um den Strom flächendeckend aufzunehmen, etwa den Solar- oder Windstrom von abgelegenen Bauernhöfen, müssten weitere Leitungen verlegt und Umspannwerke installiert werden. „Allein für das eigentliche Stromnetz müssten wir mit einer Bauzeit von zwei bis zehn Jahren rechnen“, sagte Laudien.
Aus Sicht eines Windkraftbetreibers schilderte Wilfried Florio aus Obernbreit seine Erfahrungen und nannte auch Kosten. Mittlerweile betreibt seine Gesellschaft das fünfte Windrad, „das konnten wir sozusagen bar bezahlen“. Die Kosten für ein Windrad, sagte Florio auf Anfrage aus den Reihen der Interessierten, „liegen irgendwo zwischen zweieinhalb und fünf Millionen Euro, von der Idee bis zur Fertigstellung“. Durch die Zuhörerreihen ging ein Raunen. „In diesen Kosten steckt auch die Landschaftsausgleichsabgabe. Pro Meter des 'Spargels' sind das 350 Euro, mal 138 Meter, wären das allein schon fast 50 000 Euro,“ nannte Florio Zahlen. Das Wichtigste sei der Standort, „ohne Wind dreht sich natürlich auch kein Windrad“.
Was die Finanzierung angeht, da bot sich an dem Abend neben der BBV-Landsiedlung (Funke: „Wir würden komplett in Vorleistung treten und über Pacht und Miete unsere Kosten reinholen.“) auch Stefan Lochmüller von der Unternehmensentwicklung der N-ergie an. „Wir empfehlen als Gesellschaftsform eine Genossenschaft“, sagte Lochmüller. N-ergie würde sich daran beteiligen. Er betonte: „Die Entscheidung treffen Sie, die Bürger vor Ort.“ Auch die Kommune könne sich an der Gesellschaft beteiligen.
Hans Plate, stellvertretender BBV-Ortsobmann von Hüttenheim, verteilte nach den Vorträgen Fragebögen an interessierte Bürger. Bislang haben sich zwölf Interessenten eingetragen, die die Idee der Windenergienutzung in Bürgerhand mit betreiben wollen.
Wer Interesse an einer Beteiligung hat, wendet sich an die BBV-Geschäftsstelle in Kitzingen, Tel. (0 93 21) 1 34 60. Weitere Infos im Internet unter www.bbv-ls.de
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